Herr Wolf, warum haben Sie sich auf die Stelle als Beauftragter für die saterfriesische Sprache beworben?
WolfKleine Sprachen haben mich schon immer interessiert. Ich spreche selbst Westfriesisch, das dem Saterfriesischen nicht unähnlich ist. Zudem kenne ich das Saterland sehr gut. Als ich zwischen 20 und 30 Jahre alt war, war ich in einer internationalen Jugendorganisation, die sich mit Kleinsprachen beschäftigt hat. Mit dieser Organisation bin ich auch des Öfteren im Saterland gewesen. In dieser Zeit habe ich einige Leute in meinem Alter kennengelernt, die sich für die saterfriesische Sprache eingesetzt haben. Eine gewisse Verbindung zum Saterland war daher schon immer da.
Außerdem bin ich seit fast 20 Jahren Dozent für Sprachwissenschaft und habe schon länger darüber nachgedacht, vielleicht etwas anderes machen zu wollen. Als sich die Möglichkeit mit der Stelle als Saterfriesisch-Beauftragter aufgetan hat, habe ich mich beworben. Es freut mich, dass ich ausgewählt wurde.
Können Sie Saterfriesisch sprechen?
WolfVerstehen war nie ein Problem. Als ich mit der Jugendorganisation im Saterland war, haben wir, wenn möglich, Westfriesisch und die Saterländer Saterfriesisch gesprochen. Und die paar Wörter, die man dann nicht verstanden hat, die hat man innerhalb von kurzer Zeit gelernt. Inzwischen übe ich auch, Saterfriesisch zu sprechen. Das klappt schon ein bisschen. Ich werde mir aber Mühe geben, wenn ich meine Stelle angetreten habe, so viel Saterfriesisch wie möglich zu sprechen.
Henk Wolf ist 47 Jahre alt und wohnt in der Nähe von Groningen. Er hat Sprachwissenschaften studiert und ist seit mehr als 20 Jahren Dozent. Derzeit lehrt er an der Universität in Groningen sowie an der NHL Stenden Hochschule in Leeuwarden. Henk Wolf tritt am 16. November die Stelle als wissenschaftlicher Beauftragter für die saterfriesische Sprache an, die von der Oldenburgischen Landschaft ausgeschrieben wurde. Dienstsitz ist die Gemeinde Saterland. Zu seinen Aufgaben werden unter anderem die Koordinierung und die fachliche Unterstützung der Aktivitäten rund um die saterfriesische Sprache gehören.
Woran haben Sie als Sprachwissenschaftler bislang geforscht?
WolfIch habe viel geforscht, was Syntax, den Satzbau, anbetrifft, also wie die germanischen Sprachen aufgebaut sind. Daneben habe ich auch sozio-linguistische Forschung betrieben. Das bedeutet, wie die Menschen mit Sprachen umgehen. Darüber hinaus lehre ich auch in diesem Themenbereich. Ich bin Dozent für Sprachwissenschaft an der Universität in Groningen und an der NHL Stenden Hochschule in Leeuwarden.
Was sagen Sie zu der Aussage, dass das Saterfriesische eine aussterbende Sprache ist?
WolfDas sieht natürlich bei einer Sprache, die nur noch 1000 bis 2000 Sprecher hat, so aus. Vor allem wenn es ältere Leute sind, die die Sprache noch sprechen. Es wird daher wohl auch ein Teil meiner Aufgaben sein, dieses „Sterben“ hinauszuzögern. Das gelingt vielleicht, wenn man den Kindern Saterfriesisch beibringen kann. Ein neues Forschungsfeld sind zudem die „New Speakers“ – die Leute, die neu zu einer Sprachgemeinschaft hinzukommen. Das ist eine weitere Möglichkeit, eine Sprache zu stärken.
Haben Sie schon Ideen für ihre künftige Arbeit?
WolfJa, die habe ich schon. Aber zunächst möchte ich mit den Saterländern sprechen, was sie eigentlich wollen. Ich möchte ihnen nicht meine Ideen aufdrücken. Diese sollen aus der Gemeinschaft kommen.
Ziehen Sie für ihre neue Funktion als Saterfriesisch-Beauftragter ins Saterland?
WolfDas hängt ein bisschen von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Zurzeit weiß man leider nie, wie die Welt in ein paar Wochen aussieht. Ich hoffe, dass es für mich möglich sein wird, viel im Saterland zu sein.
Aber es kann auch sein, dass es wegen der Corona-Pandemie zu einer Verzögerung kommt und ich dann zunächst viel online machen muss.
Haben Sie bereits einen Lieblingsort im Saterland?
WolfFür mich persönlich ist das derzeit der Hollener See. Dort haben wir früher gezeltet und ich habe noch immer gute Erinnerungen an den Platz. Ich möchte aber das Saterland noch ausgiebig erkunden, nachdem ich meine Stelle angetreten habe.
