Ganderkesee - Christian Liebezeit ist es wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, dass es sich bei dem, was er und seine Mitstreiter tun, um Spielerei von Technikfans handelt: Aus Sicht des Leiters der Drohnengruppe der Ganderkeseer Malteser ist der Einsatz von Kamera- und Thermografie-Drohnen die Zukunft des Brand- und Katastrophenschutzes. Durchschnittlich dreimal im Monat rückt die Schnelleinsatzgruppe zu Einsätzen aus.
Suche nach Vermissten
Im Juli wurde die Drohnenstaffel sogar viermal hinzugezogen – zuletzt bei einer Personensuche in Delmenhorst. Bei Massenkarambolagen auf Autobahnen oder bei Großbränden wird die noch vergleichsweise neue Technik ebenfalls eingesetzt, um einen besseren Überblick zu gewinnen und die Einsatzkräfte aus der Luft zu unterstützen.
16 Piloten gehören der Drohnengruppe der Malteser aktuell an. Ausgebildet wurden sie von der Ganderkeseer Firma Syswe (Systemtechnik Weser-Ems), mit deren Geschäftsführer Stephan Neitzel die Malteser in engem Austausch stehen. Ein weiterer Lehrgang ist laut Christian Liebezeit geplant, eventuell noch in diesem Jahr.
Benötigt werden neben Drohnenführern weitere technisch interessierte Ehrenamtliche – unter anderem für die Auswertung am PC, Koordination und Funk.
Das Training findet abwechselnd montags und mittwochs in Kleingruppen statt. Infos:
Auch nach Unglücken kommt die Drohne zum Einsatz – etwa bei der Spurensicherung in Brandruinen, die aus statischen Gründen nicht betreten werden dürfen, oder zu Dokumentationszwecken nach Großschadenslagen. Damit all das möglich ist, ist hochwertige Technik verbaut. „Allein unser Wärmebildobjektiv hat den Wert eines Kleinwagens“, erklärt Liebezeit. Dank der großzügigen Spende eines Ganderkeseer Unternehmens ist die 2019 gegründete Drohnengruppe –übrigens im gesamten Landkreis Oldenburg die einzige ihrer Art – seit Jahresbeginn auch im Besitz eines Suchscheinwerfers, der sich vom Boden aus steuern lässt.
Mehrere Drohnen parallel
Insgesamt vier Drohnensysteme stehen in Ganderkesee inzwischen für Ausbildung und unterschiedliche Aufgaben zur Verfügung. „Bei einer Personensuche haben wir vor Kurzem zusätzlich noch Kollegen aus Cloppenburg angefordert, um eine schnellere Suche zu ermöglichen“, berichtet Liebezeit. Auch in Kombination mit anderen Rettungsmitteln, etwa der Hundestaffel der Feuerwehr Lemwerder, kommt die Drohnengruppe häufig zum Einsatz.
Dokumentation von oben
Die Fähigkeit, die komplexe Technik bedienen zu können, erfordert viel Übung. Die erhalten die Mitglieder der Drohnengruppe nicht nur beim wöchentlichen Training, sondern seit Kurzem auch bei einem Kooperationsprojekt mit der Johanniter-Unfall-Hilfe in Ahlhorn, die im Auftrag der Gemeinde Großenkneten das Quartiersmanagement im Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ übernimmt. Teil dieses Auftrags ist die Erstellung einer Fotodokumentation des Sanierungsgebiets Wildeshauser Straße vor Beginn der Bauprojekte und nach Abschluss des Städtebauförderprogramms. Der Trainingseffekt für die Drohnengruppe bestehe darin, aus 60 bis 100 Metern Höhe reproduzierbare Aufnahmen zu fertigen – stets in der gleichen Einstellung, der gleichen Höhe und im gleichen Winkel, erklärt Liebezeit.
Auch, wenn das Engagement in der Drohnengruppe ehrenamtlich geschieht und Investitionen nur durch Spenden möglich sind, ist die Motivation der Aktiven groß. „Die Welt von oben mit anderen Augen zu sehen“, beschreibt Liebezeit die Faszination seines Ehrenamts.
