Am vergangenen Sonntag feierte Lara Wolf eine besondere Premiere. Die 24-jährige Schiedsrichterin von Eintracht Sengwarden pfiff ihr erstes Bundesligaspiel. Bei der Partie des SV Werder Bremen beim FC Carl Zeiss Jena zeigte sie eine souveräne, unaufgeregte Leistung. Im ersten Teil unseres Interviews spricht sie über das Spiel und ihre Eindrücke rund um die Partie.
Lara, Glückwunsch zu deinem gelungenen Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse. Nach der Seitenwahl musstest du noch eine Minute warten, bis du die Partie anpfeifen durftest. Was hast du in dieser Minute gedacht?
Lara WolfIch dachte mir nur, dass ich noch nie so pünktlich auf dem Platz war. Eigentlich bin ich da nicht so pünktlich. Das war eine ganz schön lange Minute. Eigentlich wollte jeder anstoßen. Und es war auch unangenehm, dass da jeder stand und loslegen wollte. Man weiß, dass das Fernsehen auch schon so weit ist. Darüber habe ich nachgedacht – und mir war ein bisschen kalt.
Und mit Abpfiff warst du erleichtert?
Lara WolfDas weiß ich gar nicht mehr so genau. Es lief ja eigentlich alles gut. Ich war zufrieden, aber irgendwie ging die Zeit schnell um. Ich habe jetzt nicht während des Spiels daran gedacht, wie lange es noch dauert, aber dann war es vorbei und es war schön. Und dann war ich gespannt auf die Nachbesprechung mit unserem Beobachter.
Was hat er gesagt?
Lara WolfAuch das lief soweit gut. Ein paar Kleinigkeiten waren es halt, aber die hat man ja immer mal drin. Die beiden gelben Karten, die ich geben musste, haben gepasst. Auch das zurückgenommene Tor nach einem Handspiel nach nur zwei Spielminuten war klar, deswegen habe ich den Treffer auch nicht gegeben.
Wie viel Kilometer bist du während des Spiels in Jena gelaufen?
Lara WolfDas weiß ich tatsächlich noch nicht, aber ich schätze irgendwas um die neun Kilometer werden es wohl gewesen sein.
Wann hast du erfahren, dass du dein erstes Bundesligaspiel pfeift?
Lara WolfDas weiß ich gar nicht mehr so genau, ich glaube anderthalb oder zwei Wochen vorher wurde ich von Christine Baitinger (sportliche Leiterin der Schiedsrichterinnen beim DFB) angerufen. Sie hat dann zu mir gesagt: „Was hältst du denn von einem ersten Spiel?“
Lara Wolf hatte mit dem Spiel in Jena keine Probleme.
Hättest du lieber woanders gepfiffen als in Jena oder war dir das egal?
Lara WolfDas war mir wirklich echt egal. Ich glaube man ist einfach froh, dass es jetzt so weit ist und man den Einsatz bekommt.
Vorher warst du in der Bundesliga schon als vierte offizielle an der Linie?
Lara WolfJa, ich glaube, diese Saison waren es jetzt zwei oder drei Spiele.
Daneben pfeifst du auch noch bei den Männern...
Lara WolfJa richtig, bis zur Oberliga bin ich auch bei den Männern als Hauptschiedsrichterin tätig. Am kommenden Wochenende pfeife ich das Derby in der Bezirksliga zwischen dem WSC Frisia Wilhelmshaven und dem Heidmühler FC.
Du pfeifst ja für Eintracht Sengwarden. Freut man sich im Verein, dass sie eine Schiedsrichterin haben, die in der Bundesliga pfeift?
Lara WolfIch denke schon. Björn Först, der Fußballabteilungsleiter der Eintracht, war ja auch mit in Jena und hat sich das Spiel angeguckt. Also ich denke schon, dass da Unterstützung da ist und sie sich freuen.
Wie gestaltet sich die Anreise zu einem Spiel nach Jena?
Lara WolfEs kommt auch darauf an, wo die Assistentinnen wohnen. Wenn es auf dem Weg liegt, bilden wir eine Fahrgemeinschaft. Jetzt nach Jena bin ich mit meiner Familie gefahren, ansonsten fahr ich eigentlich die meiste Zeit mit dem Auto. Die Kosten für die Anreise übernimmt dann der DFB, sodass nicht alles auf unseren Schultern lastet. Natürlich bekommen wir auch eine geringe Aufwandsentschädigung für die Spiele.