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NWZonline.de Nachrichten Politik

Rudi Dutschke: Zur Ikone der Linken wurde er nie

11.04.2018

Berlin Rudi Dutschke steht am 11. April 1968 vor einer Apotheke auf dem Berliner Kurfürstendamm, als ihn ein Rechtsextremist mit drei Schüssen niederstreckt. Elf Jahre später stirbt der prominente linke Aktivist an den Spätfolgen des Attentats. Der Täter wird gefasst. Im Februar 1970 begeht er in seiner Zelle Selbstmord.

Dutschke war damals eine Symbolfigur, die den Hass der Rechten und Konservativen auf sich zog. Er hat neue Formen des Protests etabliert. Dennoch ist der prominenteste Vertreter des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in seiner Heimat nie zur Ikone geworden – auch wenn man in Berlin-Kreuzberg 2008 eine Straße nach ihm benannt hat.

Bedenkt man, wie stark sich Deutschland unter dem Einfluss der 68er-Bewegung verändert hat, ist es eigentlich erstaunlich, dass deutsche Linke heute zwar das Konterfei des 1967 in Bolivien getöteten Guerrilleros Ché Guevara auf dem T-Shirt tragen, aber nicht das des einstigen Wortführers der deutschen Studentenproteste.

Das mag an Dutschkes bisweilen schwer verdaulichen Bandwurmsätzen liegen, die selten zum griffigen Slogan taugten. Vielleicht verhinderte auch sein selbstgestrickt-alternativer Look die posthume Vermarktung von Rudi Dutschke als Popstar des Protests. Ganz anders als Ché Guevara, der mit Barett, zerknittertem Hemd, Zigarre und Macho-Blick nicht nur für linke Ideologie stand, sondern irgendwie auch für Abenteuer und Männlichkeit.

„Ché hatte ein schönes Gesicht und ein wildes Aussehen“, sagt der Berliner Politologe Hajo Funke, damals auch Mitglied im SDS. An den Äußerlichkeiten alleine liege es aber nicht. Funke glaubt, Dutschkes Wirken sei später „überblendet worden durch die Debatten über die RAF“. Was er meint, ist der von Gegnern der 68er-Bewegung oft erhobene Vorwurf, die linke Studentenbewegung habe den Terror der Rote-Armee-Fraktion überhaupt erst möglich gemacht. Funke findet diese Interpretation unfair. Er sagt, Dutschke sei gegen Gewalt gewesen, ein warmherziger Mensch.

Ihren ersten Anschlag verüben die späteren Mitbegründer der RAF, Andreas Baader und Gudrun Ensslin, eine Woche vor dem Attentat auf Dutschke. In Frankfurt zünden sie zwei Kaufhäuser an. Je radikaler die RAF wird, je mehr Menschen durch ihren Terror sterben, desto mehr schwindet ihr Rückhalt in der Bevölkerung.

Dutschkes Theorie vom „langen Marsch durch die Institutionen“ hat sich dagegen im Rückblick als praxistaugliches politisches Rezept erwiesen. Viele derjenigen, die damals losmarschiert waren, wurden später Minister und Professoren.

Ricarda Lang war noch nicht geboren, als Dutschke starb. Die Sprecherin der Grünen Jugend sagt: „Die 68er-Bewegung hat insgesamt sehr viel geleistet für die Modernisierung und Demokratisierung der Bundesrepublik, auch wenn es lange gedauert hat, bis die Frauen auch gehört wurden.“

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