Die inkriminierte Inschrift auf dem Kriegerdenkmal von 1930 könnte so oder ähnlich wohl in fast jedem Land der Welt stehen, ohne dass dortige Entscheidungsträger daran Anstoß nehmen und das Gedenken an die soldatischen Kriegsopfer relativieren würden.
Unabhängig von einer staatlichen Verantwortung für den Ersten Weltkrieg werden diese namentlich genannten neun Langeooger Gefallenen von der Evangelischen Kirchengemeinde jetzt zum zweiten Mal zu Opfern gemacht – und zwar durch eine pauschale Delegitimierung des Soldatentums durch den religiösen Bezug auf die Bergpredigt in Matthäus 5-7. Aus dem Bibel- und Zusatztext lässt sich ein Postulat für einen unbedingten Pazifismus herleiten.
Dazu ist etwa auf den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt hinzuweisen, der schon 1981 in einem Interview unter anderem formulierte, „dass es ein Irrtum wäre, die Bergpredigt als einen Kanon für staatliches Handeln aufzufassen“. Die Ideen, den christlichen Pazifismus in konkrete Außenpolitik umzusetzen, seien „in ihrer Naivität absurde Vorstellungen, die völlig abstrahieren von der konkreten geschichtlichen Erfahrung“.
Die „erklärende“ Tafel erhebt einen pazifistischen Absolutheitsanspruch und schließt andersdenkende Kirchenmitglieder apodiktisch aus.