Oldenburg - Donald Trump, Joe Biden und Barack Obama spielen zusammen das beliebte Computerspiel Minecraft. Solche Videos sah man im in den letzten Wochen en masse in den sozialen Medien. Sie spielten das Spiel natürlich nicht „wirklich“. Es handelte sich lediglich um Animationen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs der fortgeschritten Entwicklungen von deep fakes, voice animation und künstlicher Intelligenz im Generellen.
Nun kann man eine Debatte darüber führen, ob dies „gut“ oder „schlecht“, was nun „echt“ oder „fake“ sei oder man begreift die Eingebungen künstlicher Intelligenz in unserer Umwelt schlichtweg als Faktum. War denn der Mensch immer „gut“? War er denn immer „echt“, soll heißen ohne versteckte Intentionen? Die künstliche Intelligenz spiegelt unser Handeln mit einer Ausnahme: Es scheint nicht interessengeleitet.
So funktioniert künstliche Intelligenz
Schaut man auf die Funktionsweise von künstlichen Intelligenzen wie ChatGPT, verbergen sich dahinter linguistische Modelle, welche ihre Aussagen anhand statistischer Wahrscheinlichkeiten formulieren. Sie werden also mit einer großen Menge an Texten gefüttert, tragen anschließend die Wahrscheinlichkeiten von Worten in Kontexten ab und geben sie wieder. Sie schätzen lediglich das nächst zu verwendende Wort. Sie „denken“ nur, insofern sie die Wahrscheinlichkeiten von Worten gegeneinander aufwiegen.
Dies funktioniert fantastisch. So erschienen in den vergangenen Tagen mindestens zwei Songs, erstellt mit künstlicher Intelligenz, welche den Rapper Drake „imitieren“. Hierfür wurde zuerst wie oben beschrieben anhand von ChatGPT ein Text für den Song geschrieben. Anschließend wurde dieser von einer ganzen normalen Person eingesungen und danach durch eine voice animation Software laufen gelassen, welche die normale Stimme zu der von Drake änderte. In den sozialen Medien verbreitete es sich rasant. Universal Music reagierte entsprechend und forderte, solche künstlich generierte Musik von jeglichen Plattformen zu entfernen. Rechtliche Schritte wurden angekündigt. Die Entwicklungen hierzu werden sicherlich interessant zu verfolgen sein.
Was die KI sagt, meint sie auch
Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Kreativwirtschaft lässt jedoch tief blicken. Wenn schon heute mit wenig Aufwand mögliche Platin-Hits produziert werden können, wo sind dann die Grenzen der KI? Schaut man in politische Wahlprogramme oder Aufforderungen zu bestimmten Moratorien von KI zeigt sich ein bestimmtes Muster: Es gibt einen latenten Hang zum Primat menschlicher Entscheidungsgewalt. So sollen nach dem SPD-Landtagswahlprogramm zwar künstliche Intelligenzen in Rechtsverfahren eingesetzt werden, der Richterspruch allerdings immer durch einen Menschen erfolgen. Doch ist dieses Primat der menschlichen Entscheidung wirklich sinnvoll, angesichts des Leids, dass die Spezies Mensch verursacht hat? Wäre die Welt kein besserer Ort, würden wir sie der interessen-unabhängigen Statistik überlassen? Denn eins scheint sicher: Was die KI sagt, meint sie auch. Beim Menschen ist dies fraglich.
Autor dieses Beitrags ist Patrick Marquardt (21): Er studiert Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität und ist als studentische Hilfskraft tätig. BILD: Archiv