Navigation überspringen
nordwest-zeitung

Traditionsgaststätte in Ihlow Wie das „Weiße Pferd" in Riepe die Jahrhunderte überdauerte

Absacker nach dem Wettkampf der Boßler aus Riepe und Plaggenburg: Gastwirt Hans Daudert lässt seine Gäste nicht lange auf dem Trockenen sitzen.

Absacker nach dem Wettkampf der Boßler aus Riepe und Plaggenburg: Gastwirt Hans Daudert lässt seine Gäste nicht lange auf dem Trockenen sitzen.

Günther Gerhard Meyer

Aurich - Unzählige Familienfeiern fanden hier statt, die Boßler haben hier ihre Siege gefeiert. Die alten Mauern der Gaststätte „Weißes Pferd“ aus dem Jahr 1773 können viel erzählen. Jetzt wird mit dem neuen Inhaber und Riepster Unternehmer Siegmar Krull ein neues Kapitel aufgeschlagen, das Betreiber-Ehepaar Hans (66) und Brigitte Daudert (66) blickt auf eine gute Zeit zurück. „Es waren wunderbare Jahre, durch die wir gesund und erfolgreich gegangen sind. Unsere Gäste sind uns immer treu geblieben“, ist Hans Daudert stolz auf das Erreichte.

Doch einmal müsse auch für sie als Betreiber Schluss sein. Der Riepster Investor Krull indessen schmiedet bereits Pläne für das Traditionshaus. Dabei könnten die uralte Kneipe und der 1998 erneuerte Saal getrennt verpachtet werden. Erste Gespräche laufen bereits, Vereine haben auch Interesse gezeigt, aber Priorität hat für Krull zunächst der Saal, der bereits ab dem 22. Dezember geschlossen ist. Für die Kneipe ist am 31. Dezember Schluss, offiziell wird der Betrieb im Frühjahr übergeben.

Eng mit der Familiengeschichte verbunden

Das Ehepaar Daudert hat für den Betrieb gelebt. Immer wieder gab es Gerüchte über eine Schließung. Doch das Ehepaar machte weiter. Das „Weiße Pferd“ ist seit 1932 eng mit der Familie von Brigitte Daudert verbunden. „Ich bin dort buchstäblich aufgewachsen“, erzählt sie. Ihre Großeltern, Sophie und Wilhelm Buhr, betrieben als Pächter das Anwesen ab 1932 für einige Jahre, zogen dann zeitweilig nach Lüneburg und erwarben nach ihrer Rückkehr das Gebäude von der Familie Backer. „Opa Wilhelm war ein erstklassiger Kneipier“, lobt Hans Daudert. Doch nicht nur das Gasthaus prägte die Familie: Auch die Fleischerei Buhr, in der Brigitte selbst mitarbeitete, spielte eine bedeutende Rolle.

Schlaflose Nächte erlebt

Brigittes Vater, Wilhelm Buhr, wurde 1934 ebenfalls hier geboren. Im Jahr 1967 übernahmen Brigittes Pateneltern, Inge und Bohle Saathoff, das Anwesen und führten es bis 1990 weiter. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde die Gaststätte mit Saalbetrieb verpachtet. Danach kamen Hans und Brigitte Daudert ins Spiel: Sie kauften das Gebäude. „Angesichts der hohen Kosten war mir damals als Arbeiterkind schon etwas mulmig“, gesteht Hans Daudert. Das Ehepaar betrieb zu dieser Zeit zwei gutgehende Imbissbetriebe im Freibad und im Gewerbegebiet in Riepe.

„Die vorherige Betreiberin hatte nur noch eine Silberhochzeit im Kalender stehen“, erinnert er sich. Doch auch wenn die Zeiten damals schwierig waren, gab es noch den „Friesenkrug“, der ebenfalls gut über die Runden kam. Der Erfolg gab den Dauderts recht, insbesondere als sie 1998 den alten Saal abreißen und für 180 Gäste einen modernen neuen Saal errichten ließen.

Höhenflug nicht aufzuhalten

Die anfänglichen Bedenken lösten sich in Nichts auf. Es was so, als hätte man nur auf den Neuanfang gewartet. „Plötzlich kamen viele Anfragen für Hochzeiten und Familienfeiern. Der Betrieb lief gut, und auch wenn es mal mehr Gäste waren, haben wir alles immer gut gemeistert“, sagt Hans Daudert. Und so sollte es auch immer bleiben. Die Dauderts konnten sich stets auf ihre treuen Stammgäste verlassen. Der Boßelverein Riepe ist bis heute ein treuer Kunde, wie der Vorsitzende Claas Beekmann feststellt, während die Schützen irgendwann in ihr eigenes Schützenhaus umzogen sind. „Wi hebben hier mennigmal good fiert“, sagt der Boßler. - Und so geht das Ehepaar zum Jahresende mit einem weinenden und einem lachenden Auge in den wohlverdienten Ruhestand.

Günther Meyer
Günther Meyer Ostfriesland-Redaktion/Aurich