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nordwest-zeitung

FC Groningen im Aufstiegskampf Mit Vollgas-Fußball und frischem Blut in die Erfolgsspur

Ein Gesicht des neuen FC Groningen: Ex-Dortmunder Marco Rente (links).

Ein Gesicht des neuen FC Groningen: Ex-Dortmunder Marco Rente (links).

Imago

Groningen - „Trots van het Noorden“ – als „Stolz des Nordens“ bezeichnen die Fans des FC Groningen ihren Verein. Entsprechend groß war das Entsetzen, als der Traditionsverein im Mai 2023 nach 23 Jahren im niederländischen Oberhaus den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste. Im Sommer rotierte das Personalkarussell heftig und brachte frische Kräfte in die Universitätsstadt. Einer dieser Kräfte ist der Siegener Marco Rente. Obwohl der 26-Jährige im Vorjahr mit Heracles Almelo in die erste niederländische Liga aufgestiegen war, entschied er sich für einen Wechsel zum FC Groningen. Dort ist der Verteidiger zu einer prägenden Figur des Neuanfangs geworden, der nur ein Ziel kennt: Den Wiederaufstieg.

Vor allem die Gespräche mit Neu-Coach Dick Lukkien hatten bei Rente Eindruck hinterlassen. „Seine Arbeitsweise und die Rolle, die er für mich vorgesehen hat, haben mich überzeugt und mir ein gutes Gefühl gegeben.“ Vollgas-Fußball mit hoher Intensität sei es, was er von seinen Spielern erwartet. Bei den Verhandlungen hat Rente auch der ehrgeizige Weg für die Zukunft imponiert. „Der Verein will mittelfristig wieder in die obere Tabellenhälfte der Eredivisie – mit Blick auf die internationalen Plätze.“

Holpriger Herbst

Damit das klappt, muss erstmal der Aufstieg her. Noch vor kurzem deutete nichts darauf hin. War der Saisonstart noch passabel, fiel der FC Groningen im Herbst nach sieben sieglosen Spielen auf Platz 14 zurück. „Wir hatten viele neue Spieler und der Spielstil hat nicht gepasst.“ Organisierter Spielaufbau mit langen Ballbesitzpassagen stand im Vordergrund, man orientierte sich am Premier-League-Club Brighton & Hove Albion. „Gegen die vielen tiefstehenden Gegner fehlten uns aber die Mittel.“ Auch der Kopf spielte eine Rolle, der Abstieg steckte vielen Spieler noch in den Kleidern. „Bei Gegentoren sind wir schnell zusammengefallen, man hat die Angst vorm Verlieren gespürt“, sagt der Verteidiger.

Im November wurde die Spielweise angepasst. Statt auf viel Ballbesitz setzt Trainer Lukkien seither auf aggressives Anlaufen. „Wir lassen die Gegner aufbauen, bis wir in unsere Pressingmomente kommen. Dann wollen wir ihnen keine Luft zum Atmen geben und Fehler provozieren“, sagt Rente. Die Veränderungen tragen Früchte: Der FC gewann sieben der letzten neun Ligaspiele. Auf Platz 6 liegend würde man sich aktuell für die Aufstiegs-Playoffs qualifizieren. Der direkte Aufstiegsplatz ist zwar acht Punkte entfernt, doch FC Groningen hat noch ein Nachholspiel in der Hinterhand.

vON DER eRSATZBANK DES bvb IN DIE nIEDERLANDE

Marco Rente ist 1997 in Siegen, Nordrhein-Westfalen, geboren und durchlief die Nachwuchsabteilungen der Sportfreunde Siegen. Im Alter von 19 Jahren kam er zu seinen ersten Einsätzen in der ersten Mannschaft und stieg mit ihnen in die Regionalliga West auf. Dort wurde er in der darauffolgenden Saison Stammspieler und Leistungsträger. 2017 wechselte er zu TuS Erndtebrück, wo er ebenfalls Stammspieler wurde, den Abstieg allerdings nicht verhindern konnte.

Im Sommer 2018 nahm Borussia Dortmund den damals 21-Jährigen unter Vertrag. Dort lief er für die zweite Mannschaft und damit weiter in der Regionalliga West auf. 2020 durfte Rente vom Bundesliga-Debüt träumen, als er für einige Spiele in den Profikader berufen wurde. Zu einem Einsatz kam es allerdings nicht. Sein Profidebüt feierte Rente erst in der Folgesaison für Heracles Almelo in der ersten niederländischen Liga. Auch hier erkämpfte er sich rasch einen Stammplatz, war beim Abstieg des Vereins 2022 einer der wenigen Lichtblicke. 2023 gelang Rente mit Almelo der direkte Wiederaufstieg – dies soll jetzt auch mit dem FC Groningen glücken.

Jugend forscht

Die Nachwuchsschmiede des FC Groningen hat einst Weltstars wie Arjen Robben hervorgebracht. Auch in dieser Saison sind es die Youngsters, die für den Aufschwung sorgten. Der Königstransfer im Sturm, Kevin van Veen, wurde wieder nach Schottland verliehen, stattdessen gehen die jungen Romano Postema (21) und Thom van Bergen (20) auf Torejagd. Exemplarisch für die Nachwuchspower steht Mittelfeldspieler Jorg Schreuders. „Er kann die Mitspieler sehr gut in Szene setzen“, sagt Rente. „Und mit den vielen Metern, die er abspult, ist er genau die Komponente, die uns zu Saisonbeginn gefehlt hat.“

Das vielleicht bekannteste Gesicht der Groninger Nachwuchsschmiede: Bayern-Legende Arjen Robben – 2001 noch mit vollem Haar.

Das vielleicht bekannteste Gesicht der Groninger Nachwuchsschmiede: Bayern-Legende Arjen Robben – 2001 noch mit vollem Haar.

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Dass die jungen Spieler so gut Fuß fassen, darf sich auch Rente zuschreiben, denn durch die Verletzungen des angestammten Kapitäns Leandro Bacuna läuft der 26-Jährige aktuell mit der Kapitänsbinde auf. Eine Rolle die ihm zusagt. „Ich bin niemand, der in der Kabine jede Situation mit den Mitspielern analysiert“, so Rente, „aber ich versuche den jungen Spielern vor dem Spiel Kraft zu geben und den Druck zu nehmen.“ Seine Kapitänsrolle führt er von hinten rechts aus. Für den ausgebildeten Innenverteidiger ungewohnt. „Ich fühle mich innen wohler, habe aber auch außen Qualitäten.“ Da Groningen ohne klassische Flügelspieler aufläuft, agiert Rente als Schienenspieler, beackert die ganze Seite und presst fleißig mit. Zwei Tore und zwei Vorlagen konnte der Siegener bisher beisteuern.

Auch Pokal im Blick

Trotz der sportlichen Achterbahnfahrt der Hinrunde ist der direkte Aufstieg „das klare Ziel“, sagt Rente. Der Verein genießt einen hohen Stellenwert in der Stadt und die zwischenzeitliche Krise hat die Fans nicht kaltgelassen. „Man hat schon ein Grummeln gespürt. Vielleicht hat mancher die zweite Liga unterschätzt“, vermutet Rente. Dennoch hat Groningen mit knapp 20.000 Besuchern pro Heimspiel stets den besten Zuschauerschnitt der Liga. „Es ist Wahnsinn in welcher Anzahl und Ausdauer die Fans uns begleiten.“ Das Vertrauen in die Mannschaft sei auf den Rängen spürbar. Dieses Vertrauen möchte die Mannschaft nicht nur in der Liga, sondern auch im Pokal zurückzahlen. Dort hofft der Pokalsieger von 2015 noch auf den großen Wurf. Am Donnerstag, 8. Februar, geht es gegen Erstligist Fortuna Sittard im heimischen Euroborg schon um den Einzug ins Halbfinale.

Florian Fabozzi
Florian Fabozzi Volontär, 2. Ausbildungsjahr
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