Friesland - Stetig steigende Beiträge zur Berufshaftpflicht bei nur geringem Verdienst pro Geburt haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass viele freiberufliche Geburtshelferinnen ihren Beruf an den Nagel gehängt haben. Auch in Friesland hatten Hebammen mit Unterstützung von Schwangeren bei der Politik Abhilfe gefordert – mit Erfolg: „Mittlerweile federt ein Sicherstellungszuschlag die immensen Versicherungskosten ab“, sagt Frieslands Kreisdelegierte Hebamme Christina Harms-Janßen.
Das helfe zumindest ein bisschen – langfristig ist das Problem aber nicht gelöst. Denn der Sicherstellungszuschlag steigt nicht zusammen mit den Beiträgen zur Berufshaftpflicht. „Das bedeutet: Im Lauf der Jahre wird die Finanzierungslücke für die Hebammen wieder deutlich steigen“, so Harms-Janßen. Zudem ist die Beantragung ein immenser bürokratischer Akt. „Und die Bewilligung dauert ewig.“
Immerhin ist bei der Politik angekommen, dass die Hebammen Unterstützung brauchen. Doch der Beruf muss deutlich attraktiver werden – nur dann kann der Bedarf an Hebammen gedeckt werden: „Wir brauchen eine adäquate Bezahlung unserer Leistung“, sagt Harms-Janßen: Denn Kinder kommen, wann sie kommen – eben auch nachts und feiertags. Zuschläge gibt es für Hebammen – aber üppig sind sie nicht.
Nicht nur im Nordwesten, sondern in ganz Deutschland ist die Situation die gleiche: Hebammen sind rar. Berliner Hebammen haben eine bundesweite Initiative ins Leben gerufen – mit der Aktion „Lieber Jens“wollen sie einfache, starke und persönliche Nachrichten direkt an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schicken. Schwangere, Partner, junge Eltern, Hebammen, Betroffene – alle sind aufgerufen, mitzumachen.
Notwendig ist außerdem, dass die Hebammenausbildung akademisiert wird: Deutschland ist das einzige EU-Land, in dem Hebammen an Schulen ausgebildet werden. Mit der so genannten „Westersteder Erklärung“ setzen sich Niedersachsens Hebammen für die Einrichtung des Studiengangs Hebammenwissenschaft ein. „Am liebsten an der FH in Wilhelmshaven“, sagt Christina Harms-Janßen. Denn dann könnte den angehenden Hebammen gleich die Arbeit im ländlichen Raum schmackhaft gemacht werden.
