Leer - Da begann beim VfL Germania Leer gerade das zarte Pflänzchen Hoffnung zu sprießen, nach einigen durchaus vielversprechenden Auftritten die sportliche Wende einzuläuten – und dann kommen die Kicker von Grün-Weiß Firrel und kennen auf eigenem Platz kein Erbarmen. Das Derby der Landesliga geriet zu einer einseitigen Angelegenheit und einem 7:2-Schützenfest für die Firreler, die schon am Mittwochabend ihren „goldenen Oktober“ im Nachholspiel gegen Aufsteiger SFN Vechta perfekt machen wollen.
Für Leers Trainer Erhan Colak war das Debakel nur der Start in ein rundum versautes Wochenende. Denn auf das Debakel folgten tags darauf akute gesundheitliche Probleme, die ihn zu einer Auszeit zwingen. Den Spaß an seiner Aufgabe hat er trotz frustrierender Ausbeute – der Aufsteiger hat als abgeschlagenes Schlusslicht nach 13 von 30 Partien zwei Pluspunkte auf dem Konto – aber nach Angaben seines Co-Trainers und Pressesprechers Xavier Rieger nicht verloren. „Nein, wir ziehen das bis zum Saisonende durch.“
Germanias neue Strategie
Für die Germanen ist es bereits beschlossene Sache, dass man im nächsten Jahr wieder in der Bezirksliga um Punkte kämpfen wird. Es gibt mindestens fünf Absteiger, der Rückstand zum – möglicherweise – rettenden elften Tabellenplatz beträgt bereits elf Zähler. Da gibt man sich in Leer keinen sportlichen Illusionen hin und nimmt das Wort Klassenerhalt gar nicht erst in den Mund. Stattdessen ist man bemüht, frühzeitig die Weichen zu stellen. Erst einmal gilt es, sich in die Winterpause zu retten. Bis dahin stehen noch fünf Partien auf dem Programm. „Da wollen wir versuchen, personell nachzulegen, auch wenn das schwierig wird“, so Rieger.
Das Leeraner Aufgebot ist inzwischen erheblich geschrumpft. Nachdem sich der Sportliche Leiter Vitali Daniltschenko im Sommer aus privaten und gesundheitlichen Gründen verabschiedet hat, gingen weitere Spieler von der Fahne. Nach den Leistungsträgern Piotr Gherman, Valeria Gaiu und Alexandru Graur haben vor wenigen Wochen Paolo Sanchez, Alizade Carmanov, Danila Ichim und Viktor Martian den Verein verlassen. Dazu kommen Verletzungen. Im Derby erwischte es früh Verteidiger Parfait Yobuet, der mit einem Muskelfaserriss einige Wochen ausfällt.
Bei der künftigen Kadergestaltung wollen die Verantwortlichen des VfL eine andere Strategie verfolgen. Die Zeiten, in denen Moldawier oder Ukrainer auf dem Platz den Ton angeben, sollen möglichst der Vergangenheit angehören. „In eine derartige Abhängigkeit wie in den letzten Jahren dürfen wir uns nicht wieder begeben. Da sind wir uns im Verein alle einig“, betont Rieger.
Firrels Trendwende
Eine ganz andere Stimmungslage herrscht dagegen in Firrel. Trainer Bernd Grotlüschen ist heilfroh, dass seine Mannschaft den Oktober genutzt hat, um die sportliche Trendwende einzuläuten, nachdem zwischenzeitlich sogar der Absturz in die unteren Tabellenregionen drohte. Gegen Leer setzten seine Spieler alle Vorgaben exakt um und ließen sich auch vom 0:1 nicht beeindrucken. Mit Julian Bennert und Torben Lange beorderte der Coach aus Emden zwei erfahrene Neuzugänge in die Startformation. Bennert glich aus, Lange markierte die beiden Treffer zur 3:1-Pausenführung. Der aus Norden stammende Bennert sammelte Sonntag gleich weitere Spielpraxis. Er half gemeinsam mit seinem Trainer und dessen Bruder Ralf Grotlüschen in der Reserve aus und schlug beim 8:3 in der Ostfrieslandklasse D bei der SG Oldersum II/Tergast gleich fünfmal zu.
Jetzt haben die Grün-Weißen Blut geleckt. Mittwochabend steht um 20 Uhr das Nachhol-Heimspiel gegen Aufsteiger SFN Vechta an. Die Aussichten sind rosig. Im Fall eines weiteren Sieges geht es in der Tabellen von Rang acht rauf auf drei. „Unser Ziel ist es, oben mitzuspielen. Wenn alle fit sind, haben wir das Potenzial dazu“, ist Grotlüschen überzeugt.