Oldenburg - Ein dramatisches Pokal-Aus im Elfmeterschießen verdauen, zwei weitere Ausfälle verkraften, die körperlichen Wunden lecken und die Köpfe wieder hochbekommen: Chefcoach Fuat Kilic und sein Trainerteam mussten am Donnerstag und Freitag vor allem mentale Arbeit beim VfB Oldenburg leisten. Das bittere 3:6 nach Elfmeterschießen in der ersten Runde des Niedersachsenpokals gegen Kickers Emden ist noch omnipräsent, da geht es bereits an diesem Samstag (15 Uhr) bei Phönix Lübeck darum, die ersten Auswärtspunkte der Saison in der Regionalliga einzufahren.
Viele Verletzungen
„Wir müssen die bittere Pille schlucken. Jetzt müssen wir schnellstmöglich regenerieren“, sagte Kilic unmittelbar nach 0:2-, 3:2-, 3:3- und dann 3:6-Drama gegen Kickers und sprach damit indirekt ein Problem an, das im August auch Sportleiter und Kaderplaner Sebastian Schachten unmittelbar betrifft. Nach Drilon Demaj (Sehnenreizung, Rückkehr offen) und Nick Otto (Fußbruch) haben sich gegen Teutonia Ottensen auch Nico Mai (Muskelbündelriss Oberschenkel) sowie gegen Emden Linus Schäfer (Oberschenkel) verletzt und fallen aus. Da Marc Schröder und Jason Tomety-Hemazro angeschlagen sind und Rafael Brand gegen Emden völlig entkräftet ausgewechselt werden musste, geht der VfB schon vor dem dritten Liga-Spiel personell am Stock.
Zu allem Überfluss wurde die Partie im Lübecker Buniamshof auf Wunsch der Polizei von Sonntag auf Samstag vorverlegt, die Oldenburger Regenerationszeit so verringert. Das Spiel findet nun nahezu parallel zum Heimspiel des VfB Lübeck an der Lohmühle gegen den Hamburger SV II (16 Uhr) statt. Die Fans des VfB Lübeck und der Oldenburger gelten als nicht gerade freundschaftlich verbunden, durch die Ansetzungen sollen Zusammentreffen weitestgehend vermieden werden.
Druck in Kadersituation
„Momentan läuft bei der Personalsituation viel gegen uns. Wir haben längerfristige Ausfälle zu beklagen, das macht es nicht leichter. Klar ist, dass wir in der Breite nicht so gut aufgestellt sind“, sagt Kilic sicherlich in dem Wissen, dass das Sommer-Transferfenster noch bis Ende August geöffnet hat. Allerdings hatte der VfB für diese Saison ganz klar den Plan kommuniziert, weniger Geld in den Spieleretat und mehr in die Strukturen stecken zu wollen – und steht nun vor dem Problem: Jede Nachverpflichtung als Reaktion auf die Verletzungen macht das Aufgebot teurer als geplant. Ein „Weiter so“ und darauf hoffen, dass die verletzten und angeschlagenen Spieler schnell zurückkommen, kommt gleichwohl ziemlich riskant daher. Dass Sportleiter Schachten die Augen offen hält, ist indes kein Geheimnis.
Ex-Lübecker treffen
Zwei gute Nachrichten gab es dann aber doch an einem Abend im Marschwegstadion, der dazu führte, dass der VfB frühestens 15 Jahre nach seiner letzten Teilnahme am DFB-Pokal (2011; 1:2 gegen Hamburger SV) in dem finanziell so lukrativen Wettbewerb wieder antreten könnte. Diese haben unmittelbar mit dem Gegner und Überraschungsdritten der vergangenen Saison zu tun. Vjekoslav Taritas (85. Minute) und Julian Meier (90.) erzielten jeweils ihr erstes Pflichtspieltor für den VfB, nachdem sie im Sommer von der Trave an die Hunte gewechselt waren. Während Taritas (zwei Vorlagen gegen Ottensen, Tor gegen Emden) bereits frühzeitig seinen Startelf-Platz gefunden hat, kämpft Meier noch um seine Chance von Beginn an.
Phönix vermisste derweil die Offensivqualitäten beider Jetzt-VfBer in seinem einzigen Saisonspiel, das mit 0:2 bei BW Lohne verloren ging. Übrigens: Der nächste Gegner der Lübecker heißt Borussia Dortmund. In der ersten Runde des DFB-Pokals trifft der Verein im Hamburger Volksparkstadion auf den diesjährigen Champions-League-Finalisten. Verkauft sind bereits mehr als 46 000 Tickets – damit winken Phönix Einnahmen, auf die der VfB seit 2011 wartet.