Mehr Geld in Strukturen, weniger Geld im Spieleretat – das ist die Botschaft, die die beiden Strippenzieher vor dem ersten VfB-Heimspiel der Saison an diesem Samstag gegen Teutonia Ottensen senden. Bei der Ausrichtung spielt das neue Stadion eine große Rolle.
Herr Schachten, der VfB ist mit einem 0:2 bei Eintracht Norderstedt in die Saison gestartet. Das dürfte Ihnen bekannt vorkommen, speziell auf fremdem Platz hatte Ihr Team auch in der Vorsaison Probleme.
SchachtenWir haben auswärts viele Punkte liegen lassen. Es gibt in dieser Liga keine einfachen Gegner und das Spiel in Norderstedt hat erneut gezeigt, dass wir immer an unsere Grenze gehen müssen, um erfolgreich zu sein.
Herr Weinberg, der VfB hat einen Umbruch im Sommer hinter sich gebracht. Gestandene Spieler sind gegangen, jüngere Spieler gekommen. Wirkt sich das zweite Regionalliga-Jahr nach dem Abstieg aus der 3. Liga negativ auf den Etat aus?
WeinbergNein. Wir werden den Gesamtetat von der letzten Saison beibehalten, aber anders verteilen.
Inwiefern?
WeinbergWir haben einen klaren Plan für die nächsten Jahre: Unsere Strukturen müssen wachsen. Die Euphorie, die der Bau des neuen Stadions in Oldenburg auslöst, ist nach wie vor riesig. Ich führe seit dem Ja im Stadtrat täglich Gespräche mit Sponsoren, mit der Stadt oder mit Gesellschaftern. Wir haben eine klare Perspektive – das ist das neue Stadion mit der Möglichkeit auf Profifußball in Oldenburg.
Woran arbeiten Sie gerade?
WeinbergIch bezeichne uns aktuell als ein Start-up mit Tradition. Wir sind noch recht klein, aber wir können in den nächsten drei Jahren bis zur geplanten Fertigstellung des Stadions wachsen. Wir haben mit Christoph Johanning-Möllerhaus einen neuen Mann für Marketing und Vertrieb eingestellt, weil wir in personelle und professionelle Strukturen investieren müssen. Dazu gehört auch, dass wir unser personell noch breiter aufstellen.
SchachtenWir sind in der 3. Liga strukturell an unsere Grenzen gestoßen, das wurde sehr deutlich. Wir haben jetzt, um ein Beispiel zu nennen, erstmals einen hauptamtlichen Torwart- und einen Athletiktrainer eingestellt.
WeinbergIch betone es nochmal: Uns geht es in dieser Saison nicht allein um den sportlichen Erfolg, sondern darum, gesund zu wachsen und die Strukturen im VfB nachhaltig zu verbessern.
Aber das muss beim Sportleiter Kopfzerbrechen auslösen?
SchachtenNein, ich trage das voll mit, so wie wir alle. Das ist unser aller Herzensprojekt – das ist auf lange Sicht der richtige Weg. Ja, auf diesem Weg wird es mal holpern, wie jetzt in Norderstedt. Das ist uns durchaus bewusst, zumal wir nicht jede Position im Kader doppelt besetzt haben.
Kann sich der VfB eine Saison im Mittelfeld leisten oder sollten die Ziele nicht offensiver formuliert sein?
WeinbergWir werden uns nicht an einem Tabellenplatz messen lassen. Wir wollen attraktiven und natürlich auch erfolgreichen Fußball spielen. Der Wunsch ist da, oben mitzuspielen. Aber wir benennen kein konkretes Ziel.
SchachtenWir wollen sehen, dass die Jungs sich auf dem Platz zerreißen. Das honorieren auch unsere Fans. Was mir aber wichtig ist: Wir haben uns dennoch gut verstärkt.
In der aktuellen Kicker-Umfrage nennen 12 von 18 Trainern den VfB als Titelanwärter.
Schachten Das sind Trainer, die sich mit den Kadern genau beschäftigen. Von daher ist das eine gute Bestätigung für unseren Weg. Klar ist aber auch: Die neuen Spieler müssen sich erstmal finden. Und sie sind von der Altersstruktur noch keine fertigen Spieler. Wir wollen und werden sie entwickeln. Das wird eine gewisse Zeit dauern.
Gerade in der Offensive wünschen sich viele Fans einen Torjäger. Im Mittelfeld fällt Nick Otto mit einem Fußbruch lange aus. Sind weitere Transfers dennoch ausgeschlossen?
SchachtenGrundsätzlich sehen wir uns gut aufgestellt. Mit Markus Ziereis haben wir einen erfahrenen Mittelstürmer, der in der Box enorm abschlussstark ist. Seine Stärken müssen wir besser nutzen. Darüber hinaus haben wird den Markt im Blick, unabhängig von der Position. Das ist unser Job. Dass der Trainer gern noch mehr Spieler hätte, ist verständlich. Hätte ich auch gern (lacht). Noch ist der Transfermarkt ja offen.
Beim Thema Unterbau – zweite Mannschaft, Jugendbereich – gibt es großen Nachholbedarf. Wie sieht es dort aus?
SchachtenDurch die Wiedereingliederung des Leistungsfußballs im Jugendbereich haben wir im vergangenen Jahr einen wichtigen Schritt gemacht. Die Weiterentwicklung betrifft nicht nur die erste Mannschaft, sondern den gesamten VfB.
WeinbergWir führen viele Gespräche rund um den Jugendbereich. Ob mit Sportvorstand Andreas Boll oder mit Thomas Schaaf, der uns mit seiner Expertise da sehr unterstützt und weiterhilft. Wir wollen und werden den Verein breiter aufstellen.
Aktuell müssen Talente, die den Sprung noch nicht schaffen, aber einen Umweg gehen, der heißt dann Ausleihe?
SchachtenGenau, zum Beispiel arbeiten wir mit dem VfL Oldenburg sehr gut zusammen. Ermal Pepshi ist da ein Beispiel, der in der Oberliga gut gespielt hat und jetzt wieder bei uns ist.
Wie lange darf so ein Wachstumsprozess bezogen auf die gehobenen Ansprüche in der Regionalliga Nord andauern?
WeinbergWir haben uns intern klare Ziele erarbeitet. Ende 2027, wenn das neue Stadion fertiggestellt sein soll, wollen wir als VfB so aufgestellt sein, dass wir eine Liga höher spielen könnten – und nicht wieder an Grenzen stoßen.