Jeddeloh/Oldenburg - Hannover 96 II kann in diesen Tagen für ein Novum im deutschen Profifußball sorgen. Schafft der Meister der Regionalliga Nord in den Aufstiegsspielen gegen den Meister der Regionalliga Bayern, die Würzburger Kickers, den Sprung in die 3. Liga, wäre es das erste Mal, dass ein Verein seine erste Mannschaft in der 2. Bundesliga und die zweite Mannschaft in der 3. Liga hat. Die Konstellation, dass ein Club ein Team in der Bundesliga und die Reserve in der 3. Liga hat, gab es schon mehrfach – nun steht Hannover vor einer Premiere.
Rückspiel am Sonntag
Das Hinspiel in Würzburg findet an diesem Mittwoch (19 Uhr) statt, das Rückspiel wird am Sonntag (13.30 Uhr) im großen Stadion in Hannover ausgetragen. Mehr als 16 000 Karten sind dafür bereits verkauft. Normalerweise spielt die 96-Reserve im Eilenriedestadion (2500 Plätze).
Von allerhöchstem Interesse ist das Duell auch für den Regionalligisten SSV Jeddeloh. Denn wenn 96 II den Aufstieg schafft, hätte Jeddeloh – der Tabellen-14. der Abschlusstabelle – ohne weitere Spiele den Klassenerhalt geschafft. Dann müsste der Tabellen-15. Weiche Flensburg in zwei Relegationsspiele (5. und 9. Juni) gegen den Zweiten der Oberliga Niedersachsen, den TuS Bersenbrück. Scheitert Hannover II dagegen, wäre Flensburg direkt abgestiegen und Jeddeloh müsste gegen Bersenbrück spielen.
Dass Jeddeloh so lange warten muss, bis die Ligazugehörigkeit für 2024/25 feststeht, erschwert die Planung. „Aber wir planen schon seit längerer Zeit zweigleisig. Denn auch in der Relegation können wir uns nicht sicher sein“, sagt der Sportliche Leiter des SSV, Olaf Blancke. Immerhin sei die jetzige Lage der Jeddeloher deutlich besser als die der Flensburger. Blancke: „Wir sind froh, dass wir es noch aus eigener Kraft schaffen können, wenn es nötig wird.“ Bedenken, dass sich die als Abgänge feststehenden Niklas von Aschwege (zu Kickers Emden), Willem Hoffrogge (VfB Oldenburg) und Elario Ghassan (Sportfreunde Lotte) in einer möglichen Relegation nicht mehr voll reinhängen würden, wischt Blancke beiseite. „Das sind alles einwandfreie Jungs, bei denen sich die Charakterfrage nicht stellt. Willem hat betont, dass er definitiv nicht noch einmal absteigen möchte“, sagt der Sportliche Leiter und meint damit die vergangene Saison, als Hoffrogge mit Atlas Delmenhorst in der Regionalliga den Klassenerhalt verpasst hatte.
Austausch mit Profis
Hannover 96 II kann indes gegen Würzburg nicht auf alle Spieler bauen, die das Team zur Regionalliga-Meisterschaft geführt hatten. Stürmer Lars Gindorf, der in der Nord-Staffel 21 Tore erzielt hatte, fehlt im Team von Trainer Daniel Stendel. Gindorf war zum Ende der regulären Saison in den Zweitliga-Kader der 96er hochgezogen worden und hatte einen Profivertrag erhalten. Und als Teil der Zweitliga-Mannschaft von Trainer Stefan Leitl soll er die jetzt begonnene Spielpause zur Erholung nutzen, um fit in die Vorbereitung auf die neue Zweitliga-Saison zu gehen.
Anders herum werden wohl einige Spieler im Kader von 96 II stehen, die sonst eher bei der ersten Mannschaft zu finden sind – beispielsweise Brooklyn Ezeh und Kolja Oudenne. Auch der aus Oldenburg stammende Torhüter Leo Weinkauf, der bei den Profis hinter der Nummer eins Ron-Robert Zieler notiert ist, könnte in der zweiten Mannschaft gegen Würzburg zum Einsatz kommen. Im Laufe der Regionalliga-Saison war das bei ihm immerhin dreimal der Fall gewesen.
