OLDENBURG - Der Familienname ist Programm, aber mit dem berühmten Vater muss man Lars Brandt längst nicht mehr automatisch in Verbindung bringen, auch wenn sein erstes Buch „Andenken“ von Erinnerungen an Willy Brandt erzählt.
Der in Bonn lebende Filmemacher, Künstler und Autor war schon einmal in Oldenburg, als er einige seiner Werke im Oldenburger Kunstverein ausstellte. In der von der Buchhandlung Isensee und der Oldenburgischen Landesbank veranstalteten Reihe „Seitensprünge“ las Lars Brandt nun im gut besuchten Theater Laboratorium aus seinem neuen Buch „Gold und Silber“ (Hanser Verlag, 304 S., 19,90 Euro). Es ist nach „Andenken“ sein erster Roman.
In einer mittelgroßen deutschen Stadt spielend, beleuchtet er das Leben einer Gruppe von Künstlern, die in beherzter Tristesse einander umkreisen, zwischen hitzigen Diskussionen um neue Projekte, Großstadtsehnsüchten und heimlichen Leidenschaften. Denn ein Liebesroman ist es auch: Rudi, einer der Künstler, liebt Ginger, doch die ist bereits mit einem anderen zusammen. Bis nach Rom begleitet man Rudis vergebliches Werben, wohin er seiner Angebeteten hinterherreist.
Nach einer guten halben Stunde legt Lars Brandt das Buch zur Seite und richtet ein paar erklärende Worte an das Publikum. Bis hierher hat man sich von seiner leicht heiseren Stimme mitziehen lassen, die zurückhaltend, aber eindringlich Bilder, Orte und Personen heraufbeschwört und mit ihnen durch die Straßen, die Lokale, über regennasses Pflaster und rauchgeschwängerte Sit-ins zieht.
Mit leisem, lakonischen Humor erzählt er seinen „Ritterroman“, denn das ist „Silber und Gold“ tatsächlich auch: In ihrem Künstlerdasein wehren sich seine Protagonisten vehement gegen die Auswirkungen der kapitalistischen Gesellschaft.
Zwischen all diesen Edlen ist Rudi Lanzelot und Ginger ist Genevra, die er stets zu beschützen versucht. Denn überall sieht er Gefahren lauern, selbst in der Sicherheit des Alltäglichen: „Denn ist es etwa unter einem Berg weichgespülter Traininghosen nicht gefährlich?“, fragt er sich ernsthaft. Wie auch ein anderer Ritter von der traurigen Gestalt zieht Rudi in seinen Kampf gegen die Windmühlen.
Lars Brandts überaus gelungenem Vortrag lauschten die gut 90 Zuhörer mit gespitzten Ohren. Am Ende gab es viel Applaus, und Brandt hatte im Anschluss dieser hoch unterhaltsamen Dreiviertelstunde seine eigene Waffe zu zücken: den Stift nämlich, um viele Bücher zu signieren.
