Bookhorn - Im Eingangsbereich steht ein Tisch, auf dem Hygienemaßnahmen erklärt sind, im Schulungsraum markiert rotes Klebeband die Sicherheitsabstände zwischen Dozent und Teilnehmern: Die Corona-Pandemie hat in der Dienststelle der Ganderkeseer Malteser Spuren hinterlassen. „Ohne Corona wären wir schon weiter“, sagt Dienststellenleiter Ralph Meyer.
Ralph Meyer ist seit April Leiter der Dienststelle an der Robert-Bosch-Straße 2 in Ganderkesee. Parallel verantwortet er die Flüchtlingsarbeit der Hilfsorganisation im Landkreis Oldenburg. Der 53-Jährige lebt in Jever. Er ist zudem Leiter des Bereichs Ausbildung in Ganderkesee.
Sein Vorgänger Philipp Seidel ist inzwischen im Offizialatsbezirk Oldenburg der Malteser Projektmanager für den Bereich Soziales Ehrenamt.
Ende 2016 übernahmen die Malteser die Rettungswache an der Urneburger Straße, im September 2018 wurde die Dienststelle in Bookhorn eröffnet. Viele der zu diesem Zeitpunkt formulierten Zielsetzungen sind seither erreicht worden, andere mussten zurückgestellt werden.
Drohnengruppe
19 Einsätze liegen hinter der vor knapp einem Jahr gegründeten Drohnengruppe. Die SEG (Schnelleinsatzgruppe) „Drohne" ist eine von drei Multicopter-Einheiten der Malteser in Niedersachsen und kommt etwa dann zum Einsatz, wenn es darum geht, sich aus der Luft einen Überblick über ein Unfallgeschehen zu verschaffen, mittels Thermografie Brandnester aufzuspüren oder vermisste Personen zu suchen.
„Die Drohnengruppe ist unser Leuchtturmprojekt“, sagt Ralph Meyer. Geleitet wird die aktuell 16-köpfige SEG von Christian Liebezeit, der sich nicht nur weitere Drohnenführer, sondern auch zusätzliche technisch interessierte Ehrenamtliche wünscht.
Ausbildung
„Wir dürfen im Moment kaum Helferausbildung betreiben“, bedauert Ralph Meyer, der selbst als Ausbilder tätig ist. Dabei sei der Bedarf, auch in den Reihen der SEG, groß. Alle sollen möglichst die Ausbildung zum Einsatzsanitäter absolvieren.
Die Breitenausbildung, etwa Erste-Hilfe-Kurse für Führerscheinanwärter und Firmen, Aus- und Weiterbildung von Betriebshelfern oder auch Kurse für den Umgang mit Kindernotfällen, ist im Juli wieder angelaufen. Alle Kurse waren – mit reduzierter Teilnehmerzahl – ausgebucht.
Am 2. September jährt sich die Einweihung der Dienststelle Ganderkesee an der Robert-Bosch-Straße 2 im Gewerbegebiet Bookhorn zum zweiten Mal. Eigentlich hatten die Malteser einen Tag der offenen Tür veranstalten wollen – doch Corona machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.
Die Alternative – natürlich unter Einhaltung der Corona-Regeln – fällt nun etwas kleiner aus: Wer sich für die Bereiche Sanitätsdienst oder Drohnen-SEG interessiert, ist eingeladen, an einem offenen Dienstabend teilzunehmen, der auf den Jahrestag, also den 2. September, fällt – Beginn ist um 19.30 Uhr. Eine Anmeldung per E-Mail (malteser.ganderkesee@malteser.org) ist unbedingt erforderlich.
Ihre Öffentlichkeitsarbeit wollen die Malteser in der Nach-Corona-Zeit wieder intensivieren. Unter anderem sei gerade ein Arbeitskreis gegründet worden, der den Auftritt bei der Ganderkeseer Gewerbeschau im Mai 2021 vorbereitet, berichtet Dienststellenleiter Ralph Meyer.
Eine Ganderkeseerin befinde sich derzeit in der Ausbildung für das Kriseninterventionsteam der Malteser (KIT), das auf psychosoziale Notfallversorgung spezialisiert ist. Sie werde künftig als Ergänzung zur Drohnengruppe eingesetzt, so Meyer.
Sanitätsdienst
Unter den Einschränkungen für die Ausbildung leidet laut Meyer auch der Bereich Sanitätsdienst. Allerdings sei aufgrund der Pandemie auch die Nachfrage gering. Ein kleiner Pool von Ehrenamtlichen stehe bereit und werde, wenn nötig, durch andere Gliederungen verstärkt. Veranstaltungen, die die Malteser begleiten sollten, das Hasbruchsingen etwa, sind ausgefallen.
Integrationsdienste
Entwickeln möchte Meyer das Angebot der „Job-Coaches“: Wie in anderen Orten soll künftig auch in Ganderkesee Migranten der Einstieg ins Arbeitsleben über Einzelberatung erleichtert werden.
Senioren
Im Aufbau befindet sich ein telefonischer Besuchsdienst. „Wir haben besonders in der Corona-Zeit gemerkt, dass den Menschen persönliche Kontakte fehlen“, so Meyer. Abhilfe schaffen könnten Anrufe zu vereinbarten Zeiten.
Das Café Malta, ein Treffpunkt für Demenzerkrankte, ist inzwischen wieder in die Dienststelle Delmenhorst zurückgekehrt. Ebenfalls von dort betreut werden die Projekte „Mobiler Einkaufswagen“ und Besuchsdienst mit Hund. Der Hausnotruf wird von Wildeshausen aus gesteuert.
