Oldenburg - Hannes Flade ist ein hervorragender Koch – und auch sportlich läuft’s gern mal super, wenn der Oldenburger für den DFB am Herd steht und vollwertig die besten Fußballerinnen und Fußballer Deutschlands verwöhnt: Mit der Männer-Nationalmannschaft hat er 2014 in Brasilien die WM gewonnen, mit der Frauen-Nationalmannschaft 2016 bei Olympia Gold geholt. Besser geht’s nicht.
Was gibt’s vorm Spiel?
Der 33-Jährige, der seit 17 Jahren in renommierten Restaurants in Deutschland, in San Francisco, auch in Sydney gekocht hat und heute mit Neele Müller, die aus Oldenburg stammt, am Steinweg das „Orto“ führt, ist gerade zurück in Australien. Er bekocht im „Mercure Kooindah Waters“ in Wyong am Südpazifik die deutschen Fußball-Frauen. Seit acht Jahren holt der DFB ihn für solche Einsätze, auch für die großen Turniere der U-Mannschaften. Jetzt ist er wieder dabei – und kocht und backt, was gut schmeckt und gut tut. Möglichst bis zum 20. August, beim Finale in Sydney. Aber das ist noch ein weiter Weg, auch für den Koch.
Und was serviert der gebürtige Unterfranke aus Bad Brückenau mit Herd-Partner André Göldner den Frauen an diesem Donnerstag vor dem wegweisenden Spiel gegen Südkorea? Hannes Flade sagt: „Vor den Spielen pflegen wir Rituale. An dem Tag gibt’s beim Büfett immer die gleiche Konstellation – Porridge gehört dazu, Pasta mit Tomatensoße, ich backe Bananenbrot, wir machen auch eine Art Pfannkuchen. Rohkost wäre da nicht das Richtige, eher Schonkost. Die Spielerinnen essen dreieinhalb Stunden vor dem Spiel.“
Popp möchte Grießbrei
Und Sonderwünsche? Der Koch, der alles auf den Trainingsplan der Bundestrainerin abstimmt, sagt: „Natürlich fragen wir auch nach Wünschen. Ich frage ’rein: Hey, auf was habt ihr Lust. Wir kennen die Mädels schon ziemlich lange und ziemlich gut. Pasta ist immer noch die Nummer 1 bei Sportlern. Alle mögen einfache Sachen.“ Die Köche machen dann „zum Beispiel Fischstäbchen, aber natürlich hausgemacht, mit Kartoffelbrei“. Als Alexandra Popp mal Lust auf einen Grießbrei hatte, gab’s auch den. Flade sagt: „Weil es hier kein Grieß gibt und man auch nichts einführen darf, auch keine trockenen Sachen, haben wir dann eben mit Dinkel und Semolina improvisiert.“ Beliebt ist auch, „wenn man sich am Büfett eine Tortilla oder eine Bowl selbst zusammenbauen kann“.
Und wie sieht so ein WM-Tag für einen Weltmeisterschafts-Koch aus? Hannes Flade sagt: „Um 6.45 Uhr schiebe ich die Sauerteig-Brötchen in den Ofen und backe Sauerteig-Brot, um 7.30 Uhr beginnt das Frühstück.“ Abendessen gibt’s um 19 Uhr. Das Küchen-Team, das um ein paar Mitarbeiter der Hotelküche verstärkt wird, ist für alle Mahlzeiten zuständig. An Spieltagen geht der Schlussakkord mindestens Richtung Mitternacht. Danach machen die Köche das Licht aus.
„Ziel im Auge“
Nach der unglücklichen Niederlage gegen Kolumbien und vor dem Gruppen-Finale am Donnerstag in Brisbane (Anpfiff 12 Uhr deutscher Zeit – in Brisbane ist es dann 20 Uhr) herrschen Konzentration, Gelassenheit und Zuversicht. Hannes Flade sagt: „Ich sehe die Spielerinnen am Büfett. Aus meiner Sicht ist die Stimmung gut, alle sind fokussiert und jede sehr bei sich, mit dem Ziel im Auge. Hier läuft keine bedröppelt rum, weil man das letzte Spiel verloren hat.“
Und was macht so ein Küchenteam, wenn die Frauen um den Sieg kämpfen? Einen Fernseher in der Küche brauchen Flade und Göldner während des Spiels der eigenen Mannschaft nicht. Dann fiebern sie vor Ort mit: „Wir versuchen ins Stadion zu kommen, das schaffen wir auch meistens, wenigstens einer, wir sorgen ja auch dort noch für die Verpflegung mit Snacks“, sagt Flade. Und wie es am Donnerstag ausgeht, ist hoffentlich eine einfache Rechnung: Deutschland ist die Nummer 2 in der FIFA-Frauen-Weltrangliste, Südkorea liegt an Stelle 17 – und Hannes Flade und André Göldner stehen am Herd. Sollte klappen.
Flade hat mit Partnerin Neele Müller sicherheitshalber mal bis zum 20. August Betriebsferien im „Orto“. Dann geht es weiter in diesem ganz speziellen Bistro mit Bäckerei, mit kleinen Gerichten, Sauerteigbrot und Naturweinen. Der Koch sagt: „Wir machen das, was wir auch selbst leben, und alles in der besten Qualität, die wir uns nur irgendwie vorstellen können.“ Damit kann man weit kommen. Manchmal bis ins Endspiel.