Mehr als 400 Delmenhorster fahren am Samstag nach Hildesheim, um im Landespokal-Finale die Fußballer von Atlas anzufeuern. Für den Sportlichen Leiter Bastian Fuhrken ist es ein besonderes Spiel – nämlich das letzte in dieser Funktion. Er spricht über die Bedeutung der Partie und seinen Abschied.
Atlas Delmenhorst hat sich zu einem echten Pokalexperten entwickelt. Was braucht es aus Ihrer Sicht, um in diesem Wettbewerb zu gewinnen?
Bastian FuhrkenDas Rezept für den Pokal liegt jetzt nicht in meiner Schublade, mir wurde diese Frage auch schon öfter gestellt. Bei uns hat der Landespokal einfach immer eine hohe Priorität gehabt, das ist vielleicht ein kleiner Unterschied zu anderen Vereinen. Ich habe immer in der Kabine gesagt: Kommt mir nicht mit Schonung für die Liga, auch in der ersten Runde hat immer die beste Mannschaft bei uns gespielt. Wenn man als Oberligist die Möglichkeit hat, in den DFB-Pokal einzuziehen, ist das einfach extrem geil. Im letzten Jahr im Landespokal-Halbfinale gegen den VfB Oldenburg hat auch keiner mit uns gerechnet, aber wir haben gewonnen und uns durch diesen Sieg qualifiziert.
An diesem Samstag (13.45 Uhr) wird das Finale um den unteren Fußball-Landespokal zwischen den beiden Oberligisten VfV Hildesheim und Atlas Delmenhorst angepfiffen. Der Sieger der Partie nimmt am DFB-Pokal 2024/25 teil. Die Partie ist eingebettet in den „Finaltag der Amateure“. Am Samstag finden bundesweit die Endspiele in den Landespokalen statt, Anstoßzeiten sind 11.45 Uhr, 13.45, 15.45 und 16.45 Uhr. Die ARD überträgt ab 11.30 Uhr in einer Konferenz. Das Finale des oberen Landespokals fand bereits am 28. März statt. Dabei besiegte Regionalligist SV Meppen den Ligarivalen BW Lohne mit 2:0 und sicherte sich ebenfalls ein Ticket für den DFB-Pokal.
Atlas Delmenhorst spielte 2019 in der ersten Runde des DFB-Pokals im ausverkauften Weserstadion gegen Werder Bremen und verlor 1:6. Im vergangenen Jahr verloren die Delmenhorster im heimischen Düsternortstadion gegen den künftigen Erstligisten FC St. Pauli mit 0:5.
Am Montag hat Atlas am letzten Oberliga-Spieltag mit 0:3 in Hildesheim verloren – an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner findet das Pokalfinale statt. Hat Ihr Team geblufft?
FuhrkenNein, es ging ja um nichts mehr. Da sind zwei Mannschaften aufeinandergetroffen, die wenig voneinander preisgeben wollten, die jeweils einigen Jungs Spielminuten gegeben haben, die etwas hinten dran sind. Es wird bei beiden Teams am Samstag wieder viele Veränderungen geben, das war geplant und da hat keiner geblufft.
Was macht Sie optimistisch, dass Atlas den Titel holt?
FuhrkenWir müssen die Messer zwischen den Zähnen haben. Wir müssen geil darauf sein, den Pokal nach Delmenhorst zu holen und erneut im DFB-Pokal zu stehen. Das wäre ein unfassbarer Erfolg für den Verein, nach 2019 und 2023 zum dritten Mal in fünf Jahren sich zu qualifizieren. Aller guten Dinge sind drei – das ist auch ein Motto, mit dem ich mich gern als Sportleiter verabschieden möchte. Ich will noch einmal diesen Pokal in der Hand halten, wenn ich abends aus dem Bus aussteige.
Sie sprechen es an. Das Pokalfinale ist Ihr letztes Spiel als Sportlicher Leiter des SV Atlas. Wie groß ist die Wehmut?
FuhrkenIch bin seit zwölf Jahren mit dem Verein unterwegs, war zehn Jahre lang Sportlicher Leiter. Der Abstieg letztes Jahr aus der Regionalliga Nord hat mir unfassbar weh getan. Ich gehe aber nicht mit Wehmut durch die Gegend. Ich habe viel erlebt mit dem Verein – coole, nette Leute kennengelernt. Ich habe jedoch auch gemerkt, wie dreckig dieses Fußballgeschäft sein kann. Ich bin froh, dass wir demnächst einen neuen Sportlichen Leiter präsentieren und dass da jemand an meiner Seite sein wird, mit dem wir zusammen mit dem Trainerteam die Zukunft gestalten können.
Für Sie geht es im Verein ja auch weiter..?
FuhrkenIch bin als Sportvorstand und zweiter Vorsitzender weiterhin tätig. Ich könnte auch nicht von heute auf morgen alles hinschmeißen, dafür ist mir der Verein viel zu wichtig. Natürlich gehe ich aber am Samstag auch mit dem Gedanken in die Partie, dass es als Sportlicher Leiter mein letztes Spiel ist -– und da wird mit Sicherheit beim Abpfiff die eine oder andere Emotion bei mir hochkommen. Das trage ich auch schon in den letzten Tagen mit mir herum, merke ich.
Hildesheim hat im Finale ein Heimspiel. Ist das ein Vorteil?
FuhrkenEs ist schade, dass man nicht auf einem neutralen Platz spielt. Das würde ich mir für die Zukunft im Pokalfinale wünschen. Wir hatten im Vorjahr im Finale gegen den VfL Osnabrück auch ein Heimspiel, das vergessen wir nicht. Dennoch sehe ich Hildesheim schon als Favorit durch den Heimvorteil. Es werden mehr als 3000 Zuschauer erwartet, wir haben nur 400 Tickets bekommen, aber es werden sicherlich mehr als 400 Delmenhorster vor Ort sein.
Eine DFB-Pokal-Qualifikation bedeutet für Atlas viel Geld – und was noch?
FuhrkenDer Verein stünde wieder vor großen Herausforderungen, diesen Aufwand für ein DFB-Pokalspiel zu betreiben. Im letzten Jahr gegen den FC St. Pauli sind da mehr als 2000 ehrenamtliche Stunden hineingeflossen. Da rückt man als Verein zusammen. Bei uns gilt aber: Alle haben Bock auf den DFB-Pokal.