Oldenburg/Stuttgart - Beim letzten Pokalsieg des VfL Oldenburg im Mai 2018 saß sie in der ersten Reihe. „Leider aber nur vor dem heimischen Fernseher“, schwingt in den Worten von Jane Martens auch ein bisschen Wehmut mit, wenn sie auf den Pokal-Coup der VfL-Handballerinnen im Stuttgarter Finale gegen den Favoriten SG Bietigheim (29:28) angesprochen wird. Martens, damals gerade 18 Jahre jung und seit einem Jahr dem Bundesliga-Kader angehörend, war nur wenige Tage vor dem Endrundenturnier „Final4“ an der Schulter operiert worden und konnte die Reise ins Schwabenland nicht antreten.
Vom Talent zum Routinier
„Das war schon bitter. Auf der anderen Seite kann ich nur vom Glück sprechen, in diesem Jahr bereits zum dritten Mal diese großartige Atmosphäre einer Pokalendrunde erleben zu dürfen. Andere Spielerinnen kommen in ihrer Karriere nicht ein einziges Mal zum Finalturnier“, sagt Martens heute im „reifen“ Alter von 24 Jahren. Damit zählt die Linksaußen, die ihren Vertrag gerade bis 2026 verlängert hatte, schon zu den erfahrensten Spielerinnen im Team von Trainer Niels Bötel. Mehr als 150 Pflichtspiele hat sie bislang für das VfL-Bundesligateam absolviert. Hinzu kommen noch die vielen, vielen Partien, in denen sie seit der C-Jugend für die Grün-Weißen auf Torjagd ging.
„Wie viele Spiele ich insgesamt bestritten habe? Oh, das weiß ich nicht. Ich war lange Zeit immer die Jüngste, heute zähle ich schon zu den Älteren. Aber insgesamt sind wir immer noch sehr viele junge Spielerinnen, die zwar noch nicht so mega erfahren sind, aber talentiert sind und darauf brennen, sich weiterzuentwickeln“, blickt Martens voller Ehrgeiz und sichtlich mit Vorfreude dem diesjährigen Auftritt der VfL-Frauen in der Stuttgarter Porsche-Arena entgegen. Im Halbfinale an diesem Samstag (15 Uhr) wartet die TuS Metzingen.
Beide Clubs kennen sich aus unzähligen Liga- und Pokalduellen. Die bislang letzten beiden gingen jeweils mit 30:26 an Oldenburg – in der Bundesliga ebenso wie im Spiel um Platz drei im Vorjahr beim „Final4“ in Stuttgart. „Im Halbfinale wird es hoch hergehen. Ich erwarte ein verdammt enges Spiel. Wir wollen ins Finale – und auch Metzingen hat nur ein Ziel: das Endspiel“, sagt Martens und will sich nicht auf die jüngsten Erfolge der Oldenburgerinnen gegen die TusSies verlassen.
Anreiz Europapokal
Für die Medizinische Fachangestellte, die neben ihrem Bundesligajob täglich von 7.30 bis 12.30 Uhr ihrer Arbeit im Klinikum Oldenburg nachgeht, ist es nach 2022 und 2023 das dritte Mal, dass sie mit ihrer Mannschaft beim Endrundenturnier nach dem Pokal greift. Für Martens und die VfL-Frauen könnte ein Sieg im ersten Halbfinale zudem einen Bonus-Effekt mit sich bringen. Denn der Finaleinzug könnte möglicherweise schon zur Europapokalteilnahme berechtigen – nämlich dann, wenn der Pokalsieger am Saisonende auch deutscher Meister wird. Souveräner Bundesliga-Spitzenreiter ist die SG Bietigheim, die an diesem Samstag (17.30 Uhr) in Stuttgart im zweiten Halbfinale auf den Thüringer HC trifft.
„Natürlich konzentrieren wir uns jetzt erst einmal voll auf das Halbfinale gegen Metzingen. Aber keine Frage: Natürlich ist das ein totaler Anreiz zu wissen, dass wir in Stuttgart möglicherweise erneut einen Startplatz für einen internationalen Wettbewerb erhaschen können“, sagt Martens und schwärmt von den letztjährigen European-League-Teilnahmen des VfL. So sei es spannend, sich auf internationalem Niveau mit anderen Clubs zu messen, die Spielweise anderer Ligen und die ausländischen Gegebenheiten kennenzulernen. „Das sind Erfahrungen, die ich jeder Spielerin nur wünschen kann. Das sind ganz besondere Momente in einer Karriere“, weiß Martens nur zu gut aus dem eigenen Pokal-Erleben.