In der 3. Liga Nord-West treffen die Handballer des Wilhelmshavener HV am Samstag (18 Uhr, Nordfrost-Arena) auf Spitzenreiter TV Emsdetten. Vor dem Anpfiff spricht Kapitän Matej Kozul über die Chancen, seine Rolle im Team und seine (wiederentdeckten) Qualitäten als Torjäger.

Nach elf Spieltagen führen Sie die Torjägerliste in Ihrer Staffel mit 80 Treffern an. Ein eher ungewohntes Bild, oder?

Matej KozulEcht? Ich habe die Statistik nicht im Blick, weil sie mich ehrlich gesagt nicht interessiert. Klar freue ich mich, wenn ich, wie in Aurich, 14 Tore werfe, aber viel mehr interessieren mich Fehlwürfe oder technische Fehler, die ich produziert habe. In Aurich hatte ich eine Phase mit drei Fahrkarten in Folge. Das hat mich sehr geärgert, die Gesamtbilanz muss stimmen.

In der Jugend und im ersten Herrenjahr waren Sie als Torjäger bekannt. Beim WHV haben Sie sich dann einen Namen als Allrounder und Abwehrspezialist gemacht. Kehrt der Spieler Kozul jetzt zu seinen sportlichen Wurzeln zurück?

KozulAuch wenn die Zahlen dafürsprechen, kann man sich das nicht so einfach machen. Meine ersten Jahre beim WHV, nach dem Zweitliga-Abstieg, waren nicht einfach. Ich bin im Laufe der Jahre Schritt für Schritt ins Team gerutscht, durfte Verantwortung übernehmen und freue mich, dass ich der Mannschaft aktuell mit meinen Toren helfen kann.

Liegt es nur an längeren Einsatzzeiten, oder hat sich beim WHV inhaltlich was verändert?

Kozul Ich sage mal so: Wir hatten Spieler, auf die die Offensive zugeschnitten war, und die sich entsprechend viele Würfe genommen haben. Heute sind wir zwar knapp, aber homogener besetzt. Mit Jonas (Schweigart) und Rene (Drechsler) harmoniere ich sehr gut, weil wir alle drei erfahren sind und die gleiche Idee verfolgen. Aber auch die Jungen – wie Jan (Bennet Behrends) und Okke (Dröge) – finden sich immer besser zurecht. Es passt momentan einfach.

Als Trainer des Youngster-Teams sollen Sie junge Spieler an den Männerbereich heranführen. Da hat man nicht nur als Kapitän auch eine Vorbildfunktion, oder?

KozulAuf jeden Fall. Ich kann mich ja nicht hinstellen und den Jungs irgendwas vom Pferd erzählen. Ich sage ja meinen beiden Kinder auch nicht, dass sie ihr Geschirr wegräumen sollen und lass meinen Teller auf dem Tisch stehen. Das geht einfach nicht. Wenn ich gute Szenen von mir zeige, dann nicht, weil ich meinen Ego-Trip fahre, sondern damit die Jungs sehen, wie es gehen kann. Noch wichtiger aber ist, dass man immer weitermachen muss, auch wenn es in einer Phase mal nicht so läuft.

Zurück zum aktuellen Tabellenbild: Hätten Sie gedacht, dass der WHV in diesem Jahr am zwölften Spieltag an einem Spitzenspiel beteiligt ist?

KozulDas kommt schon überraschend, und ich glaube, dass gerade die jungen Spieler gar nicht einschätzen können, wie viel wir mit unserem Mini-Kader schon gerissen haben. Auch, wenn mir persönlich die beiden Unentschieden schon wehtun.

Mit Emsdetten kommt Samstag der „Endgegner“ in die Arena. Wie stehen die Chancen?

KozulWenn wir dem Gegner sein brutales Tempospiel erlauben, wird es schwer, weil Emsdetten in der Breite einfach mehr zu bieten hat. Würden die Spiele nur 40 Minuten dauern, hätten wir immer eine Chance, weil wir aus meiner Sicht handballerisch besser sind. In der Realität müssen wir 60 Minuten voll am Limit spielen und unsere Hintern ganz schnell zurückbewegen.

Warum unterschreiben Sie eigentlich immer nur Einjahresverträge?

KozulImmer stimmt nicht ganz – seit 2011 habe ich einmal für zwei Spielzeiten zugesagt. Ich bin ein Freund von Flexibilität und möchte meinen Vertrag nicht lange absitzen, falls mich der Verein mal nicht mehr haben will. Wir reden kurz über Dinge, die besser werden müssen, und feilschen nicht um 50 Euro. Das ist immer schnell erledigt.

Matej Kozul ist wie ein guter Wein – sagt Ihr Manager Dieter Koopmann gerne...

KozulOh, das ist schön zu hören. Dann dauert das Gespräch im nächsten Sommer vielleicht doch ein bisschen länger.

Carsten Conrads
Carsten Conrads Sportredaktion