PORT-AU-PRINCE - Zweieinhalb Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti wächst die Angst vor Gewalt und die Kritik an mangelnder Koordination der Hilfe. Helfer berichteten von einer angespannten Sicherheitslage. Dorthin, wo wirklich Hilfe benötigt werde, traue sich niemand, sagte die Kölner Ärztin Barbara Höfler, Helferin der Salesianer Don Boscos. Die Regierung in Port-au-Prince warnte die Bevölkerung vor dem unkontrollierten Wiederaufbau ihrer Häuser. Radiosender verbreiteten entsprechende Aufrufe.
„Die Regierung will verhindern, dass die Menschen die Häuser ohne jede Planung wieder aufbauen“, sagte Vincenzo Pugliese, Sprecher der UN-Mission in Haiti, in Port-au-Prince. Sie wolle eine Strategie entwickeln, um die neuen Häuser sicherer zu bauen und die alten Fehler zu vermeiden. Die Regierung verbietet zudem den Weiterverkauf von Lebensmitteln, die gratis von Hilfsorganisationen verteilt werden.
Hilfsorganisationen bemängelten einen unzureichenden Schutz gegen Plünderer. Höfler berichtete über marodierende Banden, die die Einrichtungen ihrer Organisation geplündert hätten.
Unterstützung der Sicherheitskräfte gebe es kaum für die Helfer. Von einer zunehmend angespannten Sicherheitslage sprach auch der aus Haiti zurückgekehrte Würzburger Arzt Joost Butenop. Es sei bereits zu ersten Demonstrationen und Straßenblockaden gekommen. Der Grund: „In den Slums sind fast keine Häuser zerstört worden.“ Hilfsgüter gebe es jedoch nur für diejenigen, die kein Dach mehr über dem Kopf hätten.
Angesichts unklarer Kompetenzen zwischen den einzelnen Hilfsorganisationen kündigte die haitianische Regierung die Ernennung eines Nothilfe-Koordinators an. Die für Ende Februar geplanten Wahlen sollen unter Umständen um zwei Jahre verschoben werden. Zahlreiche Politiker sind bei dem Erdbeben ums Leben gekommen.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen begann damit, die Waisenkinder im Erdbebengebiet von Haiti zu erfassen. Die Kinder sollen in extra eingerichteten Notunterkünften unterkommen, teilte Unicef in Paris mit. Die Zahl der Waisen oder von ihren Eltern getrennten Kinder wird auf eine halbe Million geschätzt.
