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nordwest-zeitung

Schulausschuss pro Bildungscampus Die Zeichen stehen für eine „historische Chance“ auf Borkum

Ein Blick auf Borkum von oben: Das H-Gebäude ist die Inselschule, rechts daneben die Turnhalle und der Sportplatz.

Ein Blick auf Borkum von oben: Das H-Gebäude ist die Inselschule, rechts daneben die Turnhalle und der Sportplatz.

Andreas Behr

Leer/Borkum - Die Zeichen stehen günstig für den Bau eines Bildungscampus aus Grundschule, Oberschule und Berufsschule auf der Insel Borkum – womit gleich mehrere aktuelle Probleme der Schulen gelöst würden. Dieses Signal gab am Donnerstagabend der Schulausschuss des Kreistages bei seiner jüngsten Sitzung auch mit einem richtungsweisenden Beschluss. Da stellte Jens Lüning, Leiter des Gebäudemanagements beim Landkreis Leer, einen ersten Grundriss für den Neubau am Standort der Inselschule vor.

Handlungsbedarf an der Berufsschule und der Grundschule

Anlass sei die Erkenntnis, dass es sowohl an der heutigen Berufsschule als auch an der Grundschule Handlungsbedarf gebe, wie Landrat Matthias Groote in einer Stellungnahme erklärte, in der er zugleich die Notwendigkeit betonte, dass die Insel eine eigene Berufsschule behält. Es gebe dort nur noch eine überschaubare Anzahl Berufsschülerinnen und Berufsschüler. Aber damit die ihre Berufe erlernen können, müsse es auf Borkum eine Berufsschule geben, denn der Weg aufs Festland sei viel zu weit. Die BBS müsse dringend saniert werden. Schließt die Schule, könnte auf Borkum nicht mehr ausgebildet werden. Insgesamt 93 Schülerinnen und Schüler in Voll- oder Teilzeit oder beim Dualen Studium werden derzeit noch ausgebildet. „Wir müssen was machen“, erklärte der Landrat.

Vorstellung: Synergieeffekte für Schulen schaffen

Zugleich gebe es auch an der Grundschule einigen Sanierungsbedarf. Dort herrsche dort eine ständige Raumnot, und es fehle eine Mensa für die Einrichtung zur Ganztagsschule. Da liege es nahe, Synergieeffekte zu schaffen, indem die Schulen zur Lösung der Probleme an einem Standort zusammengefasst werden. Die Grundschule wird von der Stadt Borkum getragen, und für einen Bildungscampus müssten beide kommunale Ebenen zusammenarbeiten.

„Fraglich, ob 100.000 Euro Planungskosten reichen“: Jens Lüning bei der Schulausschuss-Sitzung. Bild: Axel Pries

„Fraglich, ob 100.000 Euro Planungskosten reichen“: Jens Lüning bei der Schulausschuss-Sitzung. Bild: Axel Pries

Wie der aussehen könnte, stellte Jens Lüning vor. Der Grundriss, den er auf die Leinwand projizierte, sei eine Diskussionsgrundlage der „Phase 0“, um die Richtung vorzugeben. Demnach bekommen die Grundschule und die Berufsschule Neubauten in der Nachbarschaft der Inselschule. Das biete sich aus zwei Gründen an: Dort steht auch die Turnhalle, die zusätzlich genutzt werden könnte. Und vor allem gebe es dort auch Grundstücke in Besitz des Landkreises. Der Grundriss sieht vor, dass die Gebäude miteinander verbunden sind, und die Schüler sich begegnen können. Womit dieser Bildungscampus weiteres Neuland betreten würde: „Kann man Grundschüler mit Berufsschülern zusammenbringen?“, fragte Jens Lüning. Kerngedanke des Projektes sei, mit dem Campus eine durchgängige Bildungsmöglichkeit von der Grund- über die Ober- bis zur Berufsschule zu schaffen. Eine Grundvoraussetzung für die „historische Chance“ nannte der Landrat: „Es muss alles bezahlbar bleiben.“

Mit 100.000 Euro in die Planung

Die Vorstellung löste bei den Ausschussmitgliedern noch kein positives Echo aus. Der FDP-Vertreter Carl-Friedrich Brüggemann betonte, dass vor der Investition erst einmal definitiv festgestellt werden müsse: „Wo ist der Mehrwert?“ Aber ein Antrag der Kreistagsgruppe SPD/Grüne/Linke zeigte doch auf, dass das Projekt auf großes Wohlwollen stößt. Darin geht es um 100.000 Euro, die die Gruppe für Planungskosten für den Neubau einer Berufsschule auf Borkum in den Haushalt 2025 einstellen möchte. Trotz des Hinweises von Jens Lüning, dass diese Summe wahrscheinlich gar nicht reichen würde, bekam der Antrag in dem Ausschuss ein einstimmiges Votum.

Axel Pries
Axel Pries Ostfriesland-Redaktion/Leer