Navigation überspringen
nordwest-zeitung

Neben dem Deichbau Experten sehen großes Entwicklungspotenzial für Bensersiel

Trotz einer Deicherhöhung an bestehender Stelle im Nordseeheilbad Bensersiel sollen alle Ortsbereiche für Touristen und Einheimische besser erreichbar werden. Das ist eins der Kernpunkte in der Machbarkeitsstudie.

Trotz einer Deicherhöhung an bestehender Stelle im Nordseeheilbad Bensersiel sollen alle Ortsbereiche für Touristen und Einheimische besser erreichbar werden. Das ist eins der Kernpunkte in der Machbarkeitsstudie.

Detlef Kiesé

Bensersiel - Der Vorstand des Kurvereins Esens-Bensersiel und Umgebung spricht sich für die sogenannte große Lösung beim Küstenschutz in Bensersiel aus. „Die jetzige Infrastruktur im Deichvorland kann unmöglich den Klimaveränderungen in den nächsten 50 Jahren standhalten“, erklärte Vorsitzender Hermann Kettwich im zweiten Bürgerforum. Mit dem Neubau eines Deiches im nördlichen Hafenbereich rücke der Hafen in den Mittelpunkt des Ortes, in dem sich manche Entwicklungsmöglichkeiten böten.

Gutachter, die ein Gesamtkonzept für den künftigen zukunftsfähigen Erlebnisraum Bensersiel erarbeiten sollten, sprachen sich nah einer Abwägung sämtlicher Argumente indes klar für die kurzfristig erforderliche Erhöhung des Bestandsdeiches aus und zeigten wesentliche Entwicklungspotenziale mit exemplarischen Maßnahmen auf. Die Erhöhung um einen bis 1,5 Meter sei baulich machbar, es handele sich allerdings um eine Maßnahme ohne langfristigen Bestand. „In der zeitlichen Perspektive der nächsten 100 Jahre ist der Vordeich für die Ortsentwicklung wegen des steigenden Meeresspiegels das geeignete Mittel“, sagte Diplomingenieur Martin Steinbrenner (SWUP Berlin).

Ideen für neue Verkehrsströme

Am Deichfuß werden in der auf 20 Jahre ausgelegten Machbarkeitsstudie durch die Erhöhung keine großen räumlichen Einschränkungen erwartet. Westlich des Bensersieler Ortskerns ist ein neues Deichschart oder eine Deichüberfahrung zum außendeichs liegenden Familiencampingplatz vorgesehen. Dafür werden die beiden bestehenden Deichdurchlässe im Ortszentrum durch Fußgänger-/Fahrradtunnel ersetzt. Die markanten Deichbrücken könnten ohne Funktion als Wahrzeichen erhalten bleiben.

Als übergeordnetes Kernthema hatten Detlef Jarosch (M Project Hamburg), Diplomingenieur Alexander Reichert (Planersocietät Dortmund) und Diplomingenieur Martin Steinbrenner (SWUP Berlin) die ganzjährige aktive Entschleunigung ausgemacht, das Familienangebote, den Strand sowie Natur und Erholung in den Mittelpunkt stellt. Damit sollen die touristische Nachfrage gesteigert, das Bettenangebot stabilisiert und die Qualität gesteigert sowie der Erlebnisraum räumlich und konzeptionell verknüpft werden.

Als wichtig, so Reichert, sieht man die Verlegung des Individualverkehrs und die Konzentration der Parkplätze – auch die für die Langeoog-Reisenden – hinter der Deichlinie; auch eine kompakte Parkpalette sei anzudenken. „Das Deichvorland gehört der Nahmobilität wie Fahrräder.“ Nur notwendige Fahrzeuge solle den Deich passieren dürfen. Der Verkehr zum Campingplatz nördlich der westlichen Deichlinie sowie der der Tagesgäste müsse über die Ortsumfahrung und nicht mehr durch den Ort geführt werden. Dadurch resultiert die Möglichkeit, das große Naturschutzgebiet im Osten aus seinem Schattendasein zu holen und für Gäste erlebbar zu machen – zum Beispiel mithilfe einer Steganlage. Und die bisherige Hauptstraße könne zur verkehrsberuhigten Flaniermeile mit höherer Aufenthaltsqualität werden.

Einwohner sollen mitreden

Die Ingenieure stellten in ihrer Studie fest, dass das Hafenbecken und der Hauptdeich Ortsbereiche zu stark trennen. Deshalb schlagen sie als Verbindungen eine Brücke über das Hafenbecken sowie Tunnel für Radfahrer und Fußgänger an den Stellen der beiden Deichcharts vor, die im Zuge des Küstenschutzes für den Autoverkehr geschlossen werden müssen. Wichtig war den Experten, die Meinung der Bürger hinsichtlich einer künftigen Ausgestaltung des Sielortes und der Positionierung einzelner Bestandteile im Kernbereich zu hören. So baten sie die Anwesenden in einer Workshop-Runde „Bensersiel 2030+“ an Arbeitstische, um dort zu diskutierten die Anwesenden dazu selbst an Arbeitstischen. Punkte waren hier auch Kunst und Aussichtspunkte, Erlebnisbereiche am Wasser und vor allem eine tideunabhängige Badeeinrichtung.

Die Grobkosten für Küstenschutzverbesserung und Weiterentwicklung des Ortes zusammen schätzten die Fachleute bei der favorisierten Variante Erhöhung des Bestandsdeichs auf 81 Millionen Euro innerhalb von zehn bis zwölf Jahren; beim Deichneubau wären es 134,4 Millionen Euro.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
Themen