Am vergangenen Sonntag feierte Lara Wolf eine besondere Premiere. Die 24-jährige Schiedsrichterin von Eintracht Sengwarden pfiff ihr erstes Bundesligaspiel. Bei der Partie des SV Werder Bremen beim FC Carl Zeiss Jena zeigte sie eine souveräne, unaufgeregte Leistung. Im letzten Teil unseres Interviews erzählt sie, in welchen Stadion sie gerne einmal pfeifen würde und wie ihre Freunde auf ihr Hobby reagieren.

Wäre es ein Traum von dir, einmal ein Spiel vor 20.000 oder 25.000 Zuschauern zu pfeifen?

Lara WolfGerade im Zuge der Professionalisierung ist es ja häufiger der Fall, dass die Vereine in größeren Stadien spielen. Werder Bremen zum Beispiel spielt ein- oder zweimal in der Saison ein Spiel im Weserstadion, wo dann 20.000 Zuschauer und mehr da sind. Klar, das ist schon noch ein Traum. Meine größte Kulisse war bis jetzt das Spitzenspiel in der 2. Liga zwischen dem SV Meppen und dem Hamburger SV. Das ist ja auch ein bisschen Nordderby, da waren 5000 Zuschauer da, das war sehr cool.

Ist man nervöser, wenn man vor 5000 Zuschauern pfeift?

Lara WolfEs war er für mich keine neue Spielklasse. Ich wusste ich kann das, aber natürlich hatte ich unter diesen Bedingungen noch nie gepfiffen. Ich hatte aber eine große Vorfreude. Als ich dann aus dem Spielertunnel rausgegangen bin und diese ganzen vollen Ränge und die Choreografie der Hamburger Fans gesehen habe, habe ich das Adrenalin gespürt. Es war einfach nur traumhaft.

Nimmt man denn die Geräuschkulisse wahr, wenn man in so einem vollen Stadion eine Abseitsstellung pfeift und alle losschreien? Oder ist man in diesem Moment so in einem Tunnel, dass man sich nur auf diese Szene konzentriert?

Lara WolfEs ist eher schon so, dass man konzentriert ist. Ich blende das auch aus.

Gibt es denn ein bestimmtes Stadion, im du gerne einmal pfeifen möchtest?

Lara WolfEs wäre schon cool, generell einfach in einem großen Stadion ein Spiel zu leiten. Das Weserstadion wäre schon schön, ein Traum wäre natürlich die Allianz-Arena in München.

Siehst du eigentlich von den Städten etwas außer dem Hotelzimmer?

Lara WolfIn Jena hat es zeitlich nicht gepasst, aber je nachdem wie die Anstoßzeiten liegen und wie das mit der Hotelübernachtung passt, gucke ich mir auch etwas die Städte an. Ich war so zum Beispiel letztens in Leipzig und habe da dann abends noch das Bundesligaspiel geguckt.

In deiner Freizeit gehst du Skifahren. Darfst du das eigentlich noch, oder ist das aufgrund von Verletzungsgefahren vom DFB untersagt?

Lara WolfGrundsätzlich haben wir natürlich Freizeit, aber ich muss sagen ich bin jetzt auch ein bisschen vorsichtiger geworden und überlege mir beim Skifahren auch zweimal was ich mache und was nicht. Aber grundsätzlich kann man sich auch beim Joggen verletzen. Ansonsten ist Sport einfach mein Programm.

Was machst du noch außer Skifahren und Joggen?

Lara WolfIch gehe noch ins Fitnessstudio.

Wo holst du die Zeit her?

Lara WolfPlanung ist das A und O, denn neben der Familie habe ich ja auch noch Freunde. Man muss Menschen um sich haben, die volles Verständnis für mein Hobby haben und nicht beleidigt oder traurig sind, wenn einmal ein Termin platzt.

Hast du Freunde die auch Fußballaffin sind oder haben sie mit Fußball eher weniger am Hut?

Lara WolfMeine Freunde haben weniger mit Fußball zu tun, aber ich würde sagen, dass ich durch die Schiedsrichterrei auch ein paar neue Kontakte und Freunde gefunden habe. Viele meiner Freunde fragen mich nach den Spielen wie es gelaufen ist, obwohl sie sich nicht für Fußball begeistern. Und das ist auch gut so, denn wenn ich nur Freunde hätte, die mit Fußball zu tun haben, könnte ich vielleicht gar nicht richtig abschalten.

Wie war denn die erste Reaktion deiner Eltern, als du ihnen gesagt hast: „Ich fahre nach Jena und werde ein Bundesligaspiel pfeifen“?

Lara WolfSie haben sich sehr gefreut. Ich habe vorher schon immer gesagt, dass sie egal wo das Spiel ist unbedingt dazu kommen sollen und sie haben ihr Wort gehalten und sind gekommen. Ich wusste ja zu Saisonbeginn, dass sich irgendwann in dieser Spielzeit eine Partie bekomme. Dann war es halt nur ein Warten auf den Anruf.

Auch in der U17-Bundesliga hat Lara Wolf gepfiffen, hier im September 2022 in Aurich.

Auch in der U17-Bundesliga hat Lara Wolf gepfiffen, hier im September 2022 in Aurich.

Hat der DFB durchblicken lassen, dass du diese Saison noch ein weiteres Spiel bekommst?

Lara WolfNein, aber da kann ich jetzt auch noch nichts Genaues zu sagen. Da das Spiel aber ganz gut lief, wird man abwarten müssen, wie es weitergeht. Und solange pfeife ich eben in der zweiten Liga.

Interview
Lara Wolf mit ihren Assistentinnen Anne Uersfeld (links) und Katharina Kruse auf dem Weg aus dem Spielertunnel.

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Interview
Schiedsrichterin Lara Wolf zeigte in ihrem ersten Bundesligaspiel eine gute Leistung.

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Und dort bist du Stammschiedsrichterin…

Lara WolfJa genau, das ist im Moment meine Liga. Ich habe auch nicht den Druck, in dieser Saison noch zehn Spiele in der Bundesliga pfeifen zu wollen. Wie gesagt, bis jetzt sind es nur Probespiele. Ich habe natürlich durchblicken lassen, dass das Lust auf mehr macht und dass ich natürlich noch mal Spaß daran hätte in dieser Saison. Der Rest ist jetzt abwarten. Ich nehme es wie es kommt und Druck mache ich mir nicht, das geht meistens nicht gut.

Wie lange pfeifst du jetzt in der zweiten Liga? Wie groß ist der Unterschied zur Bundesliga?

Lara WolfDies ist meine dritte Saison, inzwischen sind es 17 Spiele als Schiedsrichterin. Ob das Spiel in der zweiten Liga viel schneller als in der ersten Liga ist, kann ich noch nicht beurteilen. Ich habe ja bisher nur ein Spiel in der Bundesliga gepfiffen. Aber es ist klar, dass die Rahmenbedingungen ganz anders sind. Man hat eine vierte Offizielle dabei, das Fernsehen ist vor Ort. Die Vorbereitung ist aber bei allen Spielen gleich. Ich gehe unvoreingenommen und gucke einfach, was auf dem Platz passiert. Ich gucke mir vorher nicht an, ob eine Spielerin oder ein Trainer auffällig ist.

Ist die Kapitänsregel für euch einer Erleichterung?

Lara WolfAuf jeden Fall. Dadurch, dass dies ja vorher schon die ganze Zeit in den Medien präsent war, haben die Mannschaften das auch gut angenommen und wussten eigentlich direkt Bescheid. Es war halt präsent in den Köpfen. Grundsätzlich ist es gut, dass es diesen Dialog jetzt gibt. Und wir sind ja nicht davon befreit, mit den Spielern zu reden, wir sollen ja trotzdem noch ganz normal kommunizieren. Es geht wirklich nur um diese Big Points, um knappe situationsstrittige Entscheidungen.

Werdet ihr beim DFB während der Lehrgänge auch im Umgang mit den Medien geschult?

Lara WolfJa, wir haben da spezielle Ansprechpartnerinnen, die man kontaktieren kann. Grundsätzlich habe ich aber noch nicht viel Kontakt mit den Medien gehabt, da ich ja in der 2. Liga unterwegs bin. Ich würde mir nur gerne wünschen, dass die Medien nach strittigen Entscheidungen nicht nur die Trainer befragen und deren Meinung veröffentlichen, sondern sich auch die Sicht der Schiedsrichter holen würden.

Volkhard Patten
Volkhard Patten Nordwest-Fußball