Ganderkesee - Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen eine sehr intensive Lebenserfahrung: Hormonelle Umstellungen können die Psyche und das Gefühlsleben belasten, der Körper verändert sich und ständig schwingen Sorgen um das ungeborene Kind mit.
Umso wichtiger wäre hier eine professionelle Unterstützung während der Schwangerschaft und im Wochenbett – doch genau darin liegt das Problem. Im Landkreis Oldenburg herrscht – wie auch im Rest Deutschlands – ein gravierender Mangel an Hebammen. Viele Frauen finden bis zum Ende ihrer Schwangerschaft keine Unterstützung. So geht es auch Laura Stawinsky aus Schierbrok, die mit ihrem ersten Kind schwanger ist: „Man fühlt sich wirklich alleingelassen.“
Zusätzliche Belastung
Stawinsky und ihr Partner, die sich kürzlich mit der Verpackungskontor Nord GmbH im Gewerbegebiet Ganderkesee-West selbstständig gemacht haben, waren monatelang auf Hebammen-Suche – sie erhielten allerdings nur Absagen. „Der Geburtstermin liegt auch noch in den Sommerferien, deswegen wurden wir erst recht abgewiesen, aber sowas lässt sich natürlich schlecht im Voraus planen“, berichtete die 28-Jährige. „Eine Bekannte hat die Suche irgendwann ganz aufgegeben und sich alles selbst angelesen, aber das ist natürlich nicht das Gleiche, vor allem nicht beim ersten Kind“, so Stawinsky weiter.
Sie ist schwanger und hat bis kurz vor dem Geburtstermin keine Zusage einer Hebamme erhalten: Laura Stawinsky aus Schierbrok schildert wie Frauen durch den Hebammenmangel im Landkreis Oldenburg belastet werden
PrivatDas lange Suchen und die Ungewissheit würden zusätzlichen Stress und Nervosität auslösen – zwei Dinge, die gerade Schwangere eigentlich vermeiden sollten.
Größte Sorge: Nachsorge
Das größte Problem sieht die 28-Jährige aber in der fehlenden Nachsorge. „Wir haben jetzt kurz vor dem Geburtstermin noch eine Hebamme gefunden, die mich zumindest im Wochenbett unterstützt“, erzählte die Schierbrokerin. Es bleibe aber keine Zeit mehr, sich vorher persönlich kennen zu lernen. „Es ist schade, dann erstmal vor einer fremden Person zu stehen, aber wir sind natürlich sehr dankbar, dass wir überhaupt noch jemanden gefunden haben. Das Glück haben viele nicht.“
Die Alternative wäre, jeden Tag in ein Krankenhaus oder zu einem Frauen- oder Kinderarzt zu fahren. Das ist für Frauen im Wochenbett allerdings körperlich sehr belastend und stellt zudem ein erhöhtes Infektionsrisiko für die Mutter und das Neugeborene dar. Auch Wochenbettdepressionen oder Stillschwierigkeiten könnten so gar nicht oder erst zu spät erkannt werden. Deswegen müsse „dringend etwas passieren, die Lage ist wirklich dramatisch“, so die Schwangere.
Doula keine Alternative
„Wir haben uns dann letztlich an eine Doula gewandt, um auch während der Schwangerschaft Unterstützung zu bekommen, aber das ist keine wirkliche Alternative.“
Denn eine Hebamme ist eine ausgebildete Geburtshelferin, die Frauen im Idealfall von Beginn der Schwangerschaft über das Wochenbett bis hin zum Ende der Stillzeit begleitet. Während der Geburt übernimmt sie die medizinische Leitung.
Eine Doula hingegen kann eine Ergänzung sein, die der Schwangeren als physische und emotionale Stütze zur Seite steht – sie darf allerdings keine medizinischen Eingriffe vornehmen.
Außerdem werden die Kosten für eine Doula nicht von der Krankenkasse übernommen. „Wir zahlen um die 800 Euro für vier Termine, das können sich einfach nicht alle leisten und manche Frauen bleiben dann ganz auf sich allein gestellt“, schilderte Stawinsky die Lage.
