Altenoythe - Manchmal müssen die guten Ideen von Kindern kommen: Tammo (6) hat sich einen Erste-Hilfe-Kursus für sich und seine Kindergartenkollegen im Haus für Kinder Piccolino in Altenoythe gewünscht. Iris Göhre, Leiterin der Kita Piccolino und Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes, fand die Idee super. Doch im DRK-Kreisverband Cloppenburg gab es noch keine solchen Angebote, die auf Kindergartenkinder zugeschnitten waren. Bis jetzt.
Selbstschutz lernen
Thomas Rempe, Bereichsleiter für Ausbildung und Ehrenamt, und Ausbilderin Yvonne Mildenberger sprachen mit den Kita-Kindern, die nach den Ferien in die Schule kommen, über Erste Hilfe und Selbstschutz in Notsituationen. Es ist ein neues Modul, das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe finanziell unterstützt wird.
Für die Kinder gibt es einen Spielteppich mit einem Wimmelbild, auf dem viele bekannte Notsituationen zu sehen sind, aber auch die Hilfsorganisationen. „Jedes Kind hat schon irgendeine Situation erlebt, von der es berichten kann“, sagte Rempe. Ein Sturz vom Fahrrad, ein abgebrochener Zahn, eine Verletzung beim Spielen – darüber wurde gesprochen. Auch haben die Kindergartenkinder schon erlebt, dass ein Krankenwagen kommen musste, für ein verletztes Kind im Kindergarten oder ein erkranktes Familienmitglied.
Die Kinder lernten, was zu tun ist, wenn sie in eine Notsituation geraten: Erwachsene zur Hilfe holen, die Notrufnummer anrufen. Wie sollte man sich verhalten, wenn man plötzlich in ein Gewitter gerät? Oder wenn man von einer Wespe gestochen wurde? Auch um den Inhalt des Verbandskastens ging es: „Man schätzt ganz gerne, was Kinder mit fünf, sechs Jahren wissen“, sagte Rempe, der dieses neue ehrenamtliche Engagement mit Kitakindern, „absolut interessant und spaßig“ findet.
Spaßig – mit ernstem Hintergrund – wurde es dann im Bewegungsraum der Kita Piccolino. Dort durften die Kinder nun selbst aktiv werden. Jeder bekam ein Verbandpaket mit Einweghandschuhen, Bandagen und Pflastern. Damit sollten sich jeweils zwei Kinder gegenseitig verarzten. Das lief sehr gut. Anna und Rawan versorgten gegenseitig ihre „Kopfwunden“, was mit den Einweghandschuhen, die für Erwachsenenhände gemacht sind, gar nicht so einfach ist. Auch Mohammed und Cedric arbeiteten konzentriert an den Kopfverbänden. Dann kamen Knieverbände dran. Nur was sie mit den großen Pflastern machen sollten, die für drei Schürfwunden gereicht hätten, wussten die Kinder zunächst nicht. Doch auch hier fanden sie schnell eine Lösung: Mit den Klebestreifen ließen sich die Kniebandagen noch einmal extra sichern. Fertig.
Acht Module
Acht Module für verschiedene Bevölkerungsgruppen, etwa auch Jugendliche oder Senioren, soll das neue DRK-Angebot bekommen. Die meisten Module werden gerade ausgearbeitet, berichtete Rempe. Wenn die Kinder größer werden, werden die Inhalte angepasst. Ab dem 15. Lebensjahr soll es verstärkt um Katastrophenschutz gehen. „Zum Beispiel eine Situation wie nach der Flut im Ahrtal: Wie kann ich unterstützen? Oder: Was ist sinnvoll in größeren Mengen zu Hause zu haben, im Fall einer Katastrophe oder einer Pandemie“, sagte Rempe. Aber bis sie sich darum kümmern müssen, haben die Kita-Kinder noch etwas Zeit.
