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nordwest-zeitung

Spannender Fund in Ostfriesland Archäologen entdecken mittelalterliche Wehranlage in Großheide

Werner Jürgens
Dr. Sonja König und ihre Grabungsleiterin Amelie Meenken (links) haben ihre Ausgrabungen abgeschlossen. Nun können Bürgermeister Fredy Fischer und Bauamtsleiterin Martina Meyer (rechts) die Erschließung des Neubaugebiets weiter vorantreiben.

Dr. Sonja König und ihre Grabungsleiterin Amelie Meenken (links) haben ihre Ausgrabungen abgeschlossen. Nun können Bürgermeister Fredy Fischer und Bauamtsleiterin Martina Meyer (rechts) die Erschließung des Neubaugebiets weiter vorantreiben.

Werner Jürgens

Großheide - Erstmals urkundlich erwähnt wurde Großheide 1552. Bewohnt war die Gegend aber schon lange vorher. Das belegen einmal mehr archäologische Ausgrabungen, die in den vergangenen zwei Jahren im Zuge der Erschließung des Neubaugebiets an der Abzweigung Alter Gang und Kleinheider Weg durchgeführt worden sind. Dort, wo zukünftig Baugrundstücke entstehen sollen, befand sich einst eine Wehrbefestigung, die „für ihre Zeit ungewöhnlich in dieser Gegend war“, sagt die Leiterin der Archäologischen Abteilung der Ostfriesischen Landschaft Dr. Sonja König. Wie konkret die Siedlungsstruktur damals ausgesehen haben könnte, ist nun die spannende Frage, die die Wissenschaftlerin und ihr Team zu entschlüsseln versuchen.

Grabungen, Luftaufnahmen und Vermessungen

Archäologische Ausgrabungen fanden in Großheide bisher eher selten statt. Das liegt hauptsächlich daran, dass in der Gemeinde regelmäßig riesige Mengen an Sand abgebaut wurden und etliche potenzielle Fundstellen schlicht verschwunden sind. In dem anvisierten Neubaugebiet war das aber nicht der Fall. Gegraben wurde auf einer Fläche von 0,8 Hektar. Zusätzlich sind Luftaufnahmen und Vermessungen per Laser-Scan durchgeführt und die Resultate auf diversen Karten und Skizzen festgehalten worden.

Entdeckt wurde auch ein Zinnlöffel. Foto: Werner Jürgens

Entdeckt wurde auch ein Zinnlöffel. Foto: Werner Jürgens

Wehrbefestigungen und Backsteine gefunden

Obwohl die Auswertung unmittelbar nach Beendigung der Ausgrabungsarbeiten gerade erst begonnen hat, weiß man jetzt schon folgendes: Neben fünf Brunnen sowie einigen Gräben und Gruben befand sich an einer Stelle auf einem Areal von 28 mal 20 Metern eine Wehrbefestigung. Verfärbungen im Erdreich ließen Pfostengruben für eine Palisade erkennen. Die dicht gesetzten Pfosten hatten einen Durchmesser von jeweils 50 bis 80 Zentimetern. Darüber hinaus stieß das Ausgrabungsteam in einem ehemaligen Soden-Brunnen auf entsorgte Backsteine. „Das bedeutet, früher hat hier irgendwo ein Steinbau gestanden“, erklärt Dr. Sonja König. Der landläufigen Vorstellung von einer Burganlage mit mächtigen Zinnen und Türmen dürfte die Befestigung in Großheide nicht entsprochen haben. Eine einfache Erdhügelburg oder Motte, wie sie 11. und 12. Jahrhundert vielerorts üblich war, zieht Dr. Sonja König aber ebenso wenig in Betracht. Die Wehranlage sei durchaus massiv gewesen, und man habe in der näheren Umgebung bisher nichts Vergleichbares entdeckt, so die Wissenschaftlerin. Genutzt worden ist das Terrain demnach im 14. Jahrhundert. Das zeigt unter anderem der Fund einer Scherbe von einem Kugeltopf, dessen getupfte Zierleiste ähnlich wie die Backsteine auf diese Zeit hinweist. Zudem handelt es sich nicht um alltägliche Gebrauchskeramik, sondern hochwertiges Tafelgeschirr, was wiederum darauf schließen lässt, dass die Leute, die damals an dieser Stelle in Großheide gelebt haben, nicht ganz so arm gewesen sein können. Bestätigt wird das durch einen ebenfalls auf dem Areal entdeckten und mit einer besonderen Verzierung versehenen Zinnlöffel, der dann aber bereits ins 15./16. Jahrhundert datiert wird.

Ergebnisse bis Frühjahr 2025 erwartet

Doch welchen Sinn und Zweck hatte die Wehranlage und vor allem: Wem gehörte sie? Diese Fragen bleiben einstweilen weiterhin offen. Um Antworten darauf zu finden, wird das Archäologie-Team der Ostfriesischen Landschaft ihre Funde und Kartografierungen nun etwas genauer unter die Lupe nehmen. Die Ergebnisse sollen bis zum nächsten Frühjahr vorliegen.

Unterdessen werden Bürgermeister Fredy Fischer und seine Bauamtsleiterin Martina Meyer die Erschließung der Baugrundstücke vorantreiben. Anders als vor ein paar Jahren bewegt sich die Nachfrage bis jetzt in überschaubaren Grenzen. „Bauen ist teurer geworden“, weiß der Bürgermeister von Großheide. „Deswegen sind die Leute da inzwischen deutlich zurückhaltender.“

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