Oldenburg/Poltawa - Der Schlusspfiff ertönt, grenzenloser Jubel bei Spielern und Trainern des ukrainischen Erstligisten Worskla Poltawa. Gerade hat man den bereits feststehenden Meister Schachtar Donezk mit 2:1 besiegt und damit die Qualifikationsrunde zur Conference League erreicht. Der Trainer, der nach dem Spiel voll des Lobes für seine Mannschaft war, ist ein alter Bekannter: Viktor Skripnik, ehemaliger Coach von Werder Bremen, trainiert Poltawa seit Sommer 2022.
Aufholjagd
„Wir sind sehr froh, dass es am Ende doch noch der fünfte Platz geworden ist“, sagt Skripnik nach dem Spiel. Am 25. Spieltag lag sein Team noch auf Rang acht, mit neun Punkten Rückstand auf den Fünftplatzierten FK Oleksandrija. Mit einem Schlussspurt von fünf Siegen aus den letzten fünf Spielen kletterte Poltawa und sicherte sich am Ende die Teilnahme an der Conference-League-Qualifikation. Zwar trat der Verein auch 2022/23 in eben jener Qualifikation an, scheiterte aber in der zweiten Runde am schwedischen Vertreter AIK Solna (3:2, 0:2).
Skripnik ist ein Werder-Urgestein. Von 1996 bis 2016 war Bremen sein Lebensmittelpunkt. Der mittlerweile 53-Jährige war als Spieler (164 Spiele) und Trainer für Werder aktiv. Als Trainer coachte er Werders Jugend- und Amateurmannschaften, von 2014 bis 2016 stand er bei den Profis als Cheftrainer an der Seitenlinie.
Knapp zwei Jahre dauerte es, bis der Ukrainer einen neuen Job an Land ziehen konnte. Ein halbes Jahr lang trainierte er den lettischen Spitzenclub FC Riga und holte direkt das Double aus Pokal und Meisterschaft. Für ihn waren es gleichzeitig als Trainer seine persönlich ersten Titel im Profibereich. Im Sommer 2019 zog es ihn dann zurück in die Heimat zu Sorja Luhansk.
Dort verbrachte er eine sportlich erfolgreiche Zeit, wurde hinter den „großen Zwei“, Dynamo Kiew und Schachtar Donezk, zweimal Dritter und qualifizierte sich damit für die Europa League. Bei Luhansk stand er in 102 Spielen an der Seitenlinie, mit dem Beginn des Krieges im Frühjahr 2022 und dem Abbruch der Saison endete aber auch sein Engagement dort.
Keine Zuschauer
Trotz des Angriffskrieges Russlands in der Ukraine und der politisch ungewissen Situation unterschrieb Skripnik einen Vertrag bei Worskla Poltawa. Seine Zeit dort war und ist noch immer von Turbulenzen geprägt. Im August vergangenen Jahres nahm die Liga den Spielbetrieb nach einer achtmonatigen Pause wieder auf.
Wegen der schwierigen Situation verließen aber viele ausländische Spieler die Liga. Vor allem Worskla Poltawa war davon betroffen. Spieler, die eigentlich zum Stammpersonal gehört hätten, waren auf einmal nicht mehr da. „Es war anders als bei Luhansk. Da hatte ich quasi ein fertiges Team, wo nur punktuell zwei oder drei neue Spieler hinzukamen“, erklärt Skripnik.
Wegen des Krieges sind bei den Spielen keine Zuschauer anwesend. Worskla musste zu Beginn der Saison bei Heimspielen mehrmals auf andere Stadien und Plätze ausweichen. Da Poltawa im Osten des Landes liegt, war es zu gefährlich. Sechsmal spielte die Mannschaft unter anderem in Minaj, das im etwas sichereren Westen der Ukraine liegt. Seit März dieses Jahres spielt die Mannschaft aber wieder in Poltawa.
„Wir wissen, in welcher Zeit wir leben“, sagt Skripnik: „Und zuallererst möchten wir denen danken, die uns und unser Land beschützen. Denn nur dank ihnen können wir weiterhin Fußball spielen.“
