Wildeshausen - Dieses Thema beherrschte in den vergangenen Tagen die heimische Fußballszene gewaltig. Nun gibt es Klarheit: Marcel Bragula, Trainer des Fußball-Bezirksligisten VfL Wildeshausen, bleibt auch in der Rückrunde seinem Heimatverein treu. Das gab der 44-Jährige am Mittwochvormittag bekannt. Dem Wildeshauser lag bekanntlich seit der vergangenen Woche ein konkretes Angebot des SV Atlas Delmenhorst vor. Dort sollte er beim Oberligisten bereits in der Winterpause die Nachfolge des vor zwei Wochen entlassenen Jürgen Hahn antreten.

„Unsere Arbeit basierte in den letzten Jahren immer auf Werten wie Loyalität, Anstand und Verlässlichkeit. Ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt in Verbindung mit einem gegebenen Wort steht damit nicht im Einklang“, erklärte Bragula, der in Wildeshausen einen Vertrag bis Saisonende hat, seine Entscheidung. Zuvor hatte er lange überlegt, um „die Lage sauber beurteilen“ zu können. Nach Gesprächen mit seiner Familie, den Verantwortlichen des VfL sowie seiner Mannschaft am Dienstag habe er noch „eine Nacht darüber schlafen wollen“, ehe er sich erklärte. „Es ist keine Entscheidung gegen Atlas, sondern der Respekt gegenüber meinen Spielern, die in den letzten Jahren meinen Idealen gefolgt sind, obwohl sie selbst auch immer wieder lukrative Angebote von anderen Clubs hatten“, führte Bragula weiter aus.

Wie nicht anders zu erwarten, wurde Bragulas Entschluss von der Mannschaft sehr positiv aufgenommen. Als „bemerkenswert“ bezeichnete beispielsweise Torhüter und Kapitän Sebastian Pundsack die Entscheidung seines Trainers. „Ich freue mich natürlich, dass Marcel da bleibt, um gemeinsam mit uns an der Saison weiterzubasteln – und natürlich wollen wir so erfolgreich wie möglich sein“. Laut Pundsack sei im Gespräch mit Mannschaft und Trainerteam deutlich geworden, wie sehr Bragula am Verein hänge. Der Torhüter betonte: „Marcel lebt seine Einstellung zum Fußball vor. Deshalb hätte es auch nicht zu ihm gepasst, wenn er uns im laufenden Betrieb verlassen hätte.“

Zumal ein solcher Schritt auch bei Abteilungsleiter Ottmar Jöckel sicherlich nicht gut angekommen wäre. „Wenn ein höher spielender Verein ihm ein Angebot macht, freut mich das für Marcel. So etwas kann und will ich nicht verhindern. Jedoch bin ich schon immer ein Gegner von Wechseln in der Winterpause gewesen – sowohl bei Spielern als auch bei Trainern“, hatte Jöckel Anfang dieser Woche gegenüber der NWZ geäußert.

Der SV Atlas muss sich nun bei seiner Trainersuche umorientieren. Denn der sportliche Leiter Bastian Fuhrken, der am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, hatte Bragula bis dato als „Eins-a-Lösung“ bezeichnet – und laut eigenem Bekunden auch mit keinem anderen Trainer verhandelt. „Atlas wird seine Geschichte weiterschreiben, weil gute Arbeit immer belohnt wird“, glaubt derweil Bragula. Die weitere Entwicklung beim SVA wolle er in Zukunft „hin und wieder als Fan mit Bratwurst und Bier“ im Stadion verfolgen.

Für ihn gelte es nun, den Fokus zusammen mit seiner Mannschaft auf die an diesem Sonntag, 2. Dezember, anstehende schwere Auswärtsbegegnung beim SV Wilhelmshaven zu richten. „Wir werden alles daran setzen, mit einem positiven Ergebnis in die Winterpause zu gehen“, sagte Bragula. Vor dem letzten Punktspiel des Jahres führen die Wildeshauser die Bezirksliga-Tabelle mit 38 Punkten vor TuS Obenstrohe (37) an.

Michael Hiller
Michael Hiller Redaktion Wildeshausen (Lokalsport)