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nordwest-zeitung

Immobilienmarkt in Niedersachsen Deutlich weniger Immobilien werden verkauft – So verändern sich die Preise

Ein Baustellenschild steht vor der Baustelle mehrerer Miethäuser. Wegen der Krise im Wohnungsbau wurden in Niedersachsen 2023 deutlich weniger Immobilien verkauft.

Ein Baustellenschild steht vor der Baustelle mehrerer Miethäuser. Wegen der Krise im Wohnungsbau wurden in Niedersachsen 2023 deutlich weniger Immobilien verkauft.

Woitas/dpa

Oldenburg/Hannover - In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr so wenig Immobilien verkauft wie seit rund 35 Jahren nicht mehr. „1987 wurden letztmals weniger Kaufverträge registriert“, sagte Innenministerin Daniela Behrens (SPD) bei der Vorlage des Landesgrundstücksberichts am Donnerstag in Hannover. 78.000 Verträge wurden 2023 registriert – ein Rückgang um 30,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Bauplätze

Die Zahl der verkauften Bauplätze für den individuellen Wohnungsbau ist so gering wie noch nie seit Beginn der elektronischen Datenerfassung in den 1980er-Jahren: genau 5149 waren es 2023. Der Höchstwert lag 1999 bei 26 475. Der Anteil der Verträge über Bauplätze am Immobilienmarkt liegt bei 6,6 % (1999: 21,68 %). Nur in 21 der 45 niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte wurden 2023 mehr als 100 Bauplätze verkauft. Zwei Jahre zuvor war dies noch in 37 Kreisen und Städten der Fall. Seit Anfang 2023 ist jedoch kein weiterer Rückgang erkennbar.

Der Nordwesten

Das Preisniveau steigt weiter: 2023 betrug der mittlere Preis für einen Bauplatz in Niedersachsen 129 Euro pro Quadratmeter (2022: 120 e  /m²). Besonders vermarktungsstark ist der Nordwesten. In Oldenburg liegt der Baulandpreis mit bis zu 439 e  /m² an der Spitze. In Aurich liegt er bei 149 e  /m²; in Barßel bei 149 e  /m², in Frie­soy­the bei 108 e  /m² und in Lastrup (alle Kreis Cloppenburg) bei 89 e  /m². In Zeiten von Homeoffice würden laut Behrens mehr Menschen in ländliche Gebiete ziehen.

Geschosswohnungen

Eine Trendwende beobachtet Andreas Teuber, Vorsitzender des Oberen Gutachterausschusses, bei den Bauplätzen für den Geschosswohnungsbau: Im 3. Quartal 2023 konnte mit landesweit 115 Grundstücksverkäufen der höchste Wert seit dem zweiten Quartal 2022 festgestellt werden. Ein Grund dafür sei die Förderung des sozialen Wohnungsbaus.

Bestandsimmobilien

24 183 Ein- und Zweifamilienhäuser wechselten 2023 die Besitzer – die geringste Vertragszahl seit 2009. Die mittleren Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser lagen zwischen 525 000 Euro  in der Stadt Hannover als landesweiter Höchstwert und 150 000 Euro  im Kreis Holzminden als geringster Wert. In Oldenburg betrug der mittlere Preis 370 000 Euro (2022: 420 000 e  ); in Aurich 234 000 Euro (2022: 275 000 e  ).

  Damit hat sich 2023 der bereits in den vergangenen Jahren erkennbare Trend, dass das Preisgefälle zwischen Großstädten und ländlich geprägten Regionen leicht abnimmt, bestätigt.

Eigentumswohnungen

Der mittlere Wohnflächenpreis für eine neue Eigentumswohnung lag 2023 bei 3800 Euro/m² – fast unverändert gegenüber 2022 (3880 e  /m²). Einige Beispiele aus der Region: Oldenburg 4790 Euro/m² (2022: 4780 e  /m²); Cloppenburg 3720 Euro/m² (2022: 2920 e  /m²); Delmenhorst 3380 Euro/m² (2022: 2830 e  /m²). Teuer bleiben die Inseln. Langeoog hat mit 13 400 Euro/m² (2022: 14 700 e  /m²) weiterhin den Spitzenwert. Wangerooge liegt bei 9800 Euro/m² (2022: 8500 e  /m²) dahinter. Angesichts der hohen Baukosten sei das Preisniveau weitgehend stabil, sagte Behrens.

Bei Eigentumswohnungen der Baujahre 1991 bis 2019 lag der landesweite Preis bei 2340 Euro/m² (2022: 2550 e  /m²). Landesweit an der Spitze liegt der Kreis Lüneburg mit 3890 Euro/m² (2022: 3500 e  /m²); in Oldenburg sind es 2870 Euro/m² (2022: 3230 e  /m²) und in Leer 2070 Euro/m² (2022: 2680 e  /m²). Auch hier sind die Inseln besonders teuer: Norderney liegt mit 12 500 Euro/m² (2022: 12 800 e  /m²) an der Spitze, gefolgt von Juist (11 400 Euro /m²), Baltrum (10 600 Euro /m²), Langeoog (8400 Euro /m²), Wangerooge (8200 Euro /m²), Borkum (7500 Euro/m²) und Spiekeroog (6900 Euro /m²)

Die Landwirtschaft

Losgelöst von der bisher dargestellten Entwicklung zeigt sich der Markt für landwirtschaftliche Grundstücke. Hier gibt es laut Gutachterausschuss seit einigen Jahren einen Trend zurückgehender Flächenumsätze bei noch leicht ansteigenden Preisen. Nach Rückgängen der Flächenumsätze um jeweils 7,4 % in den beiden Vorjahren setzte sich dieser Trend mit nunmehr 6,4 % nahezu linear fort. Der Geldumsatz stieg jedoch um 6,7 % auf 744 Millionen Euro. Nur im Jahr 2020 wurde in Niedersachsen mehr Geld in landwirtschaftlichen Immobilien umgesetzt. Der Durchschnittspreis für Ackerland erreichte mit 6,06 Euro/m² (2022: 5,83 e  /m²) einen neuen Höchstwert.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent