Hannover - Riesenjubel bei Hannover 96 II, Klassenerhalts-Party beim SSV Jeddeloh, großes Aufatmen bei Weiche Flensburg – und die pure Enttäuschung bei den Würzburger Kickers: Ein dramatisches Relegations-Rückspiel um den Aufstieg in die 3. Liga hat die fußballerische Zukunft von gleich vier Vereinen am Sonntagnachmittag massiv beeinflusst. Die zweite Mannschaft von Hannover 96 II, Meister der Regionalliga Nord, steigt nach einem 5:4-Erfolg im Elfmeterschießen gegen die Würzburger Kickers, Meister der Bayern-Liga, in die dritthöchste deutsche Spielklasse auf. 96 II hatte das Hinspiel 0:1 verloren, im Rückspiel führte der Nord-Vertreter nach 90 Minuten mit 2:1 und nach 120 Minuten mit 3:2.

Hannover sorgt damit zum einen für ein Novum im deutschen Fußball – noch nie spielte die Zweitvertretung eines Zweitligisten in der 3. Liga – und zum anderen für ein Happy End im Ammerland. Der SSV Jeddeloh, Tabellen-14. der abgelaufenen Saison, feiert den direkten Klassenerhalt und umgeht das Nervenspiel Relegation. In diese darf nun der Tabellen-15. Weiche Flensburg – die Schleswig-Holsteiner wären bei einem Scheitern Hannovers direkt abgestiegen. So spielen sie nun in Hin- und Rückspiel gegen den TuS Bersenbrück, Zweiter der Oberliga Niedersachsen, um den Ligaverbleib. Die beiden Partien finden 5. und 9. Juni statt.

Vor 25 000 Zuschauern in Hannovers Zweitliga-Arena entwickelte hatte 96 den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel recht schnell egalisiert. Brooklyn Ezeh, eine von mehreren Aushilfen aus dem Zweitliga-Kader, traf zum 1:0 (22.). Ezeh war vor der Saison für 800 000 Euro von Wehen Wiesbaden verpflichtet worden und kam auf zwölf Zweitliga-Einsätze. Sein Einfluss auf den Aufstieg dürfte Wasser auf die Mühlen aller Kritiker von Zweitvertretungen sein.

Lange Zeit sah es dann nach einer Verlängerung aus, ehe in Jeddeloh das große Zittern begann. Saliou Sané glich mit einem verwandelten Foulelfmeter in der 75. Minute zum 1:1 aus – Leo Weinkauf, gebürtiger Oldenburger im 96-Tor, war chancenlos. Doch es gab noch einen zweiten Elfmeter, dieses Mal für Hannover. Eric Uhlmann bewahrte in der 85. Minute die Nerven. In der Verlängerung traf Hayate Matsuda zum 3:1 (105.), doch Würzburg kam noch einmal auf 2:3 durch Ivan Franjic (111.) heran – es brauchte das Elfmeterschießen. Dort wurde der Oldenburger Weinkauf zum Helden, er parierte gegen Würzburgs vierten Schützen Sané. Als auch Hannovers fünfter Spieler traf, war die Klassenerhalts-Party in Jeddeloh eröffnet. Dort guckte sich das SSV-Team gemeinsam die Partie an – und darf nun nach der Feier in den Urlaub anstatt in die unliebsame Saisonverlängerung gehen.

Jeddelohs Kapitän Bastian Schaffer war nach der Partie komplett fertig. „Das war das geilste Fußballspiel, das ich je gesehen habe. Es gab Aufs und Abs, gerade weil für uns so viel auf dem Spiel stand. so emotionale 120 Minuten plus Elfmeterschießen habe ich noch nicht erlebt.“ Ähnlich sah es Jeddelohs Sportlicher Leiter Olaf Blancke: „Dieses Spiel war an Dramatik wirklich nicht zu überbieten. Ich hatte aber irgendwie die ganze Zeit schon ein gutes Gefühl. Wir werden jetzt ordentlich feiern, Hannover sicherlich auch.“

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion
Lars Puchler
Lars Puchler Redaktion Lokalsport Ammerland