Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop Hilfe & Tipps

Hebammenmangel im Landkreis Oldenburg Schwangere fühlen sich alleingelassen

Jede gesetzlich krankenversicherte Frau hat einen Anspruch auf die Unterstützung von einer Hebamme während der Schwangerschaft. Doch im Landkreis Oldenburg herrscht, wie in vielen ländlichen Regionen, ein gravierender Hebammenmangel (Symbolbild).

Jede gesetzlich krankenversicherte Frau hat einen Anspruch auf die Unterstützung von einer Hebamme während der Schwangerschaft. Doch im Landkreis Oldenburg herrscht, wie in vielen ländlichen Regionen, ein gravierender Hebammenmangel (Symbolbild).

dpa

Ganderkesee - Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen eine sehr intensive Lebenserfahrung: Hormonelle Umstellungen können die Psyche und das Gefühlsleben belasten, der Körper verändert sich und ständig schwingen Sorgen um das ungeborene Kind mit.

Umso wichtiger wäre hier eine professionelle Unterstützung während der Schwangerschaft und im Wochenbett – doch genau darin liegt das Problem. Im Landkreis Oldenburg herrscht – wie auch im Rest Deutschlands – ein gravierender Mangel an Hebammen. Viele Frauen finden bis zum Ende ihrer Schwangerschaft keine Unterstützung. So geht es auch Laura Stawinsky aus Schierbrok, die mit ihrem ersten Kind schwanger ist: „Man fühlt sich wirklich alleingelassen.“

Zusätzliche Belastung

Stawinsky und ihr Partner, die sich kürzlich mit der Verpackungskontor Nord GmbH im Gewerbegebiet Ganderkesee-West selbstständig gemacht haben, waren monatelang auf Hebammen-Suche – sie erhielten allerdings nur Absagen. „Der Geburtstermin liegt auch noch in den Sommerferien, deswegen wurden wir erst recht abgewiesen, aber sowas lässt sich natürlich schlecht im Voraus planen“, berichtete die 28-Jährige. „Eine Bekannte hat die Suche irgendwann ganz aufgegeben und sich alles selbst angelesen, aber das ist natürlich nicht das Gleiche, vor allem nicht beim ersten Kind“, so Stawinsky weiter.

Sie ist schwanger und hat bis kurz vor dem Geburtstermin keine Zusage einer Hebamme erhalten: Laura Stawinsky aus Schierbrok schildert wie Frauen durch den Hebammenmangel im Landkreis Oldenburg belastet werden

Sie ist schwanger und hat bis kurz vor dem Geburtstermin keine Zusage einer Hebamme erhalten: Laura Stawinsky aus Schierbrok schildert wie Frauen durch den Hebammenmangel im Landkreis Oldenburg belastet werden

Privat

Das lange Suchen und die Ungewissheit würden zusätzlichen Stress und Nervosität auslösen – zwei Dinge, die gerade Schwangere eigentlich vermeiden sollten.

Größte Sorge: Nachsorge

Das größte Problem sieht die 28-Jährige aber in der fehlenden Nachsorge. „Wir haben jetzt kurz vor dem Geburtstermin noch eine Hebamme gefunden, die mich zumindest im Wochenbett unterstützt“, erzählte die Schierbrokerin. Es bleibe aber keine Zeit mehr, sich vorher persönlich kennen zu lernen. „Es ist schade, dann erstmal vor einer fremden Person zu stehen, aber wir sind natürlich sehr dankbar, dass wir überhaupt noch jemanden gefunden haben. Das Glück haben viele nicht.“

Die Alternative wäre, jeden Tag in ein Krankenhaus oder zu einem Frauen- oder Kinderarzt zu fahren. Das ist für Frauen im Wochenbett allerdings körperlich sehr belastend und stellt zudem ein erhöhtes Infektionsrisiko für die Mutter und das Neugeborene dar. Auch Wochenbettdepressionen oder Stillschwierigkeiten könnten so gar nicht oder erst zu spät erkannt werden. Deswegen müsse „dringend etwas passieren, die Lage ist wirklich dramatisch“, so die Schwangere.


Doula keine Alternative

„Wir haben uns dann letztlich an eine Doula gewandt, um auch während der Schwangerschaft Unterstützung zu bekommen, aber das ist keine wirkliche Alternative.“

Denn eine Hebamme ist eine ausgebildete Geburtshelferin, die Frauen im Idealfall von Beginn der Schwangerschaft über das Wochenbett bis hin zum Ende der Stillzeit begleitet. Während der Geburt übernimmt sie die medizinische Leitung.

Eine Doula hingegen kann eine Ergänzung sein, die der Schwangeren als physische und emotionale Stütze zur Seite steht – sie darf allerdings keine medizinischen Eingriffe vornehmen.

Außerdem werden die Kosten für eine Doula nicht von der Krankenkasse übernommen. „Wir zahlen um die 800 Euro für vier Termine, das können sich einfach nicht alle leisten und manche Frauen bleiben dann ganz auf sich allein gestellt“, schilderte Stawinsky die Lage.

Alexandra Meier
Alexandra Meier Digitalteam Oldenburg/Ammerland
Meistgelesen

GROSSEINSATZ Bombendrohung in Bremen – Polizei gibt Hauptbahnhof nach Durchsuchung wieder frei

STAU AUF AUTOBAHNEN Unfälle auf A29 und A28 sorgen kurzzeitig für Verkehrschaos in Oldenburg

STADTKIRCHE JEVER Überraschender Fund – Wissenschaftler stoßen auf weiteres Grabgewölbe

PROZESS UM STEUERSCHULDEN Imbiss-Chef soll Geld beiseite geschafft haben

UNFALL IM AMMERLAND 10-Jährige in Apen angefahren – Fahrer und Zeugen gesucht

Themen
Meistgelesene Artikel
Artikelempfehlungen der Redaktion
Theaterszene trifft Politik (von links): Oldenburgs Intendant Georg Heckel, Landtagspräsidentin Hanna Naber, Kulturminister Falko Mohrs und der hannoversche Opernintendant Bodo Busse beim „Parlamentarischen Abend“

TREFFEN DER KULTURSZENE Kommunale Theater in Niedersachsen fürchten finanziellen Kollaps

Spielte bis 2023 für BW Papenburg und traf nun im Testspiel gegen seinen Ex-Club: Emdens Stürmer David Schiller

TORREICHER TEST BEI BW PAPENBURG Schiller trifft bei 5:0-Sieg gegen Ex-Verein – Steffens schnürt Doppelpack

Blick von oben: Das Wiefelsteder Baugebiet „Grote Placken“ im Dezember 2025.

BAUGEBIET IN WIEFELSTEDE Anschlusszwang ans Nahwärmenetz – Landgericht weist Klage zu „Grote Placken“ ab

Die Einsatzkräfte sind am Mittwochvormittag nach Leezdorf ausgerückt. Dort brennt ein Teilgebäude eines landwirtschaftlichen Betriebs.

FEUERWEHREINSATZ IM BROOKMERLAND Gebäude eines landwirtschaftlichen Betriebs in Leezdorf brennt

Dynamisch, ehrgeizig, torhungrig: Kickers-Stürmer Theo Schröder.

NEUE PODCAST-FOLGE „DEICHKICKER“ Schulter raus, Kampfgeist da – Emdens Stürmer Theo Schröder bleibt optimistisch

Die Krokusse kündigen den Frühling und damit den Start in die Gartensaison an.

GARTENZEIT Der Frühlingsanfang und seine kulturelle Bedeutung