Hamburg/Oldenburg - Es gibt ja nichts, was es nicht gibt. Auf der Sportbusiness-Messe Spobis, die am Mittwoch und Donnerstag in Hamburg stattfand, haben zahlreiche Unternehmen ihre Dienste angeboten. Wenn man zum Beispiel für seinen Club keinen Sponsor findet, konnte man dort Firmen oder Berater finden, die Sponsoren für einen finden. Unter diversen angebotenen Dienstleistungen waren zum Teil ganz exotische, zum Teil aber auch so banale wie eine App, mit der man Parkplätze findet. Bei der Suche nach neuen Möglichkeiten, Geld zu verdienen, liegen eben immer noch viele Lösungen in alten und eigentlich einfachen und sehr alltäglichen Dingen.
Bei den Vorträgen und Diskussionsrunden fielen bei allen erwartbaren Themenfeldern wie Sponsoring, Marketing, Merchandising und Ticketing zwei Begriffe auf, die häufig Gesprächsgegenstand waren: KI und Nachhaltigkeit. Letztere hatte sogar ein eigenes „Themencluster“ – neben den eben genannten „-ings“, dem KI-übergeordneten Thema Digitalisierung und dem eigenen Bereich „Fußball“. Schließlich lässt sich mit diesem Sport hierzulande immer noch mit Abstand am meisten Geld verdienen.
KI im Online-Handel, KI im Vereinsmanagement, KI im Ticketing, KI in Social Media – künstliche Intelligenz dürfte auch in der Sportwelt vieles auf den Kopf stellen. Wie künstliche Intelligenz Clubs beim Scouting helfen kann – wobei auch bei der datengestützten Spielersuche der Fußball klar der König ist – , dazu gab es auch eine Diskussionsrunde mit Gerrit Kersten-Thiele, dem Sportdirektor des Basketball-Bundesligisten Rasta Vechta. Davon werden wir noch etwas ausführlicher berichten. Wie disruptiv die Technologie wird, lässt sich noch schwer sagen – aber klar scheint jetzt schon: Wer nicht oder zu spät auf den KI-Zug aufspringt, dem drohen Nachteile im Wettbewerb.
Nachteile drohen indes auch denen, die das Thema Nachhaltigkeit auf die leichte Schulter nehmen. Schließlich sind immer mehr Unternehmen bereits per EU-Richtlinie dazu verpflichtet, über ihre Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit zu berichten – und Profisportclubs sind Unternehmen. So müssen beispielsweise auch die Vereine der Basketball-Bundesliga (BBL) und der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei ihren nächsten Lizenzanträgen zur Erstligazugehörigkeit Rechenschaft darüber ablegen. Und dabei geht es nicht nur um LEDs in den Hallen und einen E-Mannschaftsbus. Der Katalog an Unterpunkten umfasst hunderte Aspekte. Wie das die Ligen regeln und vor welchen Schwierigkeiten die Clubs stehen, auch dazu werden wir noch ausführlicher berichten. Nur soviel: Rasta Vechta bekam vom Marketingleiter der BBL, Sebastiano Provenzano, schonmal ein großes Lob für das gezeigte Engagement.
Dass in diesem Bereich eine Menge getan werden muss, darin waren sich auf der Spobis allerdings alle einig. So durfte neben Pablo Ortiz, dem kaufmännischen Leiter bzw. Commercial Director des spanischen Fußball-Clubs Betis Sevilla, der das Nachhaltigkeitsprogramm des Clubs („Forever Green“) vorstellte, auch Sander van Stiphout eine halbe Stunde referieren, was das Fußballstadion von Ajax Amsterdam zum nachhaltigsten in Europa macht. Das wäre womöglich auch für die Planer des möglichen neuen Stadions in Oldenburg spannend gewesen, denn die Ajax-Arena bietet mit 56 000 Plätzen zwar mehr als fünfmal so vielen Menschen Platz, sie gehört aber auch zum Teil der Stadt Amsterdam und befindet sich direkt neben weiteren Veranstaltungshallen. Parallelen zu Oldenburg sind also da.
Was van Stiphout – wenn die Arena gebaut wird – empfehlen würde, ist: Mit vielen Partnern (Stadt, Land, Wissenschaft, Industrie) zusammenarbeiten. Und: Machen! Den Amsterdamer Aufbruch vor ein paar Jahren beschrieb er so: „Wir wollen zum Mond, wir haben keine Ahnung, wie – los geht’s!“
Mathias Freese ist Sportredakteur dieser Zeitung. Er hat sich in dieser Woche auf der Sportbusiness-Messe Spobis in Hamburg über Trends und Entwicklungen im Sportgeschäft informiert.