Emden - Ihr Badezimmer betritt sie nur noch mit FFP2-Schutzmaske. Der Grund: Hartnäckiger schwarzer Schimmel an der Wand zwischen Badezimmer und Küche. So wie einer Erdgeschossbewohnerin in dem Mehrparteienhaus in der Eduard-Mörike-Straße 12 im Emder Stadtteil Barenburg geht es auch den anderen zwölf Bewohnern. Die Wohnungen sind feucht, verschimmelt, in manchen Fällen offenbar gefährlich. Diese Redaktion hat sechs der acht Wohnungen besichtigen und sich ein eigenes Bild der verheerenden Zustände machen können.
Herd in feuchter Küche bleibt kalt
In der zweiten Erdgeschosswohnung gegenüber der Wohnung mit dem Schimmel-Bad führt ein dickes Verlängerungskabel vom Bad in die Küche, über das Küchengeräte mit Strom versorgt werden. Die eigenen Küchensteckdosen nutzt die sechsköpfige Familie wegen des Schimmelbefalls nicht mehr. Genauso wenig wie ihren Herd. Zu groß ist ihnen die Kurzschluss- und Brandgefahr. Zumal der Sicherungskasten im Treppenhaus des Mehrparteienhauses auch keinen vertrauenerweckenden Eindruck macht. Mehrere Sicherungen fehlen. Es sind Bilder, die sich durch die ganze Besichtigung des Hauses ziehen. In allen Wohnungen sitzen Feuchtigkeit und Schimmel, es riecht mehr oder weniger modrig. Die Sichtbarkeit des Schimmels ist abhängig davon, wie oft die Bewohner drüber streichen. Ein Familienvater erzählt, dass er fast täglich in seinem Bad stehe, um Flecken zu entfernen, Farbe und Spachtelmasse aufzutragen. Dauerhafte Erfolge gebe es nicht. Im Keller sollen Ratten leben.
Dabei sei es nicht so, dass nicht hin und wieder etwas geschehe, erzählt Ingrid Utikal. Sie wohnt seit Ende der 1969er Jahre in dem Mehrparteienhaus, das einst im Zuge der „Neuen Heimat“-Wohnungsbauoffensive in Emden entstand. Ihre Mutter zog damals dort ein, Utikal als Kind kam mit. Inzwischen bewohnt Utikal eine eigene Wohnung in dem Haus, gegenüber von ihrer Mutter. In der Wohnung sei ein Handwerksbetrieb, den die Hausverwaltung, die Zentral Boden Vermietung und Verwaltung GmbH (ZBVV) aus Erlangen, beauftragt habe, im Juli gewesen, um der Schimmelproblematik auf den Grund zu gehen. Eine Wand im Bad wurde aufgestemmt, ein defektes Leitungsrohr gefunden. Eine zweite Firma tauschte das defekte Stück aus – einen Auftrag, die Wand wieder zuzumauern, gab es aber nicht. Seit einem halben Jahr kann Utikal nun im Bad ihrer Mutter auf das ausgetauschte Rohr blicken.
Mieterberatung und Anwälte machtlos
Die Mieterberatung Barenburg wurde inzwischen eingeschaltet. Auch sie nahm Kontakt zur ZBVV auf, auch weil dem Mutterunternehmen der ZBVV, der ZBI, der „Zentral Boden Immobilien Gruppe“, das Haus gehört. Mit eigenen Schreiben, mit Schreiben von Anwälten, mit Telefonanrufen haben Mieter und Mieterberatung versucht, die ZBVV auf den Zustand aufmerksam zu machen. Ergebnislos. Der erste Schriftverkehr, der dieser Redaktion vorliegt, datiert vom 26. Mai 2023.
Das sagt die Hausverwaltung ZBVV
Die ZBVV teilt gegenüber dieser Redaktion mit, dass ihr die Schimmelbildung in diesem Objekt bekannt sei. Der Hausmeister stünde mit den Mietern in regelmäßigem Austausch, sodass „in Abstimmung mit der Verwaltung geeignete Maßnahmen eingeleitet werden konnten“, teilt ein Unternehmenssprecher mit.
Konkrete Mängel wie der abgeschaltete Herd oder das offene Abwasserrohr seien dem Unternehmen nicht bekannt. Die Mieter sollten sich mit diesen Mängeln an die Verwaltung wenden.
Über solche Aussagen kann Ingrid Utikal nur den Kopf schütteln – und auf ihren Schriftverkehr verweisen. An fehlenden Schadensmeldungen kam es dem Schriftverkehr zufolge nicht liegen.