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nordwest-zeitung

Zu wenig Fachkräfte und Wohnraum In der Ausschusssitzung kamen Borkums drängendste Probleme auf den Tisch

Andreas Behr/Axel Pries
Seltener Anblick auf Borkum: Der Kreistagsausschuss für Wirtschaft, Handwerk, Tourismus und Digitalisierung tagte auf der Insel.

Seltener Anblick auf Borkum: Der Kreistagsausschuss für Wirtschaft, Handwerk, Tourismus und Digitalisierung tagte auf der Insel.

Andreas Behr

Borkum - Die besondere Situation des Handwerks und der Ausbildung auf Borkum waren zentrale Themen einer Sitzung des Leeraner Kreistagsausschusses für Wirtschaft, Handwerk, Tourismus und Digitalisierung auf der Insel. Die Sitzung brachte Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Handwerk zusammen – vornean ging es um die Themen Fachkräftemangel, Tourismusentwicklung und Infrastruktur.

Akuter Fachkräftemangel drückt

Thomas Wenzel, Vorsitzender der Borkumer Ortshandwerkerschaft, berichtete von einem akuten Fachkräftemangel, der sich auf der Insel besonders bemerkbar mache. „Wir sind zu weit weg vom Festland, sodass Pendeln keine Option ist,“ erklärte Wenzel. Aktuell zählen die rund 60 Mitgliedsbetriebe der Ortshandwerkerschaft etwa 400 Angestellte und Auszubildende, doch der Generationenwechsel sei eine große Herausforderung. Viele Betriebsinhaber sind über 60 Jahre alt, und Nachfolgelösungen fehlen oft.

Besonderes Augenmerk legte Wenzel auf die gute Ausbildungssituation vor Ort. Ein Beispiel für die hohe Qualität der Ausbildung sei der Elektroniker Malte Munk, der kürzlich bundesweit den zweiten Platz unter 33.000 Teilnehmern belegte. Um diese Ausbildungsqualität zu sichern und auszubauen, plant die Ortshandwerkerschaft den Bau eines Ausbildungswohnheims, um mehr Auszubildende von außerhalb anlocken zu können. „Allein die Ortshandwerkerschaft könnte 28 Ausbildungsplätze pro Jahr besetzen, das schaffen wir aber nicht nur mit Schulabgängern von der Insel. Wir brauchen Zuzug vom Festland und dafür optimale Rahmenbedingungen,“ betonte Wenzel.

Ortshandwerkerschaft deutlich für Neubau der Berufsschule

Die Ortshandwerkerschaft spricht sich daher auch deutlich für einen Neubau der Berufsschule aus. Sie sei dank ihrer hohen Qualität ein wichtiger Baustein in der Ausbildung und in der Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben auf Borkum. „Wir müssen gut aufgestellt sein, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden, besonders im Hinblick auf die Energie- und Wärmewende,“ sagte Wenzel.

Volkmar Vogel, Vorsitzender des Dehoga-Inselverbandes Borkum, zog ein gemischtes Fazit zur Saison 2024. „Das Jahr war zufriedenstellend, mehr aber auch nicht,“ sagte er. Ein Rückgang bei den Gästezahlen und Übernachtungen sowie steigende Kosten, insbesondere bei Energie und hochwertigen Lebensmitteln, hätten die Saison geprägt. Zudem machte das wechselhafte Wetter den Tourismusanbietern zu schaffen. „Das erste Quartal war ein Flop, und die fehlende Übernachtung und das nicht verkaufte Getränk können wir nicht mehr aufholen,“ so Vogel.

Ein Blick auf Borkum von oben: Das H-Gebäude ist die Inselschule, rechts daneben die Turnhalle und der Sportplatz.

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Axel Pries
Leer

„Gamechanger“: die Erweiterung der Ausbildung

Auch die Diskussion um den Mindestlohn und dessen Auswirkungen auf die Preise in der Gastronomie wurde thematisiert. „Wir zahlen schon jetzt weit über Mindestlohn, damit wir überhaupt Personal behalten,“ erklärte Vogel. Ein „Gamechanger“ könnte dabei die Erweiterung der Ausbildung für Borkum und in der Berufsschule sein, wenn dort zukünftig in den Hotellerie- und Gastronomieberufen unterrichtet würde. Bis zu 20 Betriebe könnten sich nach einer internen Umfrage im Dehoga Borkum vorstellen, dann auszubilden.

Ein weiteres zentrales Thema der Sitzung war der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Azubis und Fachkräfte. Aktuell dürfen Ferienwohnungen für maximal zwei Jahre als Dauerwohnraum genutzt werden, was insbesondere für Auszubildende eine zu kurze Frist darstellt. Vogel und andere Ausschussmitglieder sprachen sich dafür aus, diese Regelung zu verlängern, um eine bessere Wohnraumperspektive für Auszubildende zu bieten. Der Vorschlag wurde positiv aufgenommen. Landrat Matthias Groote erklärte, die Zwei-Jahres-Regelung zu überprüfen. Bürgermeister Jürgen Akkermann appellierte daran, die maximale Machbarkeit zu prüfen und nicht die Minimallösung zu suchen.