Emden - Seit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga geht es für den VfL Osnabrück nur noch bergab. Eine Serie enttäuschender Spiele hat den Traditionsverein ans Ende der 3. Liga katapultiert. Kurz vor dem Halbfinale des Niedersachsenpokals stecken die Lila-Weißen tief in der Krise. Diese Schwächephase könnte Kickers Emden in die Karten spielen, wenn am Mittwochabend Euphorie auf Krisenstimmung trifft.
Die Lage der Osnabrücker könnte kaum ernster sein: Seit sechs Spieltagen stehen sie auf dem letzten Tabellenplatz der 3. Liga. Auch der Trainerwechsel von Uwe Koschinat zu Pit Reimers blieb bislang ohne die ganz große Wirkung. Nach der jüngsten 0:2-Niederlage gegen Hansa Rostock sprach Reimers bei „MagentaSport“ offen von einem „Schritt zurück“ und kritisierte die Passivität seiner Mannschaft. Auch Osnabrücks Kapitän Timo Beermann nahm kein Blatt vor den Mund, meinte, dass es sogar „mehrere Schritte zurück“ gewesen seien. Nach zwei kleinen Lichtblicken gegen Saarbrücken (1:1) und 1860 München (2:2) war die Partie gegen Rostock ein herber Rückschlag.
Regionalliga-Aufsteiger Kickers Emden dagegen geht selbstbewusst und ausgeruht in das Halbfinale im „eigenen Wohnzimmer“. Am Wochenende hatten die Ostfriesen spielfrei, da die Partie gegen Teutonia Ottensen kurzfristig verlegt wurde. Zuvor feierte der Tabellenvierte der Regionalliga einen 4:0-Auswärtssieg in Norderstedt. Ohnehin blickt die Mannschaft von Cheftrainer Stefan Emmerling auf eine bisher starke Saison zurück. Jetzt soll der große Erfolg gegen den Drittligisten folgen. „Wir werden alles in die Waagschale werfen, um ins Finale zu kommen“, versichert Emmerling. Sein Team ist nach der jüngsten Spielabsage ohnehin heiß auf den Pokalkracher. „Jetzt geht es darum, einen heißen Fight abzuliefern und noch einmal über die Grenzen hinauszugehen.“
Auch aufgrund der Schwächephase der Lila-Weißen ist ein Überraschungserfolg der Emder alles andere als abwegig. „Ich glaube aber nicht, dass wir davon profitieren werden“, sagt Emmerling. Für ihn sind die Osnabrücker trotz Negativserie der Favorit. „Wir haben schon viele Absteiger gesehen, denen es ähnlich erging. Sie haben sich gegen Saarbrücken und 1860 München aber etwas stabilisiert. Manchmal fehlen nur ein paar Nuancen zum Sieg.“
Für die Emmerling-Elf ist das Spiel gegen den Drittligisten eine Art vorgezogenes Finale. Nachdem Kickers Emden bereits den VfB Oldenburg im Elfmeterschießen besiegt hatte (6:3), wäre ein Pokalerfolg gegen die Osnabrücker wohl die Krönung der bisherigen Saison. Doch ob die Krisenstimmung des Gegners zum ganz großen Erfolg der Emder beitragen wird, bleibt abzuwarten. Schließlich könnte ein Erfolg im Pokalspiel auch genau der Impuls sein, den Osnabrück braucht, um zurück in die Spur zu finden.