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nordwest-zeitung

Vandalismus auf dem Dorf Büchervitrine in Großheide: Literatur verbrannt, zerfleddert, versaut

50 bis 70 Bücher sollen am Wochenende verbrannt worden sein.

50 bis 70 Bücher sollen am Wochenende verbrannt worden sein.

privat

Großheide - Seit etwas mehr als zwei Wochen steht in Großheide auf dem Campusgelände eine Büchervitrine. Schick, in edlem schwarz gehalten, ist sie ein Geschenk der Friesen-Apotheke zum 50-jährigen Bestehen an die Großheider Bürger. Jeder, vor allem aber derjenige, der wenig Geld hat, soll sich ein Buch kostenlos daraus mitnehmen können. Apotheker Claas Friedrich Pollner hatte das Objekt der Gemeinde voller Zuversicht überreicht. Rund einen halben Monat später macht sich nun aber Ernüchterung und auch Wut in Großheide breit. Denn die Vitrine wurde bereits mehrmals zum Vandalismus-Opfer. Die Aktion vom vergangenen Wochenende besaß jedoch eine neue Qualität. Bücher wurden herausgerissen, zerfleddert und auf schließlich in Brand gesteckt.

Täter schneiden sich ins eigene Fleisch

„Ich hatte mich darauf eingestellt, dass die Vitrine wohl mal verwüstet werden könnte. Der Vorfall vom Wochenende ist aber schon echt heftig. Gerade in Deutschland sind Bücherverbrennungen noch einmal eine andere Hausnummer“, sagt Apotheker Pollner. Er sei am Sonntag direkt mit Juliane Denker – welche mehrere Bücherschränke in der Region ehrenamtlich betreut – und seiner Familie zum Campus gefahren und hätte die Hinterlassenschaften der Chaoten weggeräumt. „So ein Verhalten ärgert mich. Jeder hat in seiner Jugend vielleicht mal was angestellt, aber so etwas ist wirklich unter aller Sau“, so Pollner. Und weiter: „Diejenigen, die das gemacht haben, müssen doch sehen, dass sich selbst damit etwas kaputt machen. Man hat auf dem Land schon wenig Angebote und nimmt sie sich dann selber – unbegreiflich! Das ist genauso mit den zerstörten Wartehäuschen an den Bushaltestellen, die es hier immer wieder mal gibt. Nachdem die Scheiben zerstört sind, sitzt man beim nächsten Warten auf den Bus doch selbst im Regen“, so Pollner.

Er habe sich an die Friederikenschule gewandt, um die Schüler noch einmal für das Allgemeingut Büchervitrine zu sensibilisieren. Denn, so vermutet man in Großheide, die Täter sind mutmaßlich Jugendliche, die auf dem Campusgelände abhängen.

Eier-Sauerei

Vor dem „Brand-Anschlag“ vom vergangenen Wochenende wurde die Büchervitrine bereits Schauplatz zweier unappetitlicher Vorfälle. „Der Schrank wurde an einem Sonnabend aufgestellt. Am darauffolgenden Sonntag war er bereits voll mit total verschimmelten Büchern“, berichtet Juliane Denker. Mehrere Stunden habe sie – mit einer Atemschutzmaske im Gesicht – die Vitrine gereinigt. „Da hatte jemand die Chance schnell genutzt, um seinen Müll abzuladen“, erinnert sich Denker. Noch unappetitlicherer war dann ein weiterer Vorfall. So wurden zwischen den Büchern rohe Eier versteckt, die dann beim Herausnehmen der Bücher zu Bruch gingen. „Da saß ich auch noch einmal mit schwarzen Säcken vor der Vitrine und habe Bücher weggeschmissen und geputzt. Das hat dann viereinhalb Stunden gebraucht, bis alles wieder schön war“, erzählt Denker.

Kamers denkbar

Sebastian Meins, stellvertretender Bürgermeister und Kämmerer Großheides, ist ebenfalls fassungslos, ob der blinden Zerstörungswut. „Wir werden das Thema in der nächsten Woche auf die Tagesordnung setzten und über Konsequenzen nachdenken“, so Meins. Er gehe davon aus, dass die Gemeinde den neuerlichen Brand-Vorfall, dem 50 bis 70 Bücher „zum Opfer fielen“, anzeigen werde. Auch eine Kamera-Überwachung des Campus sei wieder denkbar. „Wir hatten das aus datenschutzrechtlichen Gründen verworfen, da sich auch eine Arztpraxis auf dem Gelände befindet. Wir werden nun aber erneut prüfen, ob und wie man das umsetzen könnte“, sagt der Kämmerer energisch.

Marc Wenzel
Marc Wenzel Ostfriesland-Redaktion/Norden
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