Harpstedt - Der Traum so vieler Kinder – Fußballprofi werden. Keno Meyer hat genau das geschafft. Im Sommer diesen Jahres hat er seinen ersten Profivertrag unterzeichnet, fast 400 Kilometer von seiner Heimat entfernt. Seine bisherige Laufbahn weist schon einige Kapitel auf: Mit zehn Jahren wechselte der Torwart in die Jugendabteilung von Werder Bremen, ist mittlerweile fester Bestandteil im Kader des Regionalligisten Hallescher FC und durfte auch schon mit dem Adler auf der Brust auflaufen.
„Beste Zeit des Lebens“
Mit sechs Jahren hat Keno Meyer bei der SG DHI Harpstedt das Fußballspielen begonnen. Dass er später einmal zwischen den Pfosten stehen würde, war Zufall. „Ich war immer in den Schulpausen im Tor und hab’ meine Sache eigentlich ganz ordentlich gemacht. Dann war der Torwart meiner Mannschaft krank und wir brauchten Ersatz – da habe ich mich freiwillig gemeldet. Und irgendwie bin ich dann da so reingerutscht“, berichtet der 18-Jährige rückblickend. Ihn fasziniere vor allem die Komplexität der Torwartposition. „Es gibt viele Anforderungsbereiche. Dazu kommt der Druck, dass man Spiele entscheiden kann, sowohl positiv als auch negativ.“
Seit Sommer 2024 steht Keno Meyer beim Hallescher FC unter Vertrag.
Seine Positionswahl war ein Glücksfall, wie sich später herausstellte: Meyers Talent wurde früh erkannt. Mit neun Jahren hatte er erfolgreich an einem Talenttag von Werder Bremen teilgenommen – eine Sichtungsmaßnahme für das Talentteam des SVW, das die jungen Nachwuchskicker auf den Sprung ins Nachwuchsleistungszentrum vorbereiten soll. Genau diesen Sprung hat Meyer geschafft, denn nach einem halben Jahr im Talentteam wurde er in die U11 von Werder übernommen. Dem Verein, für den er alle kommenden Altersklassen bis zur A-Jugend durchlaufen sollte. „Das war die beste Zeit meines Lebens. Ich habe ganz viel Erfahrung gesammelt und durfte Sachen erleben, von denen andere in meinem Alter nur träumen können“, sagt der Harpstedter. Aber damit meint er nicht nur das, was auf dem Fußballplatz geschehen ist: „Ich habe Freunde fürs Leben gefunden. Es war immer viel Leichtigkeit dabei, wir hatten stets Spaß zusammen auf dem Rasen, aber auch in der Kabine.“
Für das Team von Trainer Mark Zimmermann (2.v.r.) und Ersatzkeeper Keno Meyer läuft es in der Regionalliga bislang gut.
Neues Kapitel in Halle
Doch jedes Kapitel muss einmal enden, so auch Meyers Kapitel in Bremen: „Es wurde Zeit für was Neues.“ Den Torhüter zog es im Sommer 2024 zum Hallescher FC, beim Viertligisten unterzeichnete er seinen ersten Profivertrag. Er ist aktuell dritter Torwart der ersten Mannschaft und kann in der U19 von Halle Spielpraxis in der DFB-Nachwuchsliga sammeln. Auf seinen ersten Einsatz in der Regionalliga wartet der Harpstedter bislang zwar noch, dafür stand er aber mehrmals schon im Kader. In der Regionalliga lauert der HFC aktuell hinter Lok Leipzig auf dem zweiten Tabellenplatz, mit der U 19 belegt Meyer mit seinem Team Platz fünf. Sein langfristiges Ziel ist es, als Stammkraft den Sprung in die dritte Liga bei einem Traditionsverein zu schaffen. Der Gedanke „Bundesliga“ sei dem frisch gebackenen Abiturienten noch viel zu weit entfernt.
Strebt stetig nach Verbesserung: Keno Meyer im Austausch mit Torwarttrainer Norman Becker
Sein Vereinswechsel zog natürlich auch nach sich, dass er von Zuhause auszog. Nun wohnt der 18-Jährige alleine in einer Wohnung in Halle an der Saale und muss dort den Haushalt schmeißen: Einkaufen, kochen, putzen – das volle Programm. Trotzdem oder genau deshalb kommt Meyer gerne regelmäßig in die Heimat Harpstedt, um sein Elternhaus und seine Freunde zu besuchen. Ab und zu schaut er dann auch auf dem Fußballplatz vorbei, um zu sehen, wie sich seine ehemaligen Mitspieler aus Bambini-Zeiten schlagen.
Debüt für Deutschland
Doch nicht nur in der Regionalliga hat Meyer Ambitionen, auch für Deutschland stand der Harpstedter schonmal auf dem Feld. Im November 2023 durfte er mit der U18 gegen Tschechien im Rahmen eines Drei-Länder-Turniers das DFB-Trikot tragen. „Das war der Höhepunkt meiner bisherigen Laufbahn“, sagt Meyer stolz, auch wenn man sich in dem Spiel mit 1:2 geschlagen geben musste.
Was der Harpstedter in Zukunft neben dem Fußball plant, weiß er noch nicht genau. „Vielleicht ein Fernstudium oder so. Aber momentan muss ich mich von meiner harten Schulzeit erholen“, schmunzelt der Keeper. Erstmal steht jetzt sowieso Fußball im Mittelpunkt.