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nordwest-zeitung

Classic Motorshow Cloppenburger zeigt Italo-Rennräder in Bremen

Kurz vor dem Verladen: Unter anderem diese klassischen Rennräder stellt Wolfgang Hagemann von Freitag bis Sonntag bei der Bremen Classic Motorshow aus.

Kurz vor dem Verladen: Unter anderem diese klassischen Rennräder stellt Wolfgang Hagemann von Freitag bis Sonntag bei der Bremen Classic Motorshow aus.

Carsten Mensing

Cloppenburg/Bremen - Dass der Mann für seine Leidenschaft richtig brennt, das merkt man schon nach wenigen Minuten, wenn Wolfgang Hagemann über klassische Rennräder spricht. Der Cloppenburger hat eine 60 Rennräder und 40 Rahmen umfassende Sammlung, die offenbar so außergewöhnlich ist, dass er bereits zum fünften Mal eine kleine Auswahl seiner Schätze bei der Bremen Classic Motorshow zeigt. Zu der dreitägigen Veranstaltung in den Messehallen beim Bahnhof werden von Freitag, 2. Februar, bis Sonntag, 4. Februar, jeweils von 9 bis 18 Uhr wieder einmal mehr als 45 000 Besucher erwartet. Mehr als 700 Aussteller präsentieren alles um die Themen historische Autos, Motorräder und Fahrräder.

Räder verladen

Donnerstag, 10 Uhr: Hagemann schiebt vorsichtig seine Rennräder auf den Hof, wo sie gleich in seinen Anhänger verladen werden sollen. Seine Auswahl trifft er immer nach einem ganz bestimmten Thema: Bei der Premiere 2018 lautete es beispielsweise „die Entwicklung der Gangschaltung“, diesmal „Bianchi“. Das italienische Traditionsunternehmen ist die älteste noch existierende Fahrradmarke der Welt, im kommenden Jahr feiert sie ihr 140-jähriges Bestehen. „Das passt ganz gut, weil im Pkw-Bereich Lancia diesmal eine Sonderausstellung bekommt“, erklärt der 61-Jährige.

Vier Bianchi-Räder aus sechs Jahrzehnten nimmt Hagemann mit in die Hansestadt, dazu kommen noch drei andere Exemplare, die dem Design- und Werbetechniker besonders am Herzen liegen. Er – so Hagemann – sei ein richtiger „Italiener-Fan“, wenn es um Rennräder gehe. Rund 90 Prozent seiner Sammlung bestünden daraus.

Diesmal bekommt der gelernte Heizungsbauer wieder seinen angestammten Messestand oben auf der Empore des Messe-Eingangsbereichs. „Im vergangenen Jahr habe ich einen größeren und noch schöneren Stand gehabt. Der befand sich allerdings hinter einer großen roten Wand, sodass mich die Leute kaum gefunden haben.“

Als die Macher kamen

Doch wie kommt nun ein Cloppenburger dazu, in Bremen klassische Rennräder auszustellen? Ganz einfach oder doch nicht: 2018 habe sich das siebenköpfige Macherteam der Bremen Classic Motoshow überlegt, abseits der treuen Stammbesucher-Szene neue Gästeschichten anzusprechen, so Hagemann. Schnell sei man darauf gekommen, dass das Rennradfahren unter jungen Leuten in der Großstadt absolut en vogue sei. Und so machte man sich ans Internet und stieß schnell auf einige Presseveröffentlichungen über Wolfgang Hagemann. „Und eigentlich sollte ich zunächst nur einen Vortrag vor VIPs halten.“

Dazu kam es aber nicht. Denn eine Abordnung aus Bremen hatte sich auf nach Cloppenburg gemacht, um zu schauen, ob dieser Wolfgang Hagemann denn überhaupt in der Lage sei, vor Leuten wie der Rallye-Legende Walter Röhrl zu sprechen.

Rennrad-Laien begeistert

Als die Bremer seine Rennrad-Sammlung gesehen hatten, habe es nur geheißen: „Wir brauchen einen Fotografen.“ Und aus dem Vortrags- wurde ein Ausstellungsangebot. Die drei Tage in Bremen seien einerseits anstrengend, deswegen gehe es abends auch ins Hotel und nicht nach Hause. Andererseits gebe die Messe ihm – so Hagemann – aber auch jede Menge. „Mit einigen Leuten, die ich auf meinem Messestand kennengelernt habe, bin ich inzwischen sogar befreundet.“ Es treibe ihn an, vor allem auch Rennrad-Laien für das Design, die Handwerkskunst und die sichtbare Technik zu begeistern. Allesamt Faktoren, die auch Hagemann ab 2002 zum Rennrad-Sammler werden ließen. „Der frühere Haustechniker von Kalkhoff, Otto Heyer, hatte mir seinerzeit ein Kalkhoff-Rennrad geschenkt, das jahrelang im Schuppen stand“, erinnert sich Hagemann. Und so ging’s los.

Zurück noch einmal zum ersten Messe-Thema: Anhand seiner Ausstellungsstücke erklärte Hagemann seinerzeit die Entwicklung der Gangschaltung von den 1930er- bis in die 1980er-Jahre, von der Vittoria Margherita bis zur Campagnolo Super Rekord. Klingt nach einem trockenen Spezialthema für Freaks, muss aber wohl auch für die breite Masse interessant gewesen sein. Ein Pärchen, das zufällig vorbeikam, habe zunächst nur schauen und keine Erklärungen haben wollen. „Daraus wurden dann knapp zwei Stunden, an deren Ende knapp 60 Leute zuhörten und Beifall spendeten“, erinnert sich Hagemann. Und genau das sei der Grund, warum es immer wieder nach Bremen gehe. „Ich möchte das gerne noch ein paar Jahre machen.“

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland
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