Werdum - Es ist ein bunt gemischter Haufen, der auf den Bänken in der kleinen Sporthalle in Werdum sitzt. Die Fußballer, Boßler und Turner aus Friesland und Ostfriesland könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein, doch eines verbindet sie: Alle leisten in ihrem Verein Jugendarbeit. Und alle hören genau hin, wenn Dr. Harald Schmid etwas sagt. Der Sportwissenschaftler aus Hessen weiß, worüber er redet: Seit fast 30 Jahren engagiert er sich in der Kampagne „Kinder stark machen“, widmet sich Themen wie Suchtprävention und Kommunikation. Da ist es auch wenig verwunderlich, dass er in Werdum keinen Vortrag hält, sondern mit Denkanstößen versucht, die richtigen Ideen aus den Lehrgangsteilnehmern rauszukitzeln. Immer wieder lenkt er das Gespräch in die richtige Richtung, alles auf Augenhöhe.
Vertrauen als Schlüssel zum Erfolg
Harald, wie er von allen in der Halle genannt wird, hat es in seinem Sport selbst bis an die Weltspitze geschafft. Als Hürdenläufer holte er ein Dutzend Deutsche Meistertitel, stand bei Europameisterschaften ganz oben auf dem Treppchen und holte bei den Olympischen Spielen 1976 und 1984 Bronze. Dass er dabei dem amerikanischen Ausnahmeathleten Edwin Moses jeweils den Sieg überlassen musste, nimmt er gelassen. „Niederlagen gehören eben dazu. Für mich war das ein großes Abenteuer. Und wenn acht Sportler am Start stehen, gibt es eben sieben Verlierer“, sagt er mit einem Lächeln.
Dass er es bis zu den Olympischen Spielen geschafft hat, liegt nicht nur an Talent und Trainingsfleiß. „Ich hatte immer Leute um mich herum, denen ich vertrauen konnte. Wenn du zweimal am Tag trainieren willst, geht das nicht ohne Familie und Trainer“, erklärt er. Und genau da setzt er beim Lehrgang in Werdum an. Vertrauen schaffen und das Selbstwertgefühl der Kinder stärken klingt in der Theorie gut, doch wie funktioniert das in der Praxis? Im Gespräch mit den Kursteilnehmern erklärt er, dass es keine gute Idee ist, Kindern den Sport zu verbieten, weil die Noten in Mathe nicht stimmen. Sport im Verein, in einer Mannschaft, sei wichtig, um Energie und Kraft zu tanken und sich ein gutes Gefühl zu holen. Damit spielt Sport eine wichtige Rolle in der Suchtprävention.
Rückschläge und Pausen gehören dazu
Und aus eigener Erfahrung weiß er, wie wichtig es ist, auch mal eine Pause zu machen und nicht auf Gedeih und Verderb dem Erfolg nachzujagen. 1981 machte ihm eine Infektion zu schaffen und er ließ das Training ruhen. Was genau es war, weiß er selbst nicht genau. Dass in seinem Wikipedia-Eintrag von Hepatitis die Rede ist, nimmt er mit einem Lächeln hin. „Du musst nicht alles glauben, was im Internet steht“, sagt er gelassen. „Aber das war schon ein Risiko. Wenn ich anschließend die Leistung nicht gebracht hätte, hätten alle gesagt, du hast ja auch nicht richtig trainiert.“ Doch er fand zu alter Stärke zurück, wurde Europameister und verbesserte seinen eigenen Europarekord.
Er selbst hat seinen Bezugspersonen vertraut. Und das sollen auch die Kinder, die in den Sportvereinen trainieren. Damit das gelingen kann, gibt Harald Schmid seine Erfahrungen und sein Wissen weiter. Und die jungen Sportler, die künftig von den Kursteilnehmern aus Werdum betreut werden, dürfen sich über gut ausgebildete Trainer freuen. Denn sie haben nicht nur praktisches Handwerkszeug mit auf den Weg bekommen, sondern auch viele Denkanstöße, die sie selbst weiterentwickeln können. Und Bedarf für gute Jugendtrainer ist ja immer. „In den nächsten Jahren werden ja auch noch Kinder geboren“, sagt Schmid. Und wieder lächelt er, wie eigentlich fast immer.