EDEWECHT - „Dass Edewecht vor allem im 19. Jahrhundert ein bedeutsamer Werftenstandort in der Region war und hier über 120 zum Teil hochseetüchtige Schiffe gebaut wurden, wissen die wenigsten. Und genau da setzen wir an“, sagt Dr. Klaus Groh vom „Kunstpfad“, einem gemeinnützigen Verein zur Pflege der Kunst und Kultur im Ammerland. „In unserem Projekt ,Historische Orte der Kultur/vergessene Orte im Ammerland widmen wir uns besonderen Orten der Ammerländer Kultur- und Landschaftsgeschichte. Diese Orte waren einst von großer Bedeutung, wurden im Laufe der Zeit vergessen und sollen nun – durch künstlerische Beiträge – wieder ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden.“
Skulptur aus Cortenstahl
Vier Projekte „vergessener Orte“ hat der „Kunstpfad“ mit Unterstützung einiger Sponsoren in diesem Jahr geplant. Dazu gehört als Edewechter Beitrag auch das Industriedenkmal „Edewechter Werften“. Das Konzept für die mehrere Meter große und 1,5 Tonnen schwere Skulptur aus Corten-Stahl haben der Delfshauser Dieter Suhr und Klaus Groh gemeinsam entwickelt. Derzeit entsteht das Denkmal in der Montagehalle der Jeddeloher Firma Blancke. Auf einem gemeindeeigenen Grundstück ausgangs Süd-Edewechts an der Landesstraße in Richtung Süddorf, dort wo sich ein Parkplatz für Radfahrer nahe der Vehne befindet, soll das Industriedenkmal voraussichtlich im späten Frühjahr dieses Jahres installiert werden.
Standort bei der Vehne
Dass das Denkmal in der Nähe des Wasserlaufs stehen soll, hat seinen Grund: Wie Dieter Suhr ausführt, wurden an der Vehne vor allem im 19. und zu Beginn des 20. Jahrunderts unter freiem Himmel auf Helgen (offenen Schiffsbauplätzen) die Rümpfe von Segelschiffen gebaut. „Auch Heinrich Christian Brand hat 1851 sein erstes Schiff in Edewecht gebaut, bevor er 1853 nach Oldenburg zog und an der Hunte eine Schiffswerft betrieb“ ergänzt Klaus Groh. An der Stelle, wo Brand sein erstes Schiff baute, seien in der Biegung der damals unbegradigten Vehne (nahe der heutigen Landesstraße nach Osterscheps) über zehn Helgen entstanden. Um die fertigen Schiffsrümpfe auf dem Wasser weitertransportieren zu können, sei die Vehne angestaut worden. Im Frühjahr wurden die Schiffsrümpfe auf einer „Welle“ des angestauten Wassers durch die Aue, das Godensholter und Barßeler Tief, über Leda und Jümme bis nach Leer gebracht. Hier seien die Schiffe ausgebaut worden, die kleineren Schiffe habe man in Barßel fertiggestellt. Auf den Edewechter Helgen seien zwischen 1827 und 1913 123 Segelschiffe entstanden. Dazu gehörte auch die legendäre „Lina“. Auf ihr fuhr Käptn Kuper 1880 bis nach Adelaide/Australien.
