Vechta - Rasta Vechta stand vor der Saison vor einer absoluten Herkulesaufgabe: Das Profiteam war von der zweiten Liga ProA in die Bundesliga aufgestiegen und das Reserveteam von der dritten Liga ProB in die ProA aufgerückt. Um zu bestehen, musste der Club aus dem kleinen, 34 000 Einwohner zählenden Vechta die Kader ordentlich aufrüsten. Mit Erfolg: Die Erste ist vor dem Duell an diesem Mittwoch (18.30 Uhr) bei den Rostock Seawolves Sechster im Oberhaus, die Zweite nach schwachem Start zumindest 14. im Unterhaus. Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele erklärt, wie die Rasta-Macher die Kader geplant haben.
Datenanalyse und Vision
Das Ziel beim Bundesliga-Team sei gewesen, eine „kompetitive Mannschaft aufs Feld zu stellen und den Klassenerhalt möglichst früh in trockenen Tüchern zu haben“. Und sie seien „sehr sehr zufrieden“, ergänzt Thiele, „jetzt schon einen Haken an das Saisonziel machen zu können und frühzeitig – wir sind ja auch ehrgeizig – ein neues Ziel für die Saison setzen können“. Angesichts der Platzierung nach 20 Spielen ist eine Playoff-Teilnahme des Aufsteigers absolut realistisch.
Bei der Konzeption des Kaders sei dennoch wert darauf gelegt worden, die „passenden Puzzleteile“ zu finden für das angestrebte Spielsystem von Headcoach Ty Harrelson. Dieses beschreibt Kersten-Thiele als „schnell, aggressiv und disruptiv“. Ihnen sei eine „Vielseitigkeit auf einzelnen Spielerprofilen“ wichtig gewesen. Heißt, dass die Akteure auf mehreren Positionen eingesetzt werden können.
Wunschspieler Kuhse
Dabei habe Rasta auch eine Software geholfen. „Wir gucken uns natürlich Statistiken an und versuchen abzuleiten, welcher Spieler in welcher Liga funktioniert und was wir für eine Idee haben, wie das bei uns funktionieren kann“, sagt Kersten-Thiele: „Die Datenanalyse hilft uns schon.“ Das Wichtigste sei aber immer, „dass wir eine Vision haben, ob der Spieler in unser Spielsystem passt“. Sich komplett auf datengesteuertes Recruiting zu verlassen, sei schwierig. „Das ist ja nicht Moneyball, was wir hier machen“, sagt Kersten-Thiele mit Blick auf den Baseball-Film mit Brad Pitt und Jonah Hill. Und: Auch der Charakter eines Spieler sei ganz entscheidend. „Aus Daten kann man keine Charakter ablesen“, betont der Sportdirektor. Auch die künstliche Intelligenz ersetze – bei aller Hilfe – nicht, dass man viele Spiele und Videos gucken und viel kommunizieren muss.
Ein Wunschspieler der Vechtaer war Tommy Kuhse. „Wir haben schon lange versucht, ihn herzulotsen. Wir wussten, dass er als Point Guard gut zu dem passt, wie unser Headcoach diese Position interpretiert“, erklärte Kersten-Thiele. In der Tat: Mit 19,3 Punkten pro Spiel ist er nun der drittbeste Scorer der Liga. „Es wäre vermessen zu sagen, dass wir damit gerechnet haben, dass er so einschlägt, wie er es tut“, sagte Kersten-Thiele. Aber die Hoffnung war natürlich da.
Plattform für Nachwuchs
Die „Zweite“ hat Rasta indes absolut als Farmteam konzipiert. Heißt: „Jungen Talenten sowie den Spielern aus dem eigenen Nachwuchs, die den Aufstieg erarbeitet haben, eine Plattform zu geben, sich auf Profiniveau zu messen und Erfahrungen zu sammeln“, beschreibt Kersten-Thiele. Die Akteure sollten dabei „nicht nur beim Training am Rand stehen und bei den Spielen auf der Bank sitzen“, sondern „in Anwendungs- und Entscheidungsmöglichkeiten kommen“. Und bestenfalls seien das Spieler, die kurz- bis mittelfristig auch für Vechtas Bundesliga-Kader infrage kommen.
Das Team war mit fünf Niederlagen in sechs Spielen in die Saison gestartet, hat aber inzwischen acht Siege eingefahren und ein komfortables Polster auf die Abstiegsplätze. „Die positive Entwicklung ist sichtbar“, sagt Kersten-Thiele: „Wir gucken hier wirklich von Spiel zu Spiel, wir arbeiten daran, dass die jungen Leute die Spiele entscheiden. Und da sind wir sehr zufrieden mit.“