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Früher VfB und VfL Oldenburg Wie Tim Steidten bei West Ham United als Sportchef die Fäden zieht

Lars Blancke
Lars Blancke Holger Schmidt
Im Trikot des VfB und VfL Oldenburg: Tim Steidten

Im Trikot des VfB und VfL Oldenburg: Tim Steidten

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London/Oldenburg - Tim Steidten ist nicht nur als einziger Deutscher Technischer Direktor in der englischen Premier League. Er ist auch der erste Technische Direktor in der Geschichte von West Ham United. Und der erste Technische Direktor, mit dem Trainer-Routinier David Moyes bei dem Club zusammenarbeitet. Der 44-Jährige hätte sich einen einfacheren Einstieg in die erste Reihe des Profi-Fußballs aussuchen können. Doch Steidten, der einst als Scout bei Werder Bremen begann und sich Stück für Stück hocharbeitete, suchte die große Herausforderung.

Im Nordwesten aktiv

Begonnen hat er seine Fußball-Laufbahn ohnehin im Nordwesten. Der gebürtige Bremer spielte für die Werder-Reserve (1998 bis 2000), für den FC Oberneuland (2001 bis 2002), für den VfB Oldenburg (2002 bis 2004), für den SV Meppen (2004 bis 2006) und abschließend drei Jahre lang für den VfL Oldenburg (2006 bis 2009) – zumeist als Abräumer im defensiven Mittelfeld. Im recht jungen Alter von 30 Jahren hörte er als Aktiver auf. Er stieg bei Werder als Nachwuchsscout ein, wurde Leiter der Nachwuchsabteilung, Leiter der Scouting-Abteilung, Sportdirektor und Sportlicher Leiter, ehe er 2019 zu Bayer Leverkusen wechselte.

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Am richtigen Ort

„Ich bin bei jedem Spiel und jedem Training euphorisch, weil ich spüre, dass ich am richtigen Ort, in der richtigen Liga bin“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Vor der Saison hatte der bisherige Manager Sport bei Bayer Leverkusen, der mit West Ham im Viertelfinale der Europa League auf seinen Ex-Club trifft, zwei Angebote aus der Premier League vorliegen. Das von West Ham und das eines prominenteren Clubs. „Aber dort wäre ich einer von mehreren Direktoren gewesen“, sagt Steidten: „Ich wollte die Gesamtverantwortung haben. Wollte selbst schalten und walten.“ Das darf er bei West Ham. Die Situation war dennoch nicht einfach. Der walisische Besitzer David Sullivan (75) war gewohnt, über Transfers zu entscheiden. Teammanager Moyes, mit 60 der aktuell älteste Liga-Coach, ebenso. Und dann kam Steidten hinzu als erster Technischer Direktor der Club-Geschichte. „Das war für alle drei eine krasse Umstellung“, sagt Steidten.

Die Medien sprachen gar von einem Machtkampf. Manche glaubten, Moyes oder der Deutsche würde gehen müssen. Doch Steidten hat sich letztlich bei der Transferstrategie durchgesetzt. „David Moyes hat – glaube ich – durch meine Transfers gemerkt, dass meine Arbeit Hand und Fuß hat“, sagt Steidten: „Umgekehrt habe ich in den Monaten mit ihm unfassbar viel von ihm gelernt, was Sichtweisen auf den Fußball angeht.“

Langfristiges Projekt

Sein Ruf auf der Insel ist sehr gut, zuletzt sollen Newcastle United und der FC Liverpool um ihn gebuhlt haben. Doch Steidten hat bei West Ham bewusst einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. „Eine Kader-Umstrukturierung ist immer ein Vier- bis Fünfjahresprojekt“, sagt er.

In der Europa League traf er schon insgesamt viermal auf Freiburg, im Viertelfinale am 11. und 18. April ist ausgerechnet Ex-Club Bayer der Gegner. „Bei der Auslosung habe ich gedacht: Bitte nur nicht Leverkusen und nicht Liverpool“, sagt er: „Die beiden hätte ich lieber erst im Endspiel getroffen.“ Auf das Wiedersehen freut er sich dennoch. Und grämt sich nicht, dass er angesichts der grandiosen Bayer-Saison mit drei möglichen Titeln vielleicht ein Jahr zu früh gegangen sei. „Überhaupt nicht“, versichert er: „Ich bin stolz darauf, dass ich einen Teil zu dem beitragen konnte, was da gerade passiert.“

Bayer geprägt

In Leverkusen war er zwischen 2019 und 2023 zunächst als Leiter der Scouting-Abteilung und dann Manager Sport unter anderem an den Transfers von Florian Wirtz, Edmond Tapsoba, Robert Andrich oder Jeremie Frimpong maßgeblich beteiligt. Die aktuelle Bayer-Mannschaft sieht er gegen West Ham als Favorit an. „Wir werden alles reinhauen, und in zwei Spielen kann viel passieren. Aber wenn man den Kader betrachtet, sind sie uns einfach noch voraus“, sagt er: „Wir haben dort schließlich auch vier Jahre gebraucht, um diesen Kader aufzubauen.“

In die Bundesliga zieht es ihn aktuell nicht zurück, „aber langfristig und wenn es irgendwann passt, ist sie natürlich immer interessant“, sagt er: „Ich war 18 Jahre bei Werder und hätte dort wahrscheinlich auch länger arbeiten können. Aber ich wollte auch noch etwas anderes erleben und mir nie sagen müssen: Hätte ich das mal gemacht.“ Die Zeit in Bremen und Leverkusen sei dennoch schön gewesen, „aber das, was ich in England erlebe, tut mir gerade in meiner Entwicklung sehr gut.“

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion
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