Wildeshausen - Die Schülerinnen und Schüler der Integrationskurse in Wildeshausen haben im vergangenen Jahr im Rahmen ihrer Hausaufgaben künstlerische Collagen gestaltet. Ab Montag, 25. März, werden die Kunstwerke in der St.-Peter-Kirche, der Alexanderkirche, der digitalen Erlebniswelt der Volkshochschule (VHS) und der Firma Sanitas ausgestellt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Integrationskurse haben mit ihren Collagen Antworten auf ganz unterschiedliche Fragen gesucht: „Definiere das Wort Migrant“, „Wie waren deine Ferien?“, oder „Bilde Sätze mit ,Obwohl...’“. Die Ergebnisse sind so unterschiedlich wie die Geschichten ihrer Urheber und zeigen die Erfahrungen als Migranten.
Flucht und Vertreibung
Mit einigen der Bilder verarbeiten sie auch traumatisierende Erfahrungen wie Flucht und Vertreibung. Die Collagen zeigen einen Teufel mit Putins Gesicht, zerbombte Städte oder einen weinenden Schatten an einem Kinderbett. Andere Bilder setzten auf positivere Emotionen mit Blumen, Herzen oder Freude über den Deutschkurs und die Lehrerin.
„Bilder sagen manchmal mehr als Worte“, sagte Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski bei der Eröffnung der Ausstellung in der St.-Peter-Kirche. „Es ist eindrucksvoll zu sehen, was manche Menschen durchgemacht haben.“ Kuraschinski sieht in den Werken auch die Möglichkeit, Emotionen darzustellen, zu denen die Worte manchmal noch fehlen.
Die Idee für die Ausstellung kommt von der Integrationsbeauftragten Beatrice Bublitz. Die Ausstellung ist voraussichtlich bis zum 14. April an den verschiedenen Ausstellungsorten zu sehen, im Juni sollen alle Bilder außerdem gemeinsam im Stadthaus ausgestellt werden. „Eventuell tauschen einige Ausstellungsorte zwischendrin auch noch mal Bilder“, sagt Bublitz.
Diplom nicht anerkannt
Bei der Eröffnung in der St.-Peter-Kirche waren mit Olena Hatina und Rabiye Kaplan zwei der Teilnehmerinnen der Integrationskurse dabei. Die beiden Frauen sind aus der Ukraine und der Türkei nach Deutschland geflohen.
Hatina hat sich für ihre Collage mit der Idee auseinandergesetzt, wie eine Fernsehserie über ihren Integrationskurs aussehen würde – ihrer Meinung nach eine tragisch komische Fantasy-Serie. Die 39-jährige Kaplan stellt das „Obwohl“ in den Fokus ihrer Arbeit. Obwohl ihre Eltern weit weg sind, obwohl sie in der Türkei ihren Beruf nicht mehr ausüben durfte, obwohl ihr Diplom hier nicht anerkannt wird, soll sie gute Laune haben. Die Textpassage endet mit dem Satz: „Und trotzdem fühle ich so viel Trauer.“
