Tossens - Die Reise sei schon sehr anstrengend gewesen, die dabei gewonnenen Eindrücke und die bewegenden Momente möchte er aber nicht missen, sagte Karl-Heinz König. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Wiltrud hat der 72-jähriger Tossenser erstmalig das Grab seines am 2. August 1941 – fünf Monate nach Geburt des Sohnes Karl-Heinz – in Russland gefallenen Vaters Heinrich König in der Kriegsgräberstätte Smolensk/Nishnjaja-Dubrowenka besucht.

Sanitätsgefreiter Heinrich König von der 7. Kompanie des Infanterie-Regiments 427 war 20 Jahre jung, als er während des Feldzuges von einer Kugel getroffen wurde. Wochen zuvor hatte er bei einem Heimaturlaub noch seinen gerade geborenen Sohn Karl-Heinz im Arm halten können. Ein bei diesem Anlass gemachtes Foto der kleinen Familie ist eines der wenigen Andenken, die Karl-Heinz König besitzt.

Gemeinsam mit seiner Mutter Erika wollte er schon immer das Grab seines Vaters ausfindig machen und besuchen. Aber dazu sei es nie gekommen. Als die Mutter 2009 starb, fand Karl-Heinz König die schriftliche Todesnachricht, die seine Mutter 1941 von der Wehrmacht erhalten hatte. Erstaunlicherweise trägt die das Ausstellungsdatum 25. Juni 1941, obwohl sein Vater erst am 2. August 1941 gefallen war.

Von der Deutschen Dienststelle (vormals Wehrmachtsauskunftstelle) und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erfuhr Karl-Heinz König, das sein Vater auf dem Soldaten-Waldfriedhof Smolensk/Nishnjaja-Dubrowenka, Reihe 14, Grab 43, begraben wurde. Auch dorthin führte eine sechstägige Gruppenreise des Volksbundes mit 186 Teilnehmern, darunter des Ehepaar König.


Per Flugzeug ging es vom Hamburg nach Moskau, von dort mit dem Bus nach Smolensk. Die Reise sei bestens organisiert gewesen, berichtete der in Bad Nauheim gebürtige Karl-Heinz König, der bereits seit 1965 in Tossens, der Heimat seiner Frau, zu Hause ist.

Beeindruckt ist „Kalle“ König vom sehr gepflegten Zustand der zudem schön angelegten deutschen Kriegsgräberstätten in Russland. Am Grab seines Vaters, dessen Namen mit Geburts- und Todestag auf einem der Granitstelen am Gedenkplatz zu finden ist, trug Karl-Heinz König das von ihm verfasste Gedicht vom „gestohlenen Vater“ vor.

Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Reisegruppe besuchten Wiltrud und Karl-Heinz König auch in den Soldaten-Friedhof Rshew. Dort hielt Diakon Karl-Heinz König eine Andacht.

Hauptanlass der Reise des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge war jedoch die Teilnahme an der Einweihung des Sammelfriedhofs Duchowschtschina 60 Kilometer nordöstlich der Stadt Smolensk durch Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maiziére und dem Oberbefehlshaber der russischen Landstreitkräfte, Generaloberst Wladimir Walentinowitsch Tschirkin. Es ist die letzte deutschen Kriegsgräberstätte, die der Volksbund in Russland anlegt. Über 70 000 deutsche Kriegstote in Russland sollen dort nach erfolgter Umbettung ihre letzte Ruhe finden.