Ihlow - Das Unternehmen Baustoff-Union gibt den Standort an der Friesenstraße in Ochtelbur in der Gemeinde Ihlow nach über 60 Jahren auf. Schluss ist am 13. Dezember, kündigte Filialleiter Dennis Albinus auf Nachfrage an. Der Räumungsverkauf läuft bereits. Der Grund für den Schritt: In Aurich will die Baustoff-Union im Februar expandieren und dort seine Tätigkeit bündeln. Zugleich reagiert das Unternehmen auf eine eher schwache Konjunktur im Baugewerbe. Sechs Mitarbeiter werden an den Firmenstandort im Industriegebiet in Aurich wechseln, andere haben bereits eine andere Beschäftigung in Aussicht.
Gewerbestandort seit 61 Jahren
Den Gewerbestandort an der Friesenstraße 85 gibt es seit 61 Jahren. Dort war zunächst der Baustoffhandel von dem Ihlower Hermann Janssen ansässig, später eröffnete der Unternehmer Enno Kruse. „Wir gehen mit einem weinenden Auge“, sagte Albinus. Zugleich räumte der bisherige Filialleiter mit einem Gerücht auf: „Wir sind aber keineswegs pleite.“ Für die Kunden vor Ort sei man ein wichtiger Heimwerker-Nahversorger gewesen. „Das Paket Schrauben am Samstagmorgen wird vielen sicher fehlen. Der Umgang mit den Kunden war hier sehr persönlich. Wir waren mit den Leuten per Du“, sagte der Filialleiter.
Noch ist eine Nachnutzung der Gewerbeflächen offen, im Gespräch sei dort jedoch die Ansiedlung von Handwerksbetrieben, weiß Albinus. Inhaber und Verpächter der Immobilie ist der ostfriesische Unternehmer Udo Fuhrmann, ein Neffe von Enno Kruse, der durch die Entwicklung und Vermarktung des XXL-Baugebietes „Im Timp“ in den Auricher Ortsteilen Extum und Haxtum bekannt ist. Fuhrmann war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Furcht vor Leerstand
Unterdessen kann Ochtelburs Ortsvorsteher Matthias Trauernicht (SPD) verstehen, dass die Baustoff-Union den Rückzug aus wirtschaftlichen Gründen antritt, um das Unternehmen in Aurich zentral auszubauen. „Wenn Arbeitsplätze gefährdet sind, habe ich Verständnis. Die Zeiten sind nicht mehr so rosig im Häuserbau“, so Trauernicht.
Dennoch komme der Rückzug zu einem Zeitpunkt, an dem Ochtelbur über Baugebiete weiter wachse. „Und der Baumarkt wurde mit der Zeit in der Qualität immer besser“, sagte er. Außerdem sei nach dem Aus des Raiffeisen-Landhandels bereits die Raiffeisenbank von Ochtelbur nach Riepe umgezogen. „Wichtig ist, dass hier kein Leerstand im Dorf entsteht“, sagte der Ortsvorsteher und hofft auf die Ansiedlung eines Handwerksbetriebs.
Für die Gemeinde Ihlow sprach Bürgermeister-Stellvertreter Harm Ubben das Bedauern der Verwaltung aus. Doch es werde deutlich weniger gebaut. „Das wird spürbar“, ist auch Harm Ubben froh, wenn keine Arbeitsplätze gefährdet sind.
Sparkassen Geldautomat bleibt bestehen
Doch auch, wenn es künftig keine Schrauben mehr an der Friesenstraße 85 gibt, bekommen Kunden dort weiterhin Bargeld, denn der erst 2023 installierte Geldautomat der Sparkasse Aurich-Norden bleibt von der Schließung der Baustoff-Union unberührt. Das machte Sprecherin Petra Zschietschmann auf Nachfrage deutlich.