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nordwest-zeitung

Mögliche Spielmanipulation in 3. Liga Lief im Abstiegskampf alles sauber ab? – Oldenburger Spieler als Zeuge geladen

Oldenburg/Frankfurt - Gab es in der vergangenen Saison mitten im Abstiegskampf der 3. Fußball-Liga den Versuch einer Spielmanipulation? Das wirft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Raphael Koczor, damals Torwart bei Rot-Weiss Essen, vor. An diesem Freitag um 14 Uhr wird der Fall vor dem DFB-Sportgericht in Frankfurt verhandelt. Das Magazin „Kicker“ hatte über die Vorwürfe gegen Koczor berichtet.

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Der Fall hat eine gewisse Brisanz, da der VfB Oldenburg damals unter anderem mit Essen, dem Halleschen FC und dem SV Meppen um den Klassenerhalt kämpfte, der am 37. Spieltag entschieden wurde. Halle rettete sich durch ein 2:0 gegen Essen. Oldenburg und Meppen standen dagegen als Absteiger fest. Aber ging dabei alles mit rechten Dingen zu?

Anruf bei Appiah

Formell teilt der Verband mit, dass Koczor „eine Spielmanipulation im Sinne von Paragraph 6a Nr. 1 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung“ vorgeworfen wird. Zwei Tage vor der Partie gegen Halle soll der Torwart den ihm bekannten VfB-Verteidiger Marcel Appiah angerufen und sinngemäß gefragt haben, ob „Oldenburg sich schon etwas überlegt habe, wenn sich Rot-Weiss Essen in Halle reinhaut und gewinnt“. Denn mit einem Essener Sieg gegen Halle wären auch die Oldenburger Chancen auf den Klassenerhalt gestiegen. Letztlich kam es aber anders, durch den Sieg von Halle gegen Essen und die 1:2-Niederlage der Oldenburger gegen den FSV Zwickau stand der Abstieg des VfB fest.

„Da es ein schwebendes Verfahren ist, werden wir uns dazu nicht äußern“, teilte VfB-Pressesprecher Fabian Speckmann auf Nachfrage mit. Im Rahmen der Verhandlung wird Appiah vor dem Sportgericht als Zeuge angehört. Auch Koczor selbst wird sich äußern. Laut DFB bestreitet er die Vorwürfe. Essen hat derweil keine Konsequenzen zu befürchten. Koczor stand bei besagter Partie gegen Halle nicht im Kader und wurde über den gesamten Saisonverlauf nicht eingesetzt. Mittlerweile schnürt der Beschuldigte für Landesligist FC Kray die Schuhe.

Ähnlicher Fall

Vergleichbares passierte bereits vor etwa sechs Jahren. Tobias Willers vom VfL Osnabrück war 2017 im Visier des DFB. Er hatte seinen Teamkollegen vorgeschlagen, Kontakt mit Akteuren der Zweitvertretung von Werder Bremen aufzunehmen. Bremen befand sich damals im Kampf um den Klassenerhalt, gemeinsam mit dem kommenden Gegner des VfL, dem SC Paderborn. Der Grund der Kontaktaufnahme, nach Ansicht des DFB: Gegenleistung – zum Beispiel in Form von Geld – für Schützenhilfe im Abstiegskampf.

Zu einer Zahlung oder anderen erbrachten Gegenleistungen und damit einer Wettbewerbsverzerrung war es am Ende nicht gekommen. Trotzdem sperrte das Sportgericht Willers für vier Monate und der Verurteilte musste eine Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro zahlen. Willers ging in Berufung und die Sperre wurde auf drei Monate reduziert. Seine Teamkollegen Marc Heider und Addy-Waku Menga wurden wegen ihrer Beteiligung für vier Spiele gesperrt.

In den Statuten von Paragraph 6a des DFB heißt es wörtlich: „Wer es, insbesondere als Spieler, Schiedsrichter, Trainer oder Funktionsträger, unternimmt, auf den Verlauf und/oder das Ergebnis eines Fußballspiels und/oder den sportlichen Wettbewerb durch wissentlich falsche Entscheidungen oder andere unbefugte Beeinflussung einzuwirken in der Absicht, sich oder einem anderen einen Vorteil zu verschaffen, macht sich der Spielmanipulation schuldig. Dies gilt nicht für Spieler, die beim Spiel oder im Zusammenhang mit diesem durch Verletzung einer Fußballregel ausschließlich einen spielbezogenen sportlichen Vorteil anstreben; die Möglichkeit der Bestrafung als unsportliches Verhalten gemäß § 1 Nr. 4. bleibt insoweit unberührt.“

Sarom Siebenhaar
Sarom Siebenhaar Redaktion Jever