Bremen - Wenn Katharina Saathoff die letzten 16 Monate Revue passieren lässt, fällt ihr nur ein Wort ein: „Wild.“ Denn die aus Jheringsfehn stammende Läuferin, deren Karriere einst beim Ossiloop begann, hat seit Juli des vergangenen Jahres einiges mitgemacht. Sturz bei der Deutschen Meisterschaft in Kassel, fünf Monate Verletzungspause ohne genaue Diagnose, Comeback, Operation, Corona-Infektion und zwischendurch ein Höhentrainingslager in Kenia. Jetzt fiebert die 23-Jährige einer neuen Herausforderung entgegen. Sonntag gibt sie in Valencia ihr Debüt auf der Marathon-Strecke.
Gemeinsam unterwegs: Katharina Saathoff und ihr Freund Tom Ole Theilken weilten erstmals in Kenia im Höhentraininslager. Bild: privat
Schon mit fünf Jahren entdeckte Saathoff beim SV Warsingsfehn ihre Liebe zur Leichtathletik, erwies sich allerdings nicht als sonderlich talentiert. „Ich konnte weder weit werfen, noch sonderlich schnell sprinten“, lacht die Studentin, die sich den Spaß trotzdem nicht verderben ließ und bei der Stange blieb. Erste Erfolge feierte sie bei Straßen-, Volks- oder Crossläufen. War es anfangs noch eher ein fröhliches Joggen, änderte sich das, als mit Frank Lünemann ein erfolgreicher Triathlet sie unter seine Fittiche nahm. „Er hat mich in die Geheimnisse der Leichtathletik eingeweiht und mir unheimlich viel beigebracht“, schwärmt Saathoff noch heute.
Schon als Fünftklässlerin tauchte sie erstmals beim Ossiloop auf. Bekannte ihrer Eltern motivierten sie damals zur Teilnahme. Quasi zum Dank ließ sie diese gleich einmal deutlich hinter sich, obwohl sie noch in normalen Hallenschuhen unterwegs war. Mehrmals entschied sie die Gesamtwertung der Sechs-Etappen-Tour zu ihren Gunsten. Positiver Nebeneffekt: Am Rande der Veranstaltung lernte sie ihren späteren Lebensgefährten und Triathleten Tom Ole Theilken kennen, mit dem sie in Bremen wohnt und ein Fernstudium in Public Health mit dem Schwerpunkt psychische Gesundheit und Prävention absolviert. Derzeit bastelt sie an ihrem Bachelor-Abschluss. Um den Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet sie für die Special Olympics und engagiert sich für Menschen mit geistiger Behinderung.
Seit 2021 schnürt die Ostfriesin ihre Laufschuhe für den Braunschweiger LC, wo ihr Ossiloop-Seriensieger Andreas Kuhlen die Trainingspläne erstellt. Bei der Deutschen Meisterschaft lief Saathoff über die 5000-Meter-Distanz zweimal in die Top Ten, ehe sie im vergangenen Jahr vom Pech verfolgt war. 600 Meter vor dem Ziel lag sie klar auf Kurs Bestleistung, als sie in einen Sturz verwickelt wurde, dessen Auswirkungen verheerend waren. Nach einer mehrmonatigen Ärzte-Odyssee und anhaltenden Schmerzen versuchte sie ihr Glück schließlich beim Heilpraktiker im heimischen Jheringsfehn, der einen eingeklemmten Nerv diagnostizierte und sofort Abhilfe verschaffen konnte.
Im Februar betrat die 1,63 Meter große Athletin Neuland und bezog gemeinsam mit ihrem Freund ein Trainingslager in Kenia. Auf einer Höhe von 2400 Meter wurde nach mehrtägiger Akklimatisierung fleißig gelaufen. Der erhoffte anschließenden „Booster“ hinsichtlich der Leistung blieb zwar aus, doch die Reise war für das Duo ein tolles Erlebnis. „Das war einfach nur fantastisch. Die Herzlichkeit der Menschen dort ist überwältigend“, betont Saathoff, die nach wie vor Kontakt nach Afrika hält und schon mehrfach gefragt wurde, wann sie denn wiederkommen.
Jetzt also der Wechsel zum Marathon. In der Vorbereitung auf die Veranstaltung in Valencia, die nach der Unwetter-Katastrophe auf der Kippe stand, warfen ein nicht ausgebrochener Infekt mit schlechten Lungen- und Blutwerten, eine Corona-Infektion sowie ein kleiner chirurgischer Eingriff Katharina Saathoff zurück. Doch die Reise nach Spanien, wo zahlreiche Weltklasse-Athletinnen an den Start gehen, tritt sie voller Optimismus an. Auf eine Zeit will sie sich bei der Premiere aber nicht festlegen. Bei der Frage, ob sie dauerhaft auf die 42-Kilometer-Strecke wechseln wird, bittet sie charmant und lachend um Geduld: „Ich werde abwarten, wie ich mich in den zwei Wochen nach dem Lauf fühle und dann weitersehen.“