Abbehausen - Bernd Neumann hat die Angewohnheit, sich immer schützend vor seine Mannschaft zu stellen. Immer. Wer vom Trainer der Bezirksliga-Fußballerinnen des TSV Abbehausen markige Worte nach einer Niederlage in Richtung seiner Spielerinnen erwartet, wird enttäuscht. In diesem Sinne wertet er auch das 2:5 gegen den SV Leybucht am vergangenen Sonntag: Die Niederlage sei kein Beinbruch, meint der Coach, Wille und Einstellung hätten im Spiel gegen den Tabellenführer gestimmt.
Allerdings ist Neumann Trainer durch und durch – und als solcher niemand, der sich und seinen Spielerinnen etwas vormacht. Der Coach setzt vielmehr auf ein konstruktives Aufarbeiten der Punkte, die ihm missfallen haben. Deshalb feilte er mit seiner Mannschaft in dieser Trainingswoche an der Abstimmung. Ein paar der Gegentore waren in die am Sonntag eigens von Neumann geschaffene Kategorie der „Knickertore“ gefallen – also jener Gegentore, die höchst überflüssig sind. „Da hat sich die eine auf die andere verlassen“, sagt Neumann. Frei nach dem Motto: Nimm du ihn, ich habe ihn sicher. Seinen Spielerinnen erteilte er deshalb zunächst mal einen einfachen Rat: „Im Zweifelsfall: Funkt dazwischen!“
Das Verhalten in kniffligen Abwehrsituationen war der eine Schwerpunkt der Übungseinheiten, das Erzielen möglichst einfacher Tore der andere. Deshalb erarbeiteten sich die Abbehauserinnen die eine oder andere Variante bei Standardsituationen. Schon der frühere Meister-Trainer Ottmar Hitzfeld predigte die Bedeutung von Standardsituationen – gerade in Spielen gegen vermeintlich bessere Mannschaften.
Wenn’s nach der Tabelle geht, zählt der SV Ems Jemgum zu genau diesen Teams. Die Jemgumerinnen können sich berechtigte Titelhoffnungen machen. Am Sonntag werden die Abbehauserinnen von 13 Uhr an am eigenen Leib erfahren, ob die sportliche Realität den Zahlen entspricht.
Bemerkenswert ist, dass die Abbehauserinnen bisher zwei Tore mehr geschossen haben als die Jemgumerinnen. Die Ostfriesinnen sammelten mit 18 Toren in zehn Spielen 20 Punkte. Noch beeindruckender ist die Zahl der Gegentore: Die Jemgumer Torhüterinnen mussten erst neunmal hinter sich greifen. Abbehausen hat schon 37 Gegentore kassiert.
Dennoch war das Hinspiel umkämpft. Der TSV verlor mit 2:3. Zweimal hatte er einen Rückstand ausgeglichen. Das entscheidende Tor schoss Jemgum eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit. Falls die Abbehauserinnen noch einen Motivationsschub ohne Dampfplauderei benötigen – bitte schön.