Wildeshausen - Warum ausgerechnet immer an dieser Ecke? Als sich eine Leserin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, gemeldet hat, wirkte sie verärgert – und ratlos. Seit mindestens zwei Jahren würden bei der Hecke an der Goldenstedter Straße, wenige Meter von der Bushaltestelle Bergstraße entfernt, Backwaren entsorgt.
„Wilder Müll“
„Zehn Brötchen lagen hier neulich. Unangetastet“, erzählte die Leserin vor Ort. „Haufenweise Brot und Brötchen“ würden an der Ecke manchmal herumliegen, ein Baguette sei auch schon dabei gewesen. „Im Sommer kamen immer die Vögel und haben es gefressen.“ Auch hat die Leserin Angst, dass Ratten angelockt würden. Der „Tatort“ befindet sich von der Visbeker Straße aus kommend auf der rechten Seite. Von ihrem Küchenfenster aus könne sie sehen, wenn wieder etwas an der Hecke entsorgt wurde, sagt die Leserin. Wer dahinter steckt, weiß die Anwohnerin aber nicht. Die Person mache das wohl im Dunkeln, vermutet sie. Bei der Polizei habe sie auch schon nachgefragt. „Die weiß von nichts.“
Der Stadt sei dieser Fall nicht bekannt, erklärt Sprecher Hans Ufferfilge auf Nachfrage. „Die Reinigung der Geh- und Radwege ist nach unserer Straßenreinigungssatzung für die Goldenstedter Straße auf die Eigentümer übertragen worden.“ Damit seien die unmittelbar betroffenen Eigentümer für die Beseitigung zuständig beziehungsweise verantwortlich, so Ufferfilge.
Den rechtlichen Rahmen kann der Landkreis Oldenburg als zuständige Behörde einordnen: „Auch abgelaufenes Brot, Brötchen, Toastbrot etc. gehören zum illegal entsorgten Müll, sprich zum Bereich ‚wilder Müll’, wenn es außerhalb der ordnungsgemäßen Entsorgungswege entsorgt wird“, erklärt Landkreis-Sprecher Oliver Galeotti. Bei Brot komme das Problem hinzu, dass dies für Menschen zwar irgendwann ungenießbar ist. Durch seinen Geruch würden dennoch Schadnager – wozu Ratten und Mäuse zählen – und anderes Getier angelockt.
Wenn der „Entsorger“ ermittelt werde, müsse dieser mit einem Verfahren rechnen. „Die Bußgeldhöhe kann nicht pauschal benannt werden und ist daher immer individuell. Es spielen verschiedene Faktoren hierbei eine Rolle, wie Menge, Art, wurde es von einem Wiederholungstäter weggeworfen und so weiter.“
„Fatal falsch“
In den vergangenen Jahren sei auffällig gewesen, dass verdorbene Lebensmittel illegal entsorgt wurden, anstatt sie in die Biotonne zu werfen, erklärt Galeotti weiter und appelliert im Namen des Landkreises: Die Einstellung „Lebensmittel verrotten doch, so wild ist es nicht“ sei „fatal falsch“. Bei Fleisch könne zum Beispiel ein Seuchenproblem auftreten, „was in eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung münden kann“. Auf der Internetseite des Landkreises (www.oldenburg-kreis.de) sind Informationen rund ums Thema Entsorgung zu finden.
Die Situation an der Goldenstedter Straße ist derweil unverändert. Erneut meldete sich die Leserin: Schon wieder wurden Backwaren – diesmal Toastbrot – an gleicher Stelle entsorgt.