Oldenburg - Unternehmen, die sich als Sponsoren in einem Sportverein engagieren, haben inzwischen höchst unterschiedliche Ziele – und diese Nachfrage gilt es zu befriedigen. Unter anderem über diesen und andere wirtschaftliche Aspekte diskutierten am Dienstagabend Clubvertreter bei einer Talkrunde im „Core“ in Oldenburg. Eingeladen hatte das Business-Netzwerk „i2b“.
Buhlen um Mitarbeiter
Es gebe weiterhin Sponsoren, die über Werbung im Stadion oder in der Halle die größtmögliche Sichtbarkeit für ihre Marke beziehungsweise ihr Produkt wollen – da bestand Einigkeit bei den Talkrunden-Teilnehmern Hubertus Hess-Grunewald (Präsident Werder Bremen), Michael Weinberg (Geschäftsführer VfB Oldenburg/Fußball-Regionalliga), Daniel Pleines (Leiter Marketing EWE Baskets Oldenburg/Basketball-Bundesliga), Andreas Lampe (Geschäftsführer VfL Oldenburg/Handball-Bundesliga Frauen) und Holger Völling (Sportdirektor VfL Oldenburg Knights/2. Football-Bundesliga). Doch inzwischen seien auch ausgefallenere Pakete gefragt. So gebe es Unternehmen, die ein Engagement beim VfB nutzen wollen, um vor allem in die eigene Firma hinein zu werben, berichtete Weinberg. So würden bei solchen Sponsoren firmenintern unter Mitarbeitern Karten für VfB-Heimspiele verteilt – das steigere die Attraktivität des Unternehmens.
Ähnliches berichtete Völling: Da die Knights nicht nur im Erwachsenen- sondern auch im Jugendbereich Teams haben, gebe es Sponsoren, die über ein Engagement bei den Knights Kontakte zu möglichen künftigen Mitarbeitern aufbauen würden – der Fachkräfte- und Bewerbermangel sei schließlich überall zu spüren. Da könne es für Sponsoren von Vorteil sein, wenn junge Menschen bei der Berufswahl bereits Kontakt mit einem Unternehmen gehabt haben, das sie als positiv wahrgenommen haben, nämlich als Unterstützer des eigenen Vereins.
Diskutierten im Core (von links): Michael Weinberg, Holger Völling, Daniel Pleines, Andreas Lampe (mit Mikrofon) und Hubertus Hess-Grunewald
Pleines erzählte, dass die Baskets in einem besonderen Austausch zu einigen Sponsoren stehen würden. So referiere Chefcoach Pedro Calles bei einigen Unterstützern darüber, wie er sein Team führe und zu guten Leistungen bringe. Das sei bei Führungskräften in der Wirtschaft eine intensiv diskutierte Frage, gute Beispiele aus dem Sport könnten da als Vorbild dienen.
Die vertretenen Vereine ringen allesamt auf dem Markt um ihre Position. Im Wettbewerb um mediale Aufmerksamkeit, Sponsoren und Zuschauer bleibt es nicht aus, dass sich die Player aus Oldenburg und Umgebung auch mal in die Quere kommen – das war am Dienstag aber in den Wortbeiträgen nicht zu spüren. So wurde das ansonsten hochemotional diskutierte Thema „Bau eines neuen Fußballstadions in Oldenburg“ immer wieder merklich umschifft. Vor der Talkrunde hatte es mit Moderator Axel Pusitzky eine entsprechende Abmachung gegeben. Deutlich wurde das, als selbst VfB-Geschäftsführer Weinberg lediglich vom aktuellen „Problem in der Infrastruktur“ sprach und damit die Mängel des Marschwegstadions meinte. Die sind sonst eines der ersten Argumente der Stadionbefürworter für einen Neubau.
Zum 21. Mal ausverkauft
Erfreulich ist aktuell der Zuschauerzuspruch bei den Vereinen. Die Baskets werden an diesem Samstag (18.30 Uhr, große Arena) gegen die Baskets Würzburg zum 21. Mal in Folge bei einem Bundesliga-Heimspiel eine ausverkaufte Halle (6200 Plätze) haben. Die Handballerinnen des VfL Oldenburg führen in der Bundesliga mit einem Schnitt von 1585 Besuchern die Zuschauertabelle an. Und die Knights hoffen laut Völling, in der am 1. Juni beginnenden GFL2-Saison (zum Auftakt spielt Oldenburg in Cottbus) ihren 2023er-Schnitt von rund 1000 auf 2000 steigern zu können. Das Team trägt seine Heimspiele im Marschwegstadion aus.