Keir Starmer ist noch Premierminister. Doch dass er Labour in die nächste Unterhauswahl führen wird, glaubt in seiner Partei eigentlich keiner mehr. Es ist ein bemerkenswerter Absturz für einen Politiker, der vor nicht einmal zwei Jahren für die Sozialdemokraten eine große Mehrheit im Parlament gewann und außenpolitisch einige Erfolge vorweisen kann.

Innenpolitisch aber sehen viele Briten ein vollkommen anderes Bild. Sie erlebten einen Premier, der ausgerechnet beim Heizkostenzuschuss für Rentner und bei Sozialleistungen für Menschen mit Behinderungen sparen wollte - und sich damit früh unbeliebt machte. Als die Regierung später teilweise zurückruderte, war der Schaden nicht behoben: Erst wirkte sie hart, dann richtungslos. Überdies wurde der versprochene Wandel im Alltag der Menschen kaum spürbar. Starmer erscheint ihnen blass, ohne politisches Profil.

Dass nun große Teile seiner Partei versuchen, Starmer zu stürzen, zeigt jedoch auch, dass das Problem größer ist als die Umstände. Denn Labour hat, anders als die Tories, eigentlich keine besondere Lust am Königsmord. Umso schwerer wiegt die Revolte. Immer wieder wird der Vorwurf des Zauderns laut: zu viel Verwaltung, zu viele Trippelschritte, zu wenig Mut. Abgeordnete sehen einen Regierungschef, dem sie nicht zutrauen, die Partei zu führen, und der Labour noch weiter in den Abgrund reißen könnte.

Offen ist allerdings, ob unter einem Hoffnungsträger wie Andy Burnham wirklich alles besser würde. Der Bürgermeister von Greater Manchester gehört zwar nicht zu jenem Londoner Machtbetrieb, der Wählern als Teil des Problems erscheint, doch auch Burnham könnte kein Geld herbeizaubern. Auch er müsste ein müdes Land regieren, dessen Bevölkerung wenig Geduld hat. Aber er gibt der Labour-Partei im Moment zumindest etwas, das Starmer nicht mehr vermitteln kann: die Hoffnung, dass ein Neuanfang noch möglich ist.